Gregor Schlierenzauer gewann 2010 Olympia- bronze von der Normal- und Großschanze © getty

Mit seinem 47. Weltcupsieg verdrängt Gregor Schlierenzauer Nykänen. Einem Rodel-Champ verdankt er viel. Ein großes Ziel bleibt.

Harrachov - Als Gregor Schlierenzauer den nächsten Schritt auf dem Weg zur Skisprung-Legende gemacht hatte, brüllte er seine unbändige Freude heraus und reckte seine Ski triumphierend in die Luft.

"Ich glaube, ich darf es jetzt sagen: Ich bin eine Legende. Es ist schon unglaublich, was im Moment mit mir passiert", sagte der Österreicher nach seinem 47. Weltcupsieg beim Skifliegen in Harrachov/Tschechien.

Durch den Triumph zog der Tournee-Gewinner am großen Finnen Matti Nykänen vorbei und ist nun der erfolgreichste Springer der Weltcupgeschichte. (DATENCENTER: Der Weltcup)

"Die ganze Mannschaft ist stolz"

"Es fühlt sich extrem alt an, aber auch extrem cool", sagte der 23-jährige Schlierenzauer nach seinen Flügen auf 193,5 bzw. 211,0 Meter. Am berüchtigten Teufelsberg verdrängte er den Slowenen Robert Kranjec mit nur 0,3 Punkten Vorsprung auf Platz zwei.

"Das Leben ist gut zur Zeit", sagte Schlierenzauer und strahlte übers ganze Gesicht. Die Nummer 47 hatte er sich als eine Art Glücksbringer auf die Ski geschrieben, am Ende flog er zum ersehnten Sieg.

"Das war ein sensationelles Springen, wir können stolz auf ihn sein. Die ganze Mannschaft ist stolz auf einen tollen Rekord", sagte Österreichs Nationaltrainer Alexander Pointner.

Nicht mehr so engstirnig

Vor seinem neuerlichen Triumph wirkte Schlierenzauer wieder vollkommen entspannt und ließ sich auch von Unterbrechungen durch starken Wind nicht beirren. "Schlieri" hat sich an den Druck und den Rummel gewöhnt. Den Tourneesieger scheint kaum noch etwas aus der Ruhe bringen zu können.

Der Grund ist einfach: Skispringen ist nicht mehr alles in seinem Leben. "Ich bin entspannter geworden, nicht mehr so engstirnig und fokussiert auf nur eine Sache", sagt er.

Druck ist ein Fremdwort. "Den haben nur die, die einer Sache nachlaufen", glaubt Schlierenzauer, der auf den Schanzen der Welt längst den Takt vorgibt: "Ich habe fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Das macht es einfacher."

Olympisches Einzel-Gold fehlt noch

Eigentlich hat der Hobby-Fotograf jetzt nur noch ein ganz großes Ziel: Einzel-Gold bei Olympia. Team-Olympiasieger ist er, Weltmeister auch, den Gesamtweltcup hat er gewonnen, dazu zweimal in Folge die Vierschanzentournee. Ob das satt macht? "Nein", sagt er.

Dass weitere Siege folgen, ist nicht schwer vorauszusagen. Dafür war der "Schlierinator" in den vergangenen Jahren zu dominant.

"Gregor wird der beste Skispringer aller Zeiten. Er ist einzigartig", sagt der deutsche Bundestrainer Werner Schuster: "Wenn Talent und Arbeitswille aufeinandertreffen, ist das eine unschlagbare Kombination. Bei ihm passt einfach alles zusammen."

Zu Beginn seiner Karriere galt Schlierenzauer als schwieriger Fall. Als Teenager wurde ihm Arroganz vorgeworfen. "Es ist schwierig, wenn du mit 16 erwachsen sein sollst. Wenn du auf einmal der Chef bist in deinem Job und plötzlich von allen Seiten belagert wirst", sagt er heute.

Viel gelernt vom Onkel Prock

Prägend war der Winter 2006/2007, als binnen weniger Tage des Leben des Teenagers auf den Kopf gestellt und Persönliches wie die Taubheit auf seinem linken Ohr in den Medien ausgeschlachtet wurde.

Beim Sinneswandel geholfen hat ihm eine Sportlerfamilie, wie sie im Buche steht. Vater Paul ist ein ehemaliger Skirennläufer, Onkel Markus Prock fünfmaliger Rodel-Weltmeister. "Von Markus habe ich viel gelernt", sagt Schlierenzauer.

Abheben will er auch jetzt nicht: "Ich arbeite weiter hart an weiteren Siegen. Ich bleibe ganz sicher auf dem Boden." Wenn er nicht gerade mal wieder ganz weit fliegt.

Weiterlesen