Konstantin Schad beschreibt bei SPORT1 seine Vorbereitung auf Olympia. Nächster Halt: Kanada. Diesmal mit eigenem Board.

Hallo Wintersport-Freunde,

Ich melde mich aus Lake Louise, Kanada, wo am Samstag der zweite Snowboardcross-Weltcup dieser Saison ansteht und ich schon einen ersten Geist gesehen habe. Gestern beim Frühstück saß nämlich plötzlich der Amerikaner Nate Holland neben mir am Tisch.

Jener Nate Holland, der sich beim Saisonauftakt im österreichischen Schruns vor knapp zwei Wochen das Schlüsselbein gebrochen hatte und damit auch den historischen ersten deutschen Sieg in einem Weltcup-Teamevent verpasste, also den Erfolg von Paul Berg und mir.

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Nate Holland ? den Arm noch in einer Schlinge vor dem Bauch tragend ? erzählte mir jedenfalls im Frühstückssaal des noblen Fairmont Hotels mit Blick auf den örtlichen See und die Rocky Mountains, er werde in dieser Woche starten, was bei der Schwere der Verletzung an sich ein Ding der medizinischen Unmöglichkeit ist ? aber was tut man nicht alles für die Olympia-Qualifikation, die man noch nicht in der Tasche hat.

Doch Nate hatte nicht nur diese Überraschung für mich parat, er erzählte mir weiter, dass nicht nur er, sondern auch sein Landsmann, die Legende Shaun Palmer, nach Weihnachten in den Weltcup zurückkehren werde.

Palmer? Der ist inzwischen 45 Jahre alt! Also wenn Nate Holland ein auferstandener Geist ist, dann sprechen wir bei Palmer von der "Rückkehr der Mumie".

Zurück zur aktuellen Realität. Die Strecke in Lake Louise ist schon sehr cool. Sie liegt im Zielhang der Alpinski-Abfahrtspiste und zeichnet sich durch weite Sprünge aus.

Allerdings hat in diesem Jahr der natürliche Schneefall zu spät eingesetzt, sodass die Veranstalter erst mal ein Kunstschneefundament haben legen müssen.

Das wird zwar bei im Schnitt -20 Grad in den kommenden Tagen gut halten, hat aber auch dazu geführt, dass man die Piste nicht breit genug hat anlegen können.

Demzufolge werden wir mit vier statt der vorgesehen sechs Starter pro Heat ins Rennen gehen.

Wir Fahrer sind den Veranstaltern hier in Lake Louise wirklich sehr dankbar, dass sie kein Sturz-Spektakel erzwingen oder zumindest in Kauf nehmen, sondern im Sinne der Gesundheit von uns Fahrern entschieden haben.

Als gutes Omen für das Wochenende werte ich übrigens, dass wir einen neuen Rekord aufgestellt haben.

Denn in diesem Jahr ist auf der langen Anreise ? 20-Stunden-Flug von München über Chicago nach Calgary, Übernachtung, 2-Stunden-Autotransfer nach Lake Louise ? nur ein einziges der insgesamt 19 unseres Nationalmannschaftstrosses nicht auf dem Gepäckband am Flughafen aufgetaucht.

Beim letztjährigen "Vorweihnachtsrennen" in Nordamerika waren auf der Hinreise unter anderem nämlich meine Boards verschwunden.

Fürs Rennen musste ich mir eines leihen, man nannte mich wegen der erstaunlich guten Zeit damals "The Rental Rocket" ? aber das ist eine andere Geschichte.

Bis kommende Woche,

Konsti Schad

Konstantin Schad gehört für Sotschi zu den großen deutschen Medaillenhoffnungen in der Disziplin Snowboardcross. 2012 schaffte der gebürtige Rosenheimer mit seinem ersten Weltcup-Sieg den endgültigen Durchbruch in die Weltspitze. Bei SPORT1 berichtet der 26-Jährige regelmäßig über seinen Weg zu den Olympischen Spielen. Er liefert dabei Einblicke in seine junge Sportart und schildert auf lockere humorvolle Art unbekannte Details aus seinem sportlichen Alltag.

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