Nürnberg - Nach Nürnbergs Sieg gegen Kaiserslautern ist Coach Valerien Ismael erleichtert. Doch im Hintergrund des Klubs brodelt es weiter.

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Valerien Ismael schrie nach Spielschluss seine ganze Freude heraus, ballte die rechte Faust und hüpfte wie ein kleiner Junge umher.

Der Stein, der ihm vom Herzen fiel, war tonnenschwer.

Der Job des 39-Jährigen als Trainer des 1. FC Nürnberg hatte auf dem Spiel gestanden.

Nach dem 3:2-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern (Bericht) fiel der ganze Druck von ihm ab.

Seine Spieler und alle Betreuer rannten zum Franzosen und fielen ihm in die Arme.

Für einen Moment hatte es den Anschein, als wären die Nürnberger soeben aufgestiegen.

Kein Aufstiegsgedanke

Doch an Aufstieg soll bei den Franken erst einmal keiner denken.

Ismael hatte vor dem Alles-oder-Nichts-Spiel die Zielvorgabe geändert und den direkten Wiederaufstieg zum Tabu-Thema erklärt.

"Wir haben den Druck rausgenommen, haben von Spiel zu Spiel gespürt, dass die Mannschaft mit dem Ziel Wiederaufstieg nicht klargekommen ist", erklärte Ismael.

Die Maßnahme zeigte Wirkung: Durch den Sieg gegen die "Roten Teufel" schraubten die Franken ihr Punktekonto auf neun Zähler hoch und belegen nun Platz 13 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Schöpf: "Druck war enorm"

Seine Mannschaft zeigte sich gegen den FCK wie von einer Last befreit.

Alessandro Schöpf, mit zwei Toren und einem Assist Matchwinner erklärte, dass die Truppe für den Trainer spielte: "Der Druck war enorm und es war für den Trainer einfach wichtig, dass wir gewonnen haben", sagte Schöpf auf SPORT1-Nachfrage.

Der Franzose war nach der zuletzt immer stärker werdenden Kritik und drei Niederlagen in Folge mit 0:8-Toren einfach nur erleichtert und glücklich über den dritten Saisonsieg.

"Mein Dank nach dem Abpfiff galt meiner Familie. Es war für sie keine leichte Zeit zuletzt und deswegen hat es mich gefreut, dass alle da waren", sagte der Franzose zu SPORT1.

Trainerdiskussion vorerst vom Tisch

Die Trainerdiskussion dürfte vorerst vom Tisch sein. Zur Freude von Schöpf. "Wir wollen auf alle Fälle mit Ismael weitermachen" betonte der Österreicher, "ein neuer Trainer hätte wieder ein neues System und eine Philosophie, da weiß man auch nicht, wie sich das weiter entwickelt. Deshalb würden wir schon gerne mit Ismael weiter arbeiten."

Ismael war dankbar für die Unterstützung. Man könne sich vorstellen, "was das für eine Last war. Dass wir von der ersten Minute an so eine gute Leistung abgeliefert haben und die drei Punkte geholt haben, ist eine erfreuliche Nachricht nach dem ganzen Druck", sagte der Trainer.

Bis diese erfreuliche Nachricht aber in trockenen Tüchern war, musste in Nürnberg am Montagabend bis zum Abpfiff gezittert werden.

Nach 51 Minuten stand es 3:0 und es sah nach einer überraschend klaren Angelegenheit für den Club aus, doch mit zunehmender Spieldauer im zweiten Durchgang wurde es immer brenzliger für den FCN. Der Sieg hing bis zum Schluss am seidenen Faden.

"Ganz anderer Geist im Stadion"

"Ich habe gedacht, ich bin im falschen Film, aber dann habe ich gespürt, dass sich die Mannschaft nicht unterkriegen lässt. Auch das Publikum stand hinter uns. Es war ein ganz anderer Geist im Stadion", sagte Ismael.

"Zu 90 Prozent haben wir das Spiel in der ersten Halbzeit gewonnen" sagte Schöpf. Mit seiner Leistung war er rundum zufrieden. "Ich will in jedem Spiel hundert Prozent geben. Für mich ist es wunderschön, wenn ich der Mannschaft helfen kann", befand der 20-Jährige, der auf eine bessere Zukunft hofft:

"In den letzten Wochen war bei uns alles ziemlich schwer. Heute ist der Druck abgefallen. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Spielen an die Leistung von heute anknüpfen kann."

Sieg für Ismael

Keine Frage, es war ein Sieg für Ismael. Doch den schienen die Diskussionen um seine Person nicht zu interessieren.

"Ich habe mich nur auf das Spiel konzentriert und nicht an morgen gedacht", sagte er, "aber ich weiß auch, dass es im Fußball Dinge gibt, die man nicht erklären kann und deshalb ist es immer gut, wenn man an sich glaubt."

Koch attackiert weiter

Sportlich hat sich die Lage etwas beruhigt, doch hinter den Kulissen brodelt es weiter.

Vor der Jahreshauptversammlung am Dienstag attackierte Aufsichtsrat Günther Koch erneut Sportdirektor Martin Bader.

"Viele Dinge, die wir besprochen und beschlossen haben wurden nicht umgesetzt - oder nur zögerlich und vieles zu langsam", urteilte Koch über die Arbeit Baders bei SPORT1.fm.

Koch erneuerte zudem seine Forderung nach einem Rücktritt Baders: "Wir sollten einen Weg finden, dass er sich verabschiedet und wir gemeinsam eine ruhige Mitgliederversammlung haben in der er seinen Abschiedsbericht gibt."

Trotz des sportlichen Befreiungsschlags ist am Valznerweiher noch längst keine Ruhe eingekehrt..