Andreas Wellinger holte bei den Deutschen Meisterschaften Gold im Mannschaftsspringen © imago

Mit seinem Top-5-Ergebnis in Lillehammer düpiert der 17-Jährige die Konkurrenz. Selbst der Bundestrainer zeigt sich überrascht.

München/Lillehammer - Als Martin Schmitt im Januar 1997 sein Debüt im Skisprung-Weltcup gab, war Andreas Wellinger noch keine zwei Jahre alt.

Jetzt, mit 17, hat der Youngster aus Ruhpolding den Altmeister übertrumpft und sogar aus dem deutschen Team gekegelt.

Während sich der 34 Jahre alte Schmitt auf die Saison im zweitklassigen Continentalcup vorbereitet, hat Wellinger mit den Plätzen fünf und 17 beim Winterauftakt in Lillehammer für Aufsehen gesorgt.

Es könnte der Anfang einer hoffnungsvollen Karriere sein.

Schuster: "Er hat mich überzeugt"

"Mit dem habe ich gar nicht viel gemacht, den haben wir im Sommer entdeckt", sagt Bundestrainer Werner Schuster: "Er ist ein interessanter junger Mann, der viele Qualitäten hat. Im Herbst hat er mich überzeugt, da haben wir gesagt: den Burschen nehmen wir mit. Er soll hier lernen."

Und das funktioniert bestens. Nach dem ersten Durchgang in Lillehammer hatte Wellinger sogar in Führung gelegen und die gesamte Weltspitze düpiert: "Das war bislang mein bester Sprung. Ich war schon etwas überrascht, dass es so weit geht."

Genau wie die Konkurrenz um Gregor Schlierenzauer, den österreichischen Vorflieger der Szene: "Man muss ihn jetzt auf alle Fälle beobachten. Wenn er führt, muss er ja was können."

Im Team mit den eigenen Helden

Das hat er auch schon im Januar im kleineren Rahmen bewiesen, als er bei den Olympischen Jugend-Winterspielen Gold gewann. Da war der Start im Weltcup noch ein Traum, eine mögliche Podestplatzierung ganz weit weg.

"Ich habe früher Autogrammkarten von allen Springern gesammelt. Dass ich heute mit denen in einem Team springe, ist Wahnsinn", sagt Wellinger.

Lob von Freund

Mit seinem großen Vorbild Severin Freund springt der Schüler jetzt Seite an Seite und erhält vom Auftaktsieger auch prompt Lob. (BERICHT: Freund zwischen Himmel und Hölle)

"Er war faszinierend stark. Er hat die wahnsinnige Drucksituation sensationell gelöst", sagte der 24-Jährige aus Rastbüchl.

Mails beantworten? "Wenn ich mehr Zeit habe"

Mit Wellingers schnellem Aufstieg scheint nicht einmal der eigene Verband gerechnet zu haben. Ins fast 500 Seiten starke DSV-Jahrbuch haben es 14 deutsche Springer geschafft - Wellinger gehört nicht dazu.

Doch nach seinen ersten Fernsehinterviews steigt die Bekanntheit des früheren Kombinierers schnell. "Mir haben viele Leute geschrieben. Die meisten Mails habe ich beantwortet, den Rest mache ich, wenn ich mal mehr Zeit habe", sagte er.

Ansporn für die Etablierten

Wunderdinge darf man von dem 1,83 m großen und 65 Kilogramm leichten Talent nicht erwarten, doch Schuster weiß: "Seine Stärke ist das Unverbrauchte. Es hat lange Oberschenkel, kann toll abspringen. In der Luft hat er eine gute Leichtigkeit, er springt mit einem guten Selbstvertrauen."

Wellingers Aufstieg zeigt auch den Weg, den Schuster mit den Skispringern gehen will. Junge Athleten sollen kontinuierlich an die Weltspitze herangeführt werden, um dann wie Freund und Richard Freitag (Aue) um Siege mitzuspringen.

"Die Etablierten sollen gekitzelt werden, und dieser Prozess ist im Sommer in Gang gekommen", sagte Schuster.

Sprungschanze statt Schule

Ein kleines Problem gibt es bei Wellinger dann aber doch.

Eigentlich hätte er ab Montag wieder die Schulbank drücken müssen, stattdessen ging es ins finnische Kuusamo. Dort steht ab Freitag (17 Uhr im LIVE-TICKER) der nächste Weltcup vor der Tür: "Ich bin jetzt eine Woche nicht in der Schule, aber ich denke, das werde ich einigermaßen hinkriegen."

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