PowerOfEvil beginnt bei Misfits ein neues Kapitel in seiner Karriere © Riot Games

Der deutsche Mid-Laner Tristan "PowerOfEvil" Schrage wechselt in der Off-Season zu Misfits. Im SPORT1-Interview spricht er über sein turbulentes Jahr und sein neues Team.

von

Rund ein Jahr lang schwang der deutsche Mid-Laner für Origen die Maus, ehe im Dezember sein Abschied und der Wechsel zum Liga-Konkurrenten Misfits bekannt gegeben wurde. Mit seinem früheren Team gewann der 19-Jährige im November 2015 die Intel Extreme Masters in San Jose und erreichte im Spring Split der EU LCS das Endspiel.

Der Summer Split verlief allerdings für alle Beteiligten spielerisch enttäuschend. Mit einem 3:2 im Relegationsturnier über sein jetziges Team Misfits hielten PowerOfEvil und seine früheren Mitspieler von Origen die Klasse. Im Interview mit SPORT1 spricht der deutsche Mid-Laner über die Zeit bei Origen, den Wechsel zu Misfits und seine neuen Mitspieler.

SPORT1: Du hast rund ein Jahr lang bei Origen gespielt. Der Start verlief ziemlich gut, aber nach einem chaotischen Summer Split habt ihr sogar gegen den Abstieg spielen müssen. Wie war dieses eine Jahr für dich? Würdest du sagen, dass es verschwendet war?

Tristan "PowerOfEvil" Schrage: Ich würde nicht sagen, dass das Jahr verschwendet war, denn ich hatte zum ersten Mal die IEM gewonnen. Die Trophäe hochhalten zu können, war ein großer Erfolg für mich. Mit den Unicorns of Love hatten wir auch große Erfolge, aber zu einem Titel hat es nie gereicht. Mit Origen habe ich außerdem mein bisher größtes Event gespielt: IEM Katowice. Das Ganze zu erleben, war eine schöne Erfahrung.

Generell kann man eigentlich nie von einem Split sagen, dass er verschwendete Zeit war, weil man so viel gelernt hat. Meine Intention, als ich Origen beigetreten bin, war, von den Veteranen im Team so viel wie möglich zu lernen, weil sie alle viel Erfahrung haben und viel vom Spiel verstehen. Ich bin mir sicher, dass ich zu Misfits viel mitgenommen habe.

SPORT1: Während der Pre-Season sind deine ehemaligen Mitspieler bei Origen nach und nach gegangen. Die Organisation hatte angekündigt, auf jeder Position Spieler zu testen. Du gehörtest auch zu den Kandidaten, bist dann aber zu Misfits gewechselt. Könntest du bitte ein wenig erzählen, wie sich die ganze Situation abgespielt hat und was für dich der ausschlaggebende Punkt war?

PowerOfEvil: Wir hatten bei Origen sehr lange Tryouts und viele Spieler, die getestet wurden, ohne dass irgendein Spieler eine richtige Bestätigung bekommen hat, dass er definitiv aufgenommen wird.

Ich hatte dann das Angebot von Misfits bekommen, nach Südkorea zu reisen und dort vorzuspielen. Zeitnah hatte Origen mir versichert, dass ich bei Interesse genommen werden würde, allerdings hatte ich Misfits zu diesem Zeitpunkt schon die Zusage gegeben, zumindest nach Südkorea zu reisen. Diese wollte ich einhalten. Zum ersten Mal in diesem Land zu sein und gegen einheimische Teams zu scrimmen, war eine schöne Erfahrung.

Ich wollte mir die Unterschiede zwischen beiden Teams anschauen und mir hat das Gesamtpaket bei Misfits einfach gefallen. Die Spieler sind sehr nett und ich bin zufrieden mit meinem Jungler KaKAO. Es macht Spaß, mit den Jungs zu spielen und wir hatten auch Erfolg in Korea, weswegen es für mich die richtige Entscheidung war. Ich habe Origen daraufhin noch in Südkorea abgesagt, damit sie mehr Zeit haben würden, einen anderen Mid-Laner zu finden. Ich hatte außerdem das Gefühl, dass der Informationsfluss bei Misfits etwas schneller war und die Strukturen etwas professioneller sind. Das kann man aber nicht genau sagen, weil Origen den eigenen Stab nun auch ausgebaut hat.

SPORT1: Dein neuer Jungler KaKAO ist natürlich ein großer Name. Während seiner Zeit in Korea war er sehr erfolgreich, ist nach seinem Wechsel nach China, insbesondere 2016, aber immer weiter abgetaucht. Konntest du in der kurzen Zeit schon diese Genialität von früher bei ihm aufblitzen sehen?

PowerOfEvil: Außerhalb des Spiels ist er sehr lustig. Seine Englischkenntnisse waren nicht sonderlich gut, aber er nimmt Kurse, um sich zu verbessern. Meiner Meinung nach lernt er schnell, sein Englisch ist rasch sehr gut geworden. Spontan fällt mir nichts ein, was er nicht sofort im Spiel ansagen könnte.

Im Spiel selbst ist er sehr schlau. Er weiß viel und ist immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir können zusammen Plays machen und er stirbt nicht einfach so im gegnerischen Jungle, weil er zu viel riskiert hat. Er ist das Gegenteil von einem "Coin-Flip-Player", die manchmal sehr gut und manchmal sehr schlecht sind. KaKAO ist konstant gut.

SPORT1: Ihr beiden seid die erfahrensten Spieler im Lineup. Mit Alphari und Hans sama habt ihr zwei Rookies und mit IgNar einen Profi mit etwas weniger Erfahrung im Team. Fühlst du dich deswegen eher als Anführer und Mentor?

PowerOfEvil: Wir müssen natürlich erst einmal schauen, wie die ersten Spiele auf der Stage laufen werden. Der Einstieg mit den ersten Auftritten auf der Bühne ist nicht immer leicht. Man kann in den ersten zwei oder drei Spielen leicht nervös werden. Die Jungs sind aber alle sehr selbstbewusst. Ich denke mit KaKAO und mir können wir zuversichtlich reingehen, mit unserer Erfahrung sollten wir diese Probleme in den Griff bekommen, falls sie auftreten sollten.

SPORT1: Deine ehemaligen Mitspieler sOAZ und Amazing sind gemeinsam zu Fnatic gewechselt. Die Community ist eher geteilter Meinung, wenn es um die Stärke des neuen Lineups geht. Wie schätzt du dieses Team ein? Kann Fnatic mit den beiden zurück in die Erfolgsspur finden?

PowerOfEvil: Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, weil wir noch nicht viel gescrimmt haben. Ich freue mich natürlich für Maurice (Anm. d. Red.: Amazing) und sOAZ, dass sie eine gute Organisation gefunden haben. Das ist sicherlich ein Vorteil für beide. Ich wünsche ihnen nur das Beste für diesen Split.

SPORT1: Eine Änderung, die sicherlich diesen Spring Split beeinflussen wird, ist der Wechsel von sechs auf zehn Bans. Was denkst du über diese Neuerung?

PowerOfEvil: Ich finde die Änderung sehr gut. Es gibt momentan viele Champions, die einfach overpowered sind. Meistens ist die Ban-Phase nur dazu da, diese Champions aus dem Spiel zu nehmen. Deswegen gab es früher in der Regel nur maximal einen Target-Ban. Jetzt wird es eher möglich sein, gezielt gegen bestimmte Gegner Champions zu bannen oder eine Lane zu fokussieren.

Das eröffnet eine Reihe von neuen Strategien für die Teams. Leider gibt es dieses System noch nicht auf den Live-Servern, weswegen es schwierig ist, das in Scrims zu praktizieren. Wahrscheinlich wird es zu Beginn des Splits eher chaotisch sein, bis die Teams herausgefunden haben, was die beste Vorgehensweise ist.

Weiterlesen