DSV-Adler Marinus Kraus belegt im Gesamt-Weltcup derzeit den zweiten Platz © SPORT1

Mit SPORT1 spricht DSV-Überflieger Marinus Kraus über ein eingeschworenes Team und Vergleiche mit einem Hollywood-Star.

Von Rainer Nachtwey

München - Marinus Kraus steht für die neue Generation DSV-Adler.

Jung, selbstbewusst, risikofreudig - in Kuusamo sprang der 22-Jährige jüngst auf einen hervorragenden zweiten Platz (DATENCENTER: Ergebnisse Kuusamo).

Und im Geamt-Klassement des Weltcups steht mit dem Polen Krzysztof Biegun nur ein Athlet vor ihm. Nicht nur bei Kraus läuft es rund. Die Deutschen sind stark in den Olympia-Winter gestartet. Mit Andreas Wellinger steht ein weiterer DSV-Adler in den Top Fünf.

Für Überflieger Kraus kommt die Frühform der deutschen Skispringer nicht von ungefähr. Im SPORT1-Interview erklärt er, warum die Deutschen seiner Meinung nach in diesem Winter zur Weltspitze zählen werden.

Er spricht über ein eingeschworenes Team, Vergleiche mit Hollywood-Star Tom Cruise und einen Schuljungen-Streich, dem ihm seine Eltern heute nicht mehr übel nehmen.

SPORT1: Herr Kraus, von was waren Sie mehr überrascht: Von ihrem achten Platz in Klingenthal oder vom zweiten in Kuusamo?

Marinus Kraus: Von beiden. Ich wusste, dass ich gut drauf bin und dass ich gut springen kann. Aber das war das erste Mal, dass ich mich von Anfang an mit den ganz Großen habe messen können. Es ist einfach nur schön, macht Spaß.

SPORT1: Wie erklären Sie sich Ihren rasanten Aufstieg in die Weltspitze?

Kraus: Das hat im Sommer und mit dem Aufstieg ins Weltcupteam angefangen. Wir haben ein sehr gutes Klima in der Mannschaft. Ich habe mich von Anfang an wohl gefühlt. Das sind alle ganz nette Kerle. Und mit den Trainern harmoniert das sehr gut. Es ist die perfekte Atmosphäre und das trägt dazu bei.

SPORT1: Ähnlich hat es Andi Wellinger letztes Jahr erlebt und beschrieben. Ist dieses Familiäre das große Plus des deutschen Teams?

Kraus: Ich denke ja. Wir sind ein eingeschworenes Team. Es gibt keine Differenzen, davon profitieren wir am meisten.

SPORT1: Mit den Plätzen 2 und 8 haben Sie die Olympia-Qualifikation geschafft. Müssen Sie sich neue Saisonziele setzen?

Kraus: Nein. Mein Saisonziel war, nach Sotschi mitzufahren. Das ist es immer noch. Ganz fix bin ich ja noch nicht dabei. Die ersten zwei Ergebnisse sind sehr gut, aber ich darf mich nicht sicherfühlen. Das Saisonziel ist immer noch klar und daran kann ich festhalten.

SPORT1: Bundestrainer Werner Schuster hat über Sie gesagt: "Der fürchtet weder Tod noch Teufel". "Sie fürchten weder Tod noch Teufel" ist ja auch der deutsche Titel vom Kinofilm "Top Gun". Sind Sie ein Draufgänger wie Tom Cruise als Maverick?

Kraus: Nein, ich bin eher sehr bodenständig. Die Formulierung vom Trainer war sicherlich ganz lustig. Vielleicht bin ich auf der Schanze draufgängerisch, weil es mich nicht interessiert, ob der Wind von links oder rechts pfeift. Aber das gilt tatsächlich nur auf der Schanze.

SPORT1: Was bedeutet für Sie Risiko im Skispringen?

Kraus: Ich sehe im Skispringen kein großes Risiko. Die letzten zwei Wettkämpfe habe ich nie als risikoreich empfunden. Die Trainer, die Leute von der FIS haben ein gutes Näschen dafür, wie der Wind einzuschätzen ist. Die machen ihr Bestes und ich kann mich voll und ganz darauf verlassen. Ich hatte nie das Gefühl, dass es mal über die Maßen gefährlich sein könnte.

SPORT1: Im Skispringen sind rasante Aufstiege ebenso häufig wie unerklärliche Leistungseinbrüche. Wie sehr spielt die psychische Komponente in Ihrem Sport eine Rolle?

Kraus: Für mich ist das schwer einzuschätzen. Ich hoffe, dass meine Leistungskurve weiter ansteigt. Es wird sicherlich nicht jeder Wettkampf perfekt ablaufen. Man hat immer mal Phasen, in denen es einem besser gefällt auf der Schanze, und auch das körperliche Befinden ist da ein großes Thema. Wenn so eine Phase kommt, haben wir einen super Trainerstab, Physiotherapeuten, Arzt - wir sind so gut versorgt.

SPORT1: Ist die Psyche Ihre Stärke?

Kraus: Ich denke ja. Ich bin jetzt 22 Jahre und bin ich nicht zu früh, nicht zu spät in den Weltcup eingestiegen. Ich habe jetzt schon einige Wettbewerbe bestritten, zwar nicht viele im Weltcup aber im Continental Cup. Ich denke schon, dass die Psyche zu meinen Stärken gehört. Und das Fluggefühl würde ich dazu zählen.

SPORT1: Sie sind erst 22 Jahre alt. Generell bilden das Team viele junge Springer vom Jahrgang 1991 wie Sie und Richard Freitag bis 1994 mit Andi Wellinger. Was ist der Grund für den Aufstieg der jungen Athleten?

Kraus: Der DSV hat die Sparte Skisprung etwas umgebaut. Mit Werner Schuster und Horst Hüttel (Sportlicher Leiter Skisprung, Anm. d. Red.) wurde wieder die Nachwuchsarbeit in den Fokus gerückt, die gute Abstimmung macht sich jetzt bemerkbar. Das dauert eben ein paar Jahre. Der DSV hat viel investiert und jetzt zeigen sich die Erfolge.

SPORT1: Sie sind in Oberaudorf aufgewachsen. Da liegt der Skisport nahe, aber doch eher Ski alpin als Skispringen. Wie kommt ein junger Kerl zum Skispringen?

Kraus: Es stehen in Oberaudorf noch kleine Schanzen, auch eine 80er. Die wird aber nicht mehr benutzt. Mit sieben Jahren habe ich bei einem Schnuppertraining mitgemacht, ohne das Wissen meiner Eltern. Und dann bin ich dabei geblieben. Das hat mir von Anfang an Spaß gemacht.

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