Severin Freund, Max Mechler, Richard Freitag und Andi Wank (v.l.) holten 2012 WM-Silber © imago

Werner Schuster setzt sich und den DSV-Adlern vor dem Auftakt in Lillehammer hohe Ziele. Freund soll an der Spitze mitbestimmen.

Von Rainer Nachtwey

München - Die Ansage ist deutlich.

"Wir wollen einen Titel gewinnen", sagt Bundestrainer Werner Schuster vor dem Auftakt in die neue Skisprung-Saison.

Aber so forsch der Österreicher in Diensten des DSV vor dem Weltcup-Auftakt in Lillehammer (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) auch nach vorne prescht, so schnell relativiert er die Saisonziele.

"Und wenn nicht dieses Jahr, dann nächstes oder übernächstes. Aber wir wollen in den nächsten drei Jahren einen Titel gewinnen. Ob in der Mannschaft oder im Einzel. Das ist der Anspruch", gibt Schuster die Ziele aus.

Freund in der Weltspitze?

Nach der äußerst erfolgreichen Saison mit einem Sieg und zwölf Podestplätzen sowie den Gesamtweltcuprängen sechs und acht für Richard Freitag und Severin Freund schürt der Bundestrainer den Optimismus.

Mit seinen beiden Speerspitzen Freitag und Freund hat Schuster zwei Siegspringer in seinen Reihen - ein Luxus, den der DSV jahrelang vermisste.

"Severin war schon sehr ausgereift in seiner Denk- und Handlungsweise. Nach der Rücken-OP hat er noch einen Schritt weiter gemacht", lobt der ehemalige Weltcupspringer den letztjährigen Siebten der Vierschanzentournee.

"Wenn der Severin gesund bleibt, sollte er das Tempo an der Spitze mitbestimmen können."

Wichtiger Sieg für Freund

Und der 24 Jahre alte Freund hat bewiesen, dass er trotz der langen Reha im Sommer wie im vergangenen Jahr zu den Siegkandidaten zählt. Das letzte Springen des Sommer-Grand-Prix in Klingenthal entschied er für sich.

"Es ist immer sehr angenehm, wenn man im Sommer vorne dabei ist", sagt Freund: "Zumal die Zeit vom letzten Sommer-Grand-Prix bis zum Winter nicht so wahnsinnig lang ist, dass man Defizite aufholen könnte."

Keine Schmerzen mehr

Dennoch weiß Freund, dass der Erfolg zum Abschluss der Sommervorbereitung keine Garantie für einen erfolgreichen Winter ist.

"Es ist ein Zeichen, dass man gut gearbeitet hat. Aber das heißt nicht, dass man automatisch vorne dabei ist."

Immerhin fühlt er sich trotz der Verletzungspause und der neuen Anzugregelung wohl in seiner Haut. "Wichtig ist, dass ich schmerzfrei bin und Vollgas geben kann", sagt er.

Freitag mit Problemen

Einer der mit den Anzügen noch Probleme hat, ist Richard Freitag.

Freitag ist mit 1,72 Metern 13 Zentimeter kleiner als Freund - und vor allem die kleinen Athleten wie auch der Pole Kamil Stoch (ebenfalls 1,72 m) haben mit der Umstellung ihre Schwierigkeiten.

"Das ist wie bei Flugzeugen mit unterschiedlicher Tragflächen-Größe. Man ist instabiler", erklärt Freitag, schränkt aber sofort ein: "Instabiler heißt jetzt aber nicht unsicher. Es ist anspruchsvoller."

Ungeduld bedingt schwankende Leistungen

Die Stabilität fehlt Freitag nicht nur im einzelnen Sprung.

"Richie hat noch nicht die Konstanz", hat Schuster erkannt: "Sein eigener Anspruch und der von außen ist gestiegen. In Phasen, in denen er sich schwer tut, wird er ungeduldig und dann schwanken die Leistungen."

Wank, die Nummer drei?

Aber im deutschen Team gibt es auch einen großen Profiteur der Regel: Andreas Wank.

Erstmals seit den Zeiten von Sven Hannawald gelang es wieder einem DSV-Adler, die Gesamtwertung des Sommer-Grand-Prix zu gewinnen.

"Er hat einen Schritt nach vorne gemacht", lobt Schuster die 1,90 Meter große Nummer drei im deutschen Team.

"Weil er den Sommer-Grand-Prix gewonnen hat, ist er jetzt aber nicht Favorit."

Die Teamdynamik macht's

Neben Wank beeindruckte Schuster in der Vorbereitung auch die junge Garde.

"Wir haben viele junge Springer wie Andreas Wellinger und Karl Geiger, die nachrücken. Und Danny Queck hat mit 23 Jahren auch noch einen großen Sprung gemacht."

An der Seite der Hoffnungsträger und der Abteilung Jugend forscht geht mit Michael Neumayer der letzte verbliebene alte Hase in den Auftakt in Lillehammer. Martin Schmitt startet vorerst im Continental Cup.

Von der Mischung im Team verspricht sich Schuster viel. "Da entsteht eine Teamdynamik, die ich mir immer gewünscht habe. Die Etablierten werden von den Jungen gekitzelt."

Vorsichtige Attacke auf ÖSV-Adler

Als Ziel hat sich Schuster erst einmal Platz 1 hinter den österreichischen Überfliegern um Vierschanzentournee-Sieger Gregor Schlierenzauer gesetzt.

"An denen werden wir wohl nicht vorbeikommen. Wir waren letzte Saison die Nummer 3, wenn wir die Nummer 2 schaffen wäre das super", sagt Schuster, und Freund hofft auf ein einmaliges Erfolgserlenis.

"Es wäre schön, wenn wir mal wieder in einem Teamwettkampf ganz oben stehen, weil es auch einen großen symbolischen Wert hat."

Spätestens im nächsten oder übernächsten Jahr. Denn das ist ja der Anspruch.

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