Gianina Ernst wurde bei den Deutschen Meisterschaften in Oberstdorf Dritte im Einzel © imago

Der in der Schweiz geborene Teenager schafft Historisches und verzückt die Fachwelt. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr.

Lillehammer - Am Ende eines verrückten Tages war Gianina Ernst ein wenig verwirrt.

Die 14-Jährige lief bei der Siegerehrung schnurstracks auf die falsche Seite des Podiums.

Erst Ex-Weltmeisterin Daniela Iraschko-Stolz machte die Skispringerin aus Oberstdorf auf ihren Irrtum aufmerksam.

"Das ist so aufregend, beim ersten Weltcup auf dem Podest zu landen. Ich bin total glücklich", sagte der nur 1,56 Meter große Teenager und zeigte sein schönstes Zahnspangen-Lächeln.

Bestes deutsches Ergebnis im Weltcup

Mit Rang zwei in Lillehammer sorgte Ernst nicht nur für das beste deutsche Ergebnis seit Einführung des Weltcups im Jahr 2011, sondern löste als Krönung auch das Ticket für Olympia.

In Sotschi dürfte die gebürtige Schweizerin, die am 31. Dezember ihren 15. Geburtstag feiert, die Jüngste im deutschen Olympia-Team sein.

"Sie hat unglaubliche Fortschritte gemacht und ist ein großes Talent", sagte Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer.

Ernst: Das ist mein Job

Ernst flog auf der kleinen Olympiaschanze von 1994 auf starke 96,5 und 97,0 Meter und teilte sich Rang zwei mit der mehr als doppelt so alten Österreicherin Iraschko-Stolz (30).

"Das ist irgendwie auch mein Job. Ich mache das, seit ich fünf Jahre alt bin", sagte Ernst ganz cool, nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte.

Schon im Oktober hatte die Newcomerin mit Platz drei bei den deutschen Meisterschaften aufhorchen lassen.

Skispringen in Wiege gelegt

Das Talent für Wintersport wurde Ernst quasi in die Wiege gelegt.

Vater Joachim war 1982 deutscher Skisprung-Meister und ist bis heute ihr Trainer, Mutter Cornelia war mehrfache Schweizer Langlaufmeisterin.

Kennengelernt hat sich das Paar bei der WM 1982 in Oslo, anschließend wurde eine Großfamilie gegründet: Gianina hat fünf ältere Geschwister, ihr vier Jahre älterer Bruder Benjamin ist ebenfalls Skispringer.

Besseres Training in Deutschland

Die Gene machten sich früh bemerkbar. 2011 wurde Ernst mit zwölf Jahren Zweite der Schweizer Meisterschaften, entschied sich nun aber für einen Wechsel zum DSV.

"Ich war eher Einzelkämpferin", sagt sie über eine Zeit, in der sie zum Training nach Einsiedeln oder Hinterzarten eine Stunde fahren musste. Nun besucht sie das Skiinternat Oberstdorf.

"Die Strukturen sind hier viel professioneller. Daher freue ich mich, meinen Sport jetzt in Oberstdorf ausüben zu können", schrieb sie in einem Tagebuch auf der Homepage des DSV-Sponsors Viessmann.

Professionelles Auftreten nach Coup

Dass es in Lillehammer gleich mit dem Podest klappte, kam dann aber doch überraschend.

"Ich bin ein bisschen aufgeregt, da es mein erster Weltcup-Start sein wird und ich noch nicht genau weiß, wie alles so abläuft", hatte Ernst vor dem Abflug nach Norwegen gesagt.

An der Schanze gab sie dann nach ihrem Coup fast schon professionell Interviews und bekam ein dickes Lob von "ARD"-Experte Dieter Thoma. "Wahnsinn, unser neues Skisprung-Küken. Sie ist unglaublich konstant in ihren Sprüngen und hat eine tolle Technik", sagte der Vierschanzentournee-Gewinner von 1989/90.

Schlierenzauer zum Vorbild

Ein Vorbild hat Gianina Ernst auch. Und das heißt nicht etwa Simon Ammann oder Severin Freund, sondern kommt aus Österreich.

"Mein großes Idol ist Gregor Schlierenzauer", verriet Ernst im Mai dem Radio "Stadtfilter" aus Winterthur: "Aber ich möchte nicht so werden wie er. Ich möchte ich selber sein."

Der Anfang ist gemacht.

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