Martin Schmitt gewann 1998/99 und 1999/2000 jeweils den Gesamtweltcup © getty

Martin Schmitt will bei den Heimspringen in den WM-Kader rücken. Trotz schwacher Resultate hat er einen besonderen Trumpf.

Willingen - In der Party-Hochburg des Skispringens wird es für Martin Schmitt ausgerechnet an Karneval so richtig ernst.

Im Hexenkessel an der Willinger Mühlenkopfschanze (ab Fr., 14 Uhr im LIVE-TICKER) muss der Oldie unbedingt für ein Erfolgserlebnis sorgen, um nicht seine letzte Chance auf die neunte WM-Teilnahme in Serie zu verspielen. Der Heimvorteil soll dabei den Ausschlag geben.

"Jetzt geht die Deutschlandserie endlich los", sagt Schmitt vor dem Start in die Team-Tour: "Es ist besonders schön, vor Heimpublikum zu springen. Auch wenn es für uns nicht um Party geht, springt der Stimmungs-Funke auch auf uns Aktive über."

Fünf Springen vor der WM

Fünf Springen binnen neun Tagen stehen vor der WM in Val di Fiemme (20. Februar bis 3. März) noch an: Zwei in Willingen, eines in Klingenthal und zwei in Oberstdorf. (DATENCENTER: Der Weltcup)

Während dieser Woche muss Bundestrainer Werner Schuster sein WM-Team formen. Und dabei wird Schmitt, so viel steht bereits fest, maximal als Ersatzmann mit nach Italien fahren.

Fünfter DSV-Adler auf dem Podest

Denn Schuster befindet sich in einer wahren Luxus-Situation. Als Michael Neumayer am vergangenen Wochenende in Harrachov auf den starken zweiten Platz flog, war er bereits der fünfte DSV-Adler, der es in diesem Winter auf das Podest schaffte.

Vor ihm war das schon Severin Freund, Richard Freitag, Andreas Wellinger und Andreas Wank gelungen. Schuster nennt dieses Quintett vielsagend seine "Stammmannschaft", alle fünf Springer dürften das WM-Ticket sicher haben.

Bleibt die Frage nach Martin Schmitt. Theoretisch kann Schuster einen sechsten Mann mit nach Italien nehmen - der allerdings auch Karl Geiger heißen könnte.

Beide würden bei der Team-Tour "noch einmal die Chance bekommen, ihr Leistungsvermögen unter Beweis zu stellen", formulierte der Bundestrainer vor der Abreise nach Willingen vorsichtig.

Keine Resultate, großer Erfahrungsschatz

Klingt nach einem harten Stück Arbeit für Schmitt, der erst bei der Vierschanzentournee den Sprung ins Weltcup-Team geschafft hatte.

Der inzwischen 35 Jahre alte Schmitt könnte somit zum Härtefall werden. Topresultate fehlen dem Schwarzwälder, sein Erfahrungsschatz aus acht WM-Teilnahmen in Folge ist aber eigentlich unersetzlich.

Bereits 1997 holte er in Trondheim Bronze. Schuster weiß, was er an dem Routinier hat: "Er hat seine Chancen konsequent genutzt, war fast immer in den Punkten." Für das WM-Ticket reicht das aber noch nicht. Die interne DSV-Norm - zwei Top-8-Platzierungen oder dreimal Top 12 - hat Schmitt bislang nicht erfüllt.

Freund will Form wiederfinden

Auf eine Rückkehr zu alter Form hofft derweil Severin Freund. Nach zwei Erfolgen zu Saisonbeginn verlor der 23-Jährige zuletzt ein wenig den Anschluss an die Weltspitze und bekam von Schuster eine Auszeit verordnet.

"Dosieren, um das Höchstniveau zu erreichen", nannte der Österreicher das. In Willingen wird sich nun zeigen, ob Freund als Medaillen-Anwärter in die WM geht. Dort also, wo der Bayer 2011 den zweiten Weltcup-Sieg seiner Karriere gefeiert hatte.

"Es wird Zeit für Action"

"Es wird jetzt wieder Zeit für Action, und die wird es bei der Team-Tour sicher geben", sagt Freund: "Die Akkus sind voll aufgeladen. Ich freue mich auf ein volles Stadion, das wir hoffentlich zum Kochen bringen."

Vielleicht mit einem Sieg, das Podest ist jedenfalls das Ziel. "Wir wollen sowohl im Einzel als auch im Mannschaftsbewerb Podestplätze erkämpfen", so Schuster.

DSV will Prämie behalten

Ganz oben stehen wollen die DSV-Adler am Ende auch in der Gesamtwertung.

"Wir werden versuchen, die 100.000 Euro erstmals in Deutschland zu behalten", sagt Schuster. Gewertet werden bei den Teamspringen die Punkte aller Springer, im Einzel jeweils die besten zwei Athleten jeder Nation.

In den vergangenen drei Jahren hatte sich jeweil Topfavorit Österreich die Extra-Prämie gesichert.

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