Das deutsche Skilanglauf-Idol Jochen Behle gibt für seinen Sport hierzulande eine düstere Prognose ab.

"Ich gehe so weit zu sagen, dass wir vor großen Problemen stehen, und zwar nicht erst in einigen Jahren, sondern jetzt. Und das liegt nicht etwa an Strukturen im Skisport, sondern an gesellschaftlichen Veränderungen", sagte der Willinger, der bis März 2012 Bundestrainer für den Bereich Skilanglauf war.

Konkret meinte Behle: "Alles, was zum Hochleistungssport dazugehört wie Fleiß, Verzicht, sich durchbeißen, das steht nicht mehr so im Vordergrund. Man mag es gerne bequemer, leichter. Das werden wir vor allem in den trainingsintensiven Sportarten erleben."

Man habe in Deutschland im Sprint einige Talente wie U23-Weltmeisterin Hanna Kolb und Hannes Dotzler.

"Doch wir müssen abwarten, wie weit uns diese Talente in den Distanzrennen bringen, und wie wir eine Staffel in ordentlicher Art und Weise besetzen können. Was man immer wieder feststellt: Es wird zu wenig trainiert, viele sind zu früh mit zu wenig zufrieden", sagte Behle und blickte wehmütig auf seine alten Recken:

"Was ein Tobias Angerer oder ein Axel Teichmann auf ihrem Weg an die Spitze geleistet haben, dazu sind heute nur noch wenige bereit."

Die Talentsichtung mache ihm Sorgen. In manchen Städten brauche er erst gar nicht Ausschau zu halten, die vielen Angebote für Kinder und Jugendliche gingen immer zu Lasten des Sports. Am meisten verspreche er sich davon, in kleinen Orten zu suchen.

"Kinder, die ich dort in Bewegung sehe, auf der Straße, auf Bolzplätzen, sind am ehesten für den Sport zu gewinnen, mit ihnen muss man sich intensiv beschäftigen", so Behle, der als Sportdirektor für alle nordischen Disziplinen am länderübergreifenden Stützpunkt Willingen/Winterberg für Hessen und Westdeutschland arbeitet.

Es gehe insgesamt um den Stellenwert des Sports in Deutschland, um die Anerkennung für den Wert der Leistung eines Sportlers.

"Es ist ja schon so, dass sich Deutschland mit seinen erfolgreichen Athleten identifiziert. Doch was folgt daraus?", fragte Behle.

Die aktuelle Diskussion über Talente und Förderung dürfe jetzt nicht wieder einschlafen, sonst spreche man nach den nächsten Olympischen Spielen über dieselben Probleme.

"Ich meine, dass wir eine hervorragende Infrastruktur haben, aber wir haben zu wenig Mittel für Talente und Trainer, um dort erfolgreichen Nachwuchs für den Spitzensport zu produzieren", sagte Behle.

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