Werner Lorant hatte als Trainer seine erfolgreichste Zeit bei 1860 München © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images/Imago

München - Kein Tag vergeht derzeit ohne neue Eklats bei 1860 München. Jetzt spricht Ex-Coach Werner Lorant bei SPORT1 und übt harte Kritik an der Löwen-Führung und Investor Ismaik.

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Der Blick auf die Tabelle genügt eigentlich, um die aktuelle Situation bei 1860 München zu dokumentieren. Platz 14. Nur vier Punkte Abstand auf den Relegationsplatz.

Den Löwen steht mal wieder das Wasser bis zum Hals. Als wären die sportlichen Sorgen nicht groß genug, zerlegt sich der Klub gerade mal wieder selbst.

Einer, dem das gehörig stinkt, ist Werner Lorant. "Ich bin sehr traurig und verwundert. Ich sehe bei den Verantwortlichen keinen Plan", sagte der 68-Jährige, der von 1992 bis 2001 Löwen-Trainer war, im Gespräch mit SPORT1.

Unter Lorant schaffte der Münchner Traditionsverein den Durchmarsch von der Bayernliga in die Bundesliga und hatte dort seine erfolgreichste Zeit. Doch aktuell sind die Sechziger von der Bundesliga Lichtjahre entfernt. Und die Baustellen, die sich dieser Verein selbst schafft, werden immer größer.

Hausverbot für Medien

Erst vor wenigen Wochen gab es ein Hausverbot für Medienvertreter, zudem wurden einigen Münchner Tageszeitungen die Dauerkarten entzogen.

Am vergangenen Freitag wurde einer Bild-Reporterin auf der Pressekonferenz mitgeteilt, dass man nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten wolle - weil sie einen kritischen Artikel über die Ausbootung von Profi Karim Matmour geschrieben hatte.

"Journalisten sind da, um Fragen zu stellen. Man kann nicht auf jede Frage antworten, aber man darf doch einer Reporterin nicht den Mund verbieten", meinte Lorant:

"Das geht alles überhaupt nicht. Als Verein brauche ich die Medien, gerade in einer Stadt wie München. Aussperren ist ein Unding. Schlimm."

Auch die Deutsche Fußball-Liga reagierte am Montag und forderte die Sechziger zu einem "professionellen Miteinander" mit den Medien auf. Am Abend antwortete der Zweitligist und teilte mit, an seiner Medienpolitik festzuhalten.

Eklat mit St. Paulis Aufsichtsrat 

Den nächsten Tiefpunkt gab es am vergangenen Samstag am Rande des Sieges des FC St. Pauli bei den Löwen.

Einige Gremiumsmitglieder des Kiez-Klubs, die in unmittelbarer Nähe zu 1860-Investor Hasan Ismaik saßen und den Ausgleich bejubelten, wurden von Ordnern zur Mäßigung aufgerufen.

Die Hamburger Gäste seien anschließend sogar aufgefordert worden, ihre Plätze zu verlassen und sich umzusetzen. Sprich: Ismaik wollte die Pauli-Bosse von der Tribüne verbannen und sie nicht mehr in seinem Blickfeld haben.

"Nichts gegen Herrn Ismaik, aber wir sind im deutschen Fußball. Es ist doch logisch, dass sich die Verantwortlichen auf der Tribüne über ein Tor oder den Sieg ihres Teams freuen und dann auch jubeln", so Lorant.

"Das hat doch mit Fußball nichts zu tun, was die Verantwortlichen von Sechzig da machen."

"Ismaik hat nicht so viel Ahnung von Fußball"

Schadet Ismaik dem Klub? "Schaden kann er nicht, weil er viel Geld in den Verein schmeißt, aber als Verein muss ich so stark sein, dass ich sage, dass so etwas nicht okay ist. Herr Ismaik sollte sich ein bisschen mehr um Fußball kümmern. Doch da hat er nicht so viel Ahnung von", sagte Lorant.

Generell kritisiert der ehemalige Bundesliga-Profi die Umgangsformen der Verantwortlichen, gerade im Fall Matmour: "Das hat mit Anstand zu tun. Das kann man vernünftig regeln, wenn da eine Entscheidung gefallen ist."

Und weiter: "Entscheidend ist doch, dass ich mit den Spielern ordentlich umgehe, denn das sind Menschen. Wir sind nicht in Jordanien. Das ist eine Schande, wie bei 1860 mit Menschen umgegangen wird."

Kritik an Geschäftsführer Power

Auch zu Geschäftsführer Anthony Power hat Lorant eine Meinung: "Dieser Mann ist mit Vorsicht zu genießen. Ich kann nicht Mitarbeiter einfach rausschmeißen. Es gibt immer noch das Arbeitsrecht und Verträge. Bei den Löwen ist eine Stimmung, die hat mit Fußball nichts zu tun. Das kriegen die Spieler auch mit und mit schlechter Stimmung werde ich keinen guten Fußball spielen."

Der einstige "Löwen-Dompteur" kann nur noch den Kopf über seinen Ex-Klub schütteln. "In Deutschland gibt es keinen anderen Verein, wo es so zugeht wie bei Sechzig. Das tut mir einfach nur weh."

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