Im Trikot von Schalke lief es oft eher schlecht für Gilius & Co. © Riot Games

Gilius resümiert seine Zeit bei Schalke 04 und ist der Ansicht, der Club habe zu voreilig gehandelt. Seiner Zukunft in den USA blickt er optimistisch entgegen.

Von Maximilian Eichgrün

Berk "Gilius" Demir hat im vergangenen Split als Jungler für Schalke 04 die Maus geschwungen. Nach einer besonders bitteren Rückrunde stieg er mit den Königsblauen in die Challenger Series ab.

Probleme wurden vernachlässigt

 Die Vernachlässigung seiner eigenen Gesundheit sei dem Deutschen zum Verhängnis geworden: "Zum Ende des Splits hin habe ich keinen Sport mehr gemacht und nur noch Fast Food gegessen", erinnert er sich. Darunter hätten auch seine Leistungen gelitten, gibt Gilius zu.

Auch intern sei nicht immer alles rund gelaufen. Er habe es versäumt,  bei Problemen im Team nicht direkt mit dem Management zu reden: "Ich bereue, dass ich nicht nach Lösungen für Probleme gesucht, sondern sie einfach hingenommen habe", sagt der Jungler.

"Schalke hat sich nicht um uns gekümmert"

Auf die Frage, ob er die Chance gehabt hätte, für Schalke in der Challenger Series weiterzuspielen, antwortet Gilius: "Ich habe mit Schalke abgeschlossen und gesagt, dass ich nicht länger für das Team spielen will." 

Der Grund für diese Entscheidung sei gewesen, dass Schalke das Team nicht wirklich unterstützt hätte: "Ich hatte das Gefühl, dass wir als Team nicht viel Hilfe von der Organisation bekommen haben". Er habe zudem mit den neuen Spielern von Schalke 04 gesprochen: "Sie meinten, dass Schalke jetzt erst aufgerüstet hat, mit besserer Infrastruktur und besseren Gehältern."

Gilius findet, dass Schalke seine Ressourcen im vergangenen Split nicht richtig genutzt habe. Das hing aus seiner Sicht vor allem damit zusammen, dass die Königsblauen das Team von Elements zu kurzfristig vor dem Beginn des Summer Splits übernommen hätten.

Es sei dem Verein nur darum gegangen, nicht abzusteigen und im Folgejahr richtig anzugreifen. Dies sei für ihn einer der Hauptgründe für den Abstieg gewesen: "Es war einfach genau wie bei Elements", meint er. Daher ist Gilius der Ansicht, dass es "besser gewesen wäre, im nächsten Split einzusteigen". Schalkes Entscheidung sei für ihn übereilt gewesen.

Neues Kapitel in Nordamerika

Gilius steht nun gemeinsam mit seinem Teamkollegen bei Schalke und den Unicorns of Love, Hampus "Fox" Myhre, beim nordamerikanischen Challenger Series Team eUnited unter Vertrag. Aktuell befindet er sich mit seinen Mitspielern im Bootcamp in Südkorea.

Er habe in Europa nur Angebote von schwächeren LCS-Teams erhalten und die Differenz in der Qualität des Managements sowie der Höhe der Gehälter zwischen schwachen und starken Teams sei enorm. Daher sei für den Deutschen eUnited die beste Option gewesen, die er hätte wählen können: "Ich habe das Angebot zusammen mit Fox erhalten, mit dem ich schon lange zusammenspiele. Wir verstehen uns sehr gut, es hat perfekt gepasst", begründet er den Wechsel.

Seine drei neuen Teamkollegen bei eUnited, die allesamt neu in der semi-professionellen Szene sind, finde Gilius sehr vielversprechend und habe bisher positive Erfahrungen gesammelt: "Ich bin sehr zufrieden, wir spielen gut zusammen."

Wie gewohnt optimistisch zeigt er sich angesichts des kommenden Splits: "Ich denke, wir werden direkt aufsteigen. In der Challenger Series scheint der Konkurrenzkampf ziemlich schwach zu sein und es gibt in der NA LCS zwei sehr schwache Teams. Daher denke ich, dass wir sehr gute Chancen haben."

Die Mitspieler bei Schalke

Gilius hätte nach eigener Aussage mit einem weiteren Ex-Schalker sehr gerne zusammengespielt: AD-Carry Rasmus "MrRallez" Skinneholm. Über diesen spricht der deutsche Jungler in höchsten Tönen: "Er ist ein extrem schlauer Spieler und ein Veteran. Durch ihn habe ich viel über das Spiel gelernt."

Das League of Legends-Team der Knappen stieg im August aus der EU LCS ab © Riot Games

Doch nicht alle Akteure aus Schalker Zeiten würde er wieder als Teammitglieder haben wollen: "Mit Sprattel hätte ich nicht gerne weitergespielt, weil ich nicht glaube, dass er und ich die gleiche Motivation teilen", sagt der Jungler.

Der Vergleich zwischen Europa und Nordamerika

Auf Nachfrage vergleicht Gilius das Niveau der semi-professionellen League of Legends-Ligen in Nordamerika und Europa: "In den letzten Jahren war Nordamerika vielleicht sogar besser, aber dieses Jahr sieht Europa stärker aus, gerade mit Schalke, Paris Saint-Germain und Misfits Academy, die sehr starke Teams haben", schätzt er die Ligen ein.

Die Änderungen am Spiel

Gilius spricht am Ende des Interviews auch über die neuen Patches und die Veränderungen, die sie mit sich bringen: "Ich finde die Änderungen eigentlich sehr sehr gut. Ich muss aber sagen, dass meine Rolle gerade zu stark ist. Die Camps geben viel zu viel Erfahrung. Lee Sin und Rengar sind gerade ein bisschen zu stark", meint er.

Die Regelung, dass im professionellen Spiel in der neuen Saison mit 10 Bans gespielt wird, hält er für eine gute Sache. So würden die Spieler motiviert, League of Legends intensiver zu spielen und mehr Champions zu lernen. Auch für ihn selbst werde das eine Herausforderung darstellen.

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