Andreas Wellinger feierte im November 2012 sein Weltcup-Debüt © getty

Vor der Vierschanzentournee setzt ein deutsches Talent ein echtes Ausrufezeichen. Ein alter Hase steht vor seiner 18. Tournee.

Engelberg - Andreas Wellinger feierte das beste Ergebnis seiner Karriere, Severin Freund zuckte dagegen ratlos mit den Schultern.

Die deutschen Skispringer haben bei der Generalprobe für die 62. Vierschanzentournee Hoffnungen auf Top-Ergebnisse geweckt - aber auch Fragezeichen hinterlassen (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen) .

Schuster zufrieden

Allen voran der starke zweite Platz durch den erst 18 Jahre alten Wellinger sorgte in Engelberg für gute Laune bei Bundestrainer Werner Schuster. "Er hat auf den Punkt seine beste Leistung gezeigt. Wenn er einen guten Sprung macht, muss er sich vor niemandem verstecken", sagte Schuster im "ZDF".

Freund nur 20.

Hoffnungsträger Freund erwischte dagegen ein gebrauchtes Wochenende.

Am Samstag stürzte der deutsche Vorflieger und verpasste den zweiten Durchgang, 24 Stunden später patzte der 25-Jährige beim zweiten Sprung und musste sich mit dem 20. Rang begnügen.

"Das Wochenende ist ein bisschen an mir vorbei gelaufen. Ich werde das analysieren und abhaken. Es hilft ja nichts", sagte Freund, der an Weihnachten neue Kraft sammeln will: "Aufstecken werden wir bestimmt nicht."

Stoch nicht zu stoppen

Mann der Stunde war aber Wellinger, der zum zweiten Mal im Olympia-Winter und zum vierten Mal in seiner Karriere auf dem Podest landete.

"Das war ein Zeichen für mich, dass ich zwei gute Sprünge im Wettkampf zeigen kann. Ich war insgesamt gut drauf und habe die wesentlichen Punkte fast perfekt hingekriegt. Einfach ein Traum", sagte der Schüler aus Ruhpolding, der sich am Sonntag nur Weltmeister Kamil Stoch geschlagen geben musste.

Der Pole baute seine Führung im Gesamtweltcup aus und geht neben Titelverteidiger Gregor Schlierenzauer (Österreich) als Topfavorit in die am 28. Dezember beginnende Tournee.

Schuster macht Freund Mut

Viel Lob für Wellinger hatte auch Schuster übrig: "Für Andi war es ein toller Wettkampf. Das bedeutet ihm sehr viel, er hat einen guten Rhythmus gefunden."

Der Österreicher machte auch Sorgenkind Freund Mut: "Auf den Schanzen, die jetzt kommen, wird er sich leichter tun."

Im Gesamtweltcup fiel der Bayer mit 267 Punkten vom zweiten auf den vierten Platz zurück.

In Führung liegt Stoch (410) vor Schlierenzauer (352) und dem Norweger Anders Bardal (311), Wellinger (259) ist schon Fünfter.

Wank stark verbessert

Stark verbesserte präsentierte sich auch Andreas Wank. Der Oberhofer erfüllte am Sonntag auf Rang zehn als insgesamt sechster DSV-Adler die Olympia-Norm.

"Heute habe ich den nächsten Schritt gemacht. Jetzt will ich mich weiter verbessern, dann werde ich langsam kriminell", sagte Wank.

Routinier Michael Neumayer (Berchtesgaden) fehlt nach den Rängen 32 und 23 dagegen weiterhin ein zweites Top-15-Resultat.

Für die Tournee in der Hinterhand hat Bundestrainer Schuster zudem Richard Freitag, der wegen einer leichten Verletzung in Engelberg pausierte, in Oberstdorf aber wieder starten will.

Oldie Schmitt fährt zur Tournee

Mit dabei ist dann auch Oldie Martin Schmitt.

Schuster nominierte den 35-Jährigen für die nationale Gruppe, die bei den Heim-Weltcups in Oberstdorf (29. Dezember) und Garmisch-Partenkirchen (1. Januar) an den Start geht.

"Martin gehört eindeutig zu den 13 besten deutschen Skispringern", sagte Schuster.

Für Schmitt, der noch auf eine Olympia-Teilnahme hofft, wird es die 18. Tournee seiner Karriere.

Schwacher Samstag ist vergessen

Nur noch eine kleine Rolle spielte bei der Abreise aus Engelberg somit der "schwarze Samstag" der DSV-Adler.

"Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. In so einer Situation zeigt sich, wie weit man ist", sagte Schuster über die Leistungssteigerung gegenüber dem Vortag.

Nur drei Deutsche im Finale, Wank als 13. bester DSV-Adler - das schwache Abschneiden war 24 Stunden später vorerst vergessen.

Weiterlesen