Köln - Die deutsche Mannschaft geht als Außenseiter in das WM-Viertelfinale gegen Titelverteidiger Kanada. Es gibt aber auch Grund zur Hoffnung.

von , Jonas Beck , Sascha Bandermann

Bei der Heim-WM in Köln steht die deutsche Nationalmannschaft vor einer echten Herkules-Aufgabe: Nach dem dramatischen Penalty-Krimi gegen Lettland muss das DEB-Team im Viertelfinale gegen Kanada ran (ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Die Kanadier sind eine der besten Mannschaften der Welt und Top-Anwärter auf den Weltmeistertitel.

Deutschland dagegen: Der krasse Außenseiter. Wer bei den Buchmachern auf einen deutschen Sieg setzt, würde im Erfolgsfall rund das 14-fache seines Einsatzes zurückbekommen.

Die WM-Bilanz gegen die Kanadier ist mit zwei Siegen, einem Unentschieden und 32 Niederlagen ernüchternd.

Papa Draisaitl bei Drama und letztem WM-Sieg dabei

Den letzten WM-Sieg gegen die Ahornblätter gab es beim 5:1 am 24. April 1996 in Wien. Damals im Kader: Peter Draisaitl, Vater des aktuellen deutschen Hoffnungsträgers Leon Draisaitl,

Papa Draisaitl war auch beim größten Drama gegen Kanada dabei, als bei seinem legendärern Penaltyschuss bei den Olympischen Spielen 1992 der Puck auf der Linie liegen blieb, was für die deutsche Mannschaft das Aus bedeutete.

Sohnemann Leon, NHL-Crack von den Edmonton Oilers, versprüht vor dem Spiel Optimismus: "Ich denke, jedes Team ist schlagbar", sagte Draisaitl SPORT1: "Wir sind wahrscheinlich nicht der Favorit in diesem Spiel. Aber in diesem Turnier kann viel passieren. Mit dieser Einstellung werden wir auch in die Partie gehen."

Zu Recht, denn für die Deutschen gibt es durchaus Grund zur Hoffnung.

Kanada hat sich schon einen Patzer geleistet

Zwar haben die Kanadier im bisherigen Turnierverlauf viele souveräne Siege eingefahren und beendeten ihre Gruppe als Erster. Aber: Gegen die Schweiz verlor man nach 2:0-Führung noch mit 2:3 nach Verlängerung.

Das zeigt, dass dieses kanadische Team durchaus schlagbar ist. Die deutsche Mannschaft hat beim 2:1-Traumstart gegen die USA wiederum bewiesen, dass sie an einem guten Tag auch eine ganz große Mannschaft bezwingen kann. 

Das sind die Kanadier ohne Zweifel. Der Kader ist gespickt mit Spitzenspielern aus der NHL. Bester Akteur ist aktuell der erst 21 Jahre alte Angreifer Nathan MacKinnon. Mit fünf Toren und sieben Assists ist er derzeit zweitbester WM-Scorer.

Mehrere Stars um Crosby fehlen

Stars wie Sidney Crosby, Ryan Getzlaf, Cam Talbot oder Draisaitls Oilers-Kollege Connor McDavid sagten allerdings ab. Stürmer Matt Duchene und Verteidiger Marc-Edouard Vlasic sind die einzigen Olympiasieger von 2014 im WM-Team.

Auch deshalb hält Draisaitl die Kanadier nicht für unschlagbar. "Wir brauchen nicht nervös zu werden, weil Kanada auf dem Trikot steht und ein paar NHL-Spieler dabei sind", meinte der 21-Jährige. "Wir können auch Eishockey spielen."

Draisaitls Selbstbewusstsein ist gerechtfertigt: In seiner dritten NHL-Saison kam er auf 93 Scorerpunkte. Das ist mehr als jeder Spieler in der kanadischen Mannschaft.

Auch Marco Sturm zeigt sich mutig. "Wir haben unser Ziel erreicht, aber dürfen hier nicht aufhören. Es war viel zu oft die Möglichkeit in der Vergangenheit da - und immer wieder waren wir zu zufrieden mit dem Erreichen des Viertelfinals. So sollte man nicht denken", sagte der 38-Jährige vor dem Duell mit dem 26-maligen Titelträger bei SPORT1.

Heim-Fans flößen Kanadiern Respekt ein

Bauen kann Deutschland zudem wieder auf die eigenen Fans im Rücken. Die Kölner Arena wird restlos ausverkauft sein. Rund 18.700 Zuschauer werden die Halle wie schon gegen Lettland in einen Hexenkessel verwandeln.

Kanadas Stürmer Sean Couturier zeigt großen Respekt vor der Atmosphäre in der Domstadt. Er gab zu: "Es wird ein schwieriges Spiel in ihrer Halle mit den Heimfans." Durch die Außenseiterrolle kann die deutsche Mannschaft zudem ganz befreit in die Partie gehen.

Adler-Coach traut Deutschland Sensation zu

Das glaubt auch Sean Simpson, kanadischer Trainer der Adler Mannheim.

"Die Deutschen haben null zu verlieren", sagte Simpson im Gespräch mit SPORT1: "Sie können wirklich locker in das Spiel gehen. Sie haben ein super Turnier gespielt bis jetzt. Gegen Kanada sind sie sicher die Underdogs. Aber sie haben das heimische Publikum hinter sich. Es wird ein sehr spannendes Spiel."

Der Tipp des Kanadiers, der viele Jahre in Deutschland arbeitete? "Eigentlich muss man für Kanada tippen, aber ich schätze die Chancen der Deutschen sehr hoch ein."

Musik in Sturms Ohren, der "eine große Leidenschaft" von seiner Mannschaft erwartet: "Unsere Reise ist noch nicht vorbei."

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