SPORT1-Experte Marcel Goc wagt einen Ausblick auf das Gruppenfinale gegen Lettland © SPORT1-Grafik/Getty Images

SPORT1-Experte Marcel Goc ist begeistert von Leon Draisaitl. Dank ihm und der deutschen Mentalität sieht er gute Chancen fürs Viertelfinale.

Hallo Eishockey-Fans,

was war das für ein erster WM-Auftritt von Leon Draisaitl! Der NHL-Star hat gegen Italien ein sehr gutes Spiel abgeliefert, der Mannschaft viel geholfen und seine Mitspieler in Szene gesetzt.

Er hat seinen Schwung über den Großen Teich mitgebracht. Er hat eine Riesensaison in Edmonton gespielt und herausragende Spiele in den Playoffs gezeigt.

Die lange Anreise aus Kanada und die Zeitumstellung waren kein Problem für ihn. Das liegt daran, dass er den Rhythmus "schlafen, essen, spielen" aus der NHL gewohnt ist. Ich habe diesen Rhythmus ja selbst jahrelang mitgemacht. Das hat man dann irgendwann im Blut. Deshalb denke ich, dass Leon auch gut erholt in das wichtige Spiel gegen Lettland geht.

Draisaitl steht voll im Saft

Dass er gegen Italien durchgespielt hat und sogar am Ende noch mit Yannic Seidenberg und Marcus Kink auf dem Eis stand, ist ein gutes Zeichen, dass er voll im Saft steht.

Leon ist einer der Superstars der NHL. Wenn du dich in der besten Liga der Welt sogar noch absetzen kannst wie er, hat das schon seine Gründe. Alles was er macht, hat Hand und Fuß.

Philipp Grubauer spielt zwar in Washington nicht regelmäßig, aber auch er kann der Mannschaft helfen. Er ist wie Thomas Greiss ein Top-Torhüter und spielt nicht durch Zufall in der NHL. Das soll die Leistung von Danny aus den Birken aber nicht schmälern.

Philipp ist wie Danny und Thomas ein ruhiger Typ, ein technischer Goalie, der keine großen Ausflüge macht oder von Pfosten zu Pfosten springt.

Lettland steht uns in nichts nach

Dass nun Lettland unser Konkurrent um Platz vier ist, war vorherzusehen.

Die Letten haben gegen starke Gegner ihre Klasse gezeigt. Gegen die USA haben sie lange geführt. Wenn man nicht zu 100 Prozent und konzentriert bei der Sache ist, nutzen sie die Fehler eiskalt aus.

Sie stehen uns spielerisch und läuferisch in nichts nach, vielleicht ist der eine oder andere von ihnen sogar noch stärker.

In der Olympia-Qualifikation im vergangenen September haben wir 3:2 gewonnen. Damals stand ich selbst auch auf dem Eis. Wir waren echt gut drauf und hatten einfach das Selbstvertrauen, dass wir es können und auch aufs Eis bringen. Wir hatten keinen Zweifel.

Wenn die Mannschaft das umsetzt, was sie kann, sollte es dieses Mal auch wieder klappen.

Schnelles Umschalten als Erfolgsrezept

Wir müssen Kampfgeist und Willen zeigen, unser System durchsetzen, hinten konsequent arbeiten und auf keinen Fall beim Forechecking nachlassen. Das hat die Mannschaft bisher gut gemacht. Sie hat schnell umgeschaltet und sich Chancen erarbeitet. Wenn wir schnell nach vorne gespielt haben, waren wir oft gefährlich.

Auch die Special Teams werden eine wichtige Rolle spielen. Sie machen immer mehr den Unterschied aus, das hat die WM noch einmal gezeigt. Die Pässe müssen einfach sitzen. Es muss harmonieren, das gilt auch für Unterzahl.

Ich habe schon mit einigen Spielern SMS geschrieben. Ich wäre gern dabei, aber ich bin leider verletzt und raus. Aber das macht nichts: Die Jungs spielen echt gut und ich genieße es zuzuschauen.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Marcel Goc

Marcel Goc (33) ist 107-maliger Nationalspieler und führte Deutschland als Kapitän beim Wintermärchen 2010 auf Platz 4. Die San Jose Sharks zogen ihn im NHL-Draft 2001 in der 1. Runde an Nummer 20. Nach 699 NHL-Spielen holten ihn die Adler Mannheim 2015 zurück in die DEL. Wegen eines Kreuzbandrisses kann der Stürmer nicht bei der Heim-WM spielen, dafür bereichert Goc als Experte das SPORT1-Team.

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