Geschockt nach der nächsten Kreuzband-Episode: Lindsey Vonn und ihr Freund, Golf-Star Tiger Woods © imago

In Val d'Isere verspielt Höfl-Riesch das Podest. Doch im Fokus steht erneut Vonn, die einer bisherigen Diagnose widerspricht.

Val d'Isere/München - Nein, so hatte sich das Tiger Woods bestimmt nicht vorgestellt.

Der Golf-Star war in der Tat nach Val d'Isere gereist, zum ersten Mal wollte er seine Freundin Lindsey Vonn bei einem Ski-Rennen unterstützen - was vor Ort für helle Aufregung sorgte.

Woods aber wagte sich sogar in den Zielraum - wo er dann allerdings eine humpelnde Lindsey Vonn in Empfang nehmen musste.

Deren rechtes Knie, es schmerzte. Vonn wirkte verzweifelt. Im "ZDF" bestätigte sie auf Nachfrage in Deutsch: Das Kreuzband, im Februar schon einmal gerissen, ist wieder durch, "total gerissen".

Kreuzband komplett durch

Via twitter hieß es bereits schon kurz nach dem Rennen:

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Bei Vonns Absage für die Rennen in St. Moritz am vergangenen Wochenende war noch davon ausgegangen worden, dass es sich nur um einen Teilabriss des Bandes handelt.

Höfl-Riesch nur Neunte

Erneut nicht nach Wunsch lief es auf der Piste "O.K." auch für Maria Höfl-Riesch. Beim ersten Weltcup-Sieg der Schweizerin Marianne Kaufmann-Abderhalden belegte sie Rang neun. (SERVICE: Alle Rennergebnisse)

Nein, sie sei "nicht zufrieden mit dem Rennen", betonte sie. Allerdings, ergänzte sie auch ein wenig erleichtert, sei das auch ein Rennen gewesen, bei dem man froh sein müsse, heil im Ziel angekommen zu sein.

Einige Kolleginnen wie Vonn oder Marie Marchand-Arvier (Frankreich) kamen nicht heil an. Wie eben Vonn, die nach eineinhalb Minuten Fahrzeit ausgeschieden war.

Vonn: "Ich habe kein Knie"

"Ich habe kein Knie", sagte sie mit hörbar zittriger Stimme, nachdem sie im Ziel war.

Was sie damit sagen wollte: Das Knie gibt unter Druck nach, allzu deutlich zu sehen bei ihrem Ausscheiden eine gute halbe Minute vor dem Ziel.

Das Gelenk wackelte in einer Kompression, Vonn fuhr an einem Tor vorbei, stand im Schnee, hielt das schmerzende Körperteil. "Ich habe eine schwere Zeit", sagte sie - und klang dabei jämmerlich.

Olympia in Gefahr

Den ersten Kreuzbandriss im rechten Knie hatte Vonn am 5. Februar im WM-Super-G erlitten, den zweiten bei einem Sturz im Training in Copper Mountain/US-Bundesstaat Colorado Mitte November.

Danach hatte es zunächst geheißen: das Kreuzband ist angerissen.

Eine Untersuchung nach den Rennen in Lake Louise vor zwei Wochen hat laut Vonn nun ergeben: "Es ist total kaputt." Das heißt auch: Es ist nicht stabil genug für ein sorgenfreies Rennen.

Unterstützung vom Tiger

Vonn fliegt nun nach Hause, dort will sie das Knie offenbar durch gezielten Muskelaufbau stabilisieren, um sich den Traum von den Olympischen Winterspielen irgendwie zu erfüllen.

"Ich werde versuchen, zu Olympia zu kommen, aber es ist hart", sagte sie.

Vermutlich muss Tiger Woods alle Register der Aufmunterung ziehen. "Ich bin froh, dass er hier ist und mich unterstützt. Er sorgt sich um mich und mein Knie", sagte Vonn über ihren besorgt dreinblickenden. Aber zaubern kann der Tiger auch nicht.

OP wohl erst nach Sotchi

Zuvor hatte es auch einige widersprüchliche Statements gegeben.

"AP" hatte Vonn mit den Worten zitiert: "Ich bin nicht mehr verletzt als zuvor. Ich werde meinen Plan beibehalten. Ich muss nur vorsichtiger damit sein, wie viele Rennen ich fahren will."

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Widersprüchliche Statements

Und weiter: "Es gibt immer ein Risiko mein Knie und den Meniskus zu verletzten. Daher gilt Safety first. Ich versuche so wenig Wettkämpfe wie möglich zu bestreiten. Wahrscheinlich werden es nur noch ein oder zwei Rennen vor Olympia, und das nächste Rennen wird irgendwann im Januar sein."

Beim "ZDF" erklärte Vonn zunächst, dass sie trotz der Schwere der Verletzung weiterfahren wolle. Die Operation des Kreuzbands soll erst nach den Spielen in Sotschi erfolgen.

Gleich mehrere Stürze

Die Strecke in Val d'Isere erwies sich am als ruppig, als tückisch. Marchand-Arvier (Startnummer 13) stürzte spektakulär, musste mit dem Rettungsschlitten von der Piste gebracht werden.

Die Amerikanerin Stacey Cook (15) schaffte es nach ihrem Sturz alleine nach unten.

Insgesamt 40 Minuten war das Rennen nach diesen Vorfällen unterbrochen, es wirkte sich vorübergehend auch auf die Piste aus: Sie war im unteren Teil zunächst ein wenig langsamer.

Höfl-Riesch mit Fehlern

Höfl-Riesch wollte ihr Abschneiden aber nicht unbedingt auf die Piste schieben.

Im oberen Streckenteil verhaute sie den zweiten Sprung, kam "gleich mal schön aus der Spur" und war ob des Patzers erschrocken.

"Da bin ich mit einem blauen Auge davongekommen", sagte sie - will heißen: Von der Platzierung her hätte es schlimmer kommen können. Und sie wiederholte, was sie am vergangenen Wochenende in St. Moritz gesagt hatte: "Ich bin schnell, aber ich muss es halt auch runterbringen."

Kaufmann-Abderhalden siegt

Runterbringen: Marianne Kaufmann-Abderhalden, schon in Lake Luise bei den beiden Abfahrtssiegen von Höfl-Riesch mit den Rängen zwei und vier aufgefallen, gelang das erstaunlich gut.

Sie gewann vor Tina Maze (Slowenien/0,29 Sekunden zurück) und der Überraschungsdritten Cornalie Hütter (Österreich/0,52).

Runter kamen auch Gina Stechert (Oberstdorf) und Michaela Wenig (Lenggries).

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