Rick Goldmann blickt in seiner Kolumne auf die DEL-Halbfinals Red Bull München - Eisbären Berlin und Nürnberg Ice-Tigers - Grizzlys Wolfsburg © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann / Getty Images / Imago

SPORT1-Experte Rick Goldmann fiebert den Halbfinals München - Berlin und Nürnberg - Wolfsburg entgegen und erwartet in den Duellen der Gegensätze Spannung pur.

Liebe Eishockey-Freunde,

vorne weg erst einmal: Danke Fischtown Pinguins, danke Augsburger Panther, danke Kölner Haie, danke Adler Mannheim. Für das, was ihr geleistet habt, was ihr gezeigt habt, mit dem ihr uns begeistert habt.

Es waren überragende Viertelfinalserien, mit unglaublichen, unvergesslichen Spielen.

Der Verlängerungs-Wahnsinn zwischen Mannheim und den Eisbären Berlin, die Comeback-Qualitäten der Haie, die Moral der Panther, die Freude in Bremerhaven. Das ist es, was unseren Sport ausmacht, was das Eishockey-Herz höher schlagen lässt.

Nach diesen sensationellen Viertelfinals erwarten uns ebenso spektakuläre Halbfinals - Halbfinals der absoluten Gegenteile.

Allein bei der Serie zwischen den Thomas Sabo Ice Tigers und den Grizzlys Wolfsburg prallen zwei gegensätzliche Spielweisen aufeinander. Auf der einen Seite die Nürnberger mit ihrer Offensiv-Power, der Härte, ihrer enormen Physis.

Auf der anderen Seite Wolfsburger Defensivkünstler um den überragenden Keeper Felix Brückmann mit ihrem schnellen und taktisch sehr variablen Eishockey. Und hinter der Bande Mastermind Pavel Gross, der wie kaum ein anderer seine Mannschaft auf einen Gegner einstellen kann.

Was Wolfsburgs Prunkstück Defensive anstellen kann, hat die Serie gegen die Haie gezeigt. Nur acht Gegentore in sieben Spielen - das ist phänomenal.

Da wird es Nürnbergs Offensive schwer haben, auch wenn sie gegen Augsburg in den Spielen 6 und 7 ins Rollen gekommen ist. Nürnbergs Parade-Reihe Patrick Reimer, Steven Reinprecht und Yasin Ehliz war zur Stelle, wenn sie gebraucht wurde.

Von dieser Stelle auch gute Besserung an Yasin Ehliz. Seine Ohrverletzung sah wirklich schlimm aus. Aber Yasin ist ein Kämpfer, der wird in Spiel 1 wieder auf dem Eis stehen.

Dass sie Kämpfer sind, haben auch die Eisbären gezeigt. Hut ab, was diese Truppe geleistet hat. 633 Minuten und 37 Sekunden stand sie in den zwei Pre-Playoffs- und sieben Viertelfinal-Spielen auf dem Eis.

Zum Vergleich: Bei Gegner München waren es in vier Viertelfinals gerade einmal 240 Minuten. Aber auch wenn die Eisbären dadurch etwas ausgepowert sind: Sie sind durch dieses Erlebnis von vier Partien mit insgesamt acht Verlängerungen zusammengewachsen. Solch ein Serie gegen Mannheim, die schweißt zusammen. Das kann dem Team einen richtigen Push geben.

Und dann ist da noch Petri Vehanen. Was der finnische Keeper in Spiel 7 gehalten hat, war von einem anderen Stern.

Das wird auch für Münchens Offensiv-Maschinerie eine große Herausforderung. Aber: Der Meister ist ausgeruht, geht mit einer neuntägigen Pause frisch gestärkt in Spiel 1. Die Special Teams spielen sensationell. 42,9 Prozent Powerplay, ein perfektes Penalty Killing und dabei selbst noch ein Tor erzielt. Gerade auf die Special Teams kommt es in engen Playoff-Serien an.

Und das ist es auch, was ich in Halbfinals erwarte: Enge Serien und vielleicht wie in den Viertelfinals Duelle über die volle Distanz und darüber hinaus.

Euer Rick

Rick Goldmann, 40, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft.

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