MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Höfl-Riesch gewinnt zum 25. Mal ein Weltcup-Rennen © getty

Nach ihrer Abfahrtsgala ist Höfl-Riesch über ihren Sieg "so happy" und vergisst die Kälte. Für ihre Freundin hat sie Mitgefühl.

Lake Louise/München - Als erstmals in der Olympia-Saison die deutsche Nationalhymne für sie gespielt wurde, war Maria Höfl-Riesch plötzlich auch die arktische Kälte völlig egal.

Mit einem Cowboyhut auf dem entblößten Haupt und der schwarz-rot-goldenen Fahne in der linken Hand lauschte sie bei Temperaturen von unter minus 30 Grad Celsius ergriffen dem Lied der Deutschen.

Das durfte sie beim überraschend schwachen Comeback ihrer Rivalin Lindsey Vonn ( 811156 DIASHOW: Lindsey Vonns Karriere in Bildern ) zum 25. Mal nach einem Weltcup-Rennen hören - zwei Monate vor Olympia eine herzerwärmende Wohltat im Eisschrank Lake Louise.

"Ich bin so happy. Das ist ein besonderer Tag mit ganz viel Freude", sagte Höfl-Riesch.

13 Monate Warten sind vorbei

Ihre rote Nase kündete da noch von den Strapazen, unter denen sie ihren ersten Erfolg im Weltcup seit 13 Monaten eingefahren hatte. Kurz nach dem Start war der 29-Jährigen die Maske verrutscht, die sie vor den gefühlten Temperaturen von fast 60 Grad unter Null während der Fahrt schützen sollte. Höfl-Riesch fuhr über eineinhalb Minuten mit der Nase im Wind.

"Das tut alles ein bisschen weh hier", sagte sie im Ziel und griff sich ins Gesicht, "das ist da alles ein bisschen angeschwollen". Erst im Umkleide-Zelt neben der Piste sei die Nase "wieder a bissl aufgetaut" - der Abfahrtssieg half dabei ebenso wie der Jubel ihres Ehemanns Marcus und der Eltern Monika und Sigi.

"Es ist schön, dass auch meine Eltern diesmal dabei sind, es ist für mich ja vielleicht das letzte Mal hier", sagte Höfl-Riesch mit Blick auf das nahende Karriereende: "Dann auch noch dieser Erfolg - das macht es umso schöner für uns alle." Cheftrainer Tom Stauffer lobte die "souveräne Fahrt" der "Frostbeule", wie Höfl-Riesch sich selbst nannte.

Bei ihrem vierten Sieg in Lake Louise (Kanada) war sie 0,70 Sekunden schneller als Marianne Kaufmann-Abderhalden aus der Schweiz, die Zweite wurde - das sind Welten. Lindsey Vonn lag bei ihrer Rückkehr in den Weltcup nach zehn Monaten Pause wegen ihrer schweren Knieverletzung sogar 3,19 Sekunden zurück.

Vonns Siegesserie beendet

"Das hat mich schon überrascht", sagte Höfl-Riesch über die doch sehr gehemmt wirkende Fahrt der Amerikanerin, die die letzten sieben Rennen in ihrem "Wohnzimmer" gewonnen hatte. "Mitgefühl" empfand die Deutsche für ihre Freundin, mit der sie im Ziel kurz plauschte.

"Es ist keine einfache Situation für sie. Sie will ihre Olympia-Chancen erhalten und muss deshalb Rennen fahren", sagte Höfl-Riesch. Rennen zu fahren ist nicht gerade das, was Vonns nach einem Trainingssturz Mitte November erneut lädiertes Knie braucht. "Ich hoffe", fügte Höfl-Riesch an, "dass sie bald wieder mehr Selbstvertrauen hat".

Vonn: Nicht mein Stil

Bald - das sollte laut Vonn bereits bei der zweiten Abfahrt in "Lake Lindsey" am Samstag sein. "Ich werde relaxter und aggressiver fahren, so wie es meine Art ist", kündigte sie an. Vor dem Comeback sei sie doch sehr nervös gewesen. Das Ergebnis war eine Vorstellung, die "nicht meinem Stil entsprach", wie Vonn sehr selbstkritisch anmerkte.

Platz 40 - schlechter platziert war die 29-Jährige auf ihrer Lieblingspiste (14 Siege) nur einmal, bei ihrem zweiten Auftritt dort vor zwölf Jahren. Dass sie auf mehr gehofft hatte, sei "Wunschdenken" gewesen, gab sie zu. Trotzdem sei es "sehr schön", wieder zurück im Ski-Zirkus zu sein.

Deutscher Rekord in Aussicht

Bei Vonns letzter "Niederlage" in Lake Louise vor drei Jahren hatte ebenfalls Höfl-Riesch gewonnen. Acht weitere Weltcup-Siege fuhr Höfl-Riesch seitdem ein, der neunte und insgesamt 25. aber wollte ihre lange nicht gelingen. "Das ist a bissl zäh gegangen", meinte sie lächelnd, als es endlich geschafft war.

Die Form passe einfach, fügte sie an - eine beruhigende Erkenntnis angesichts des kommenden Großereignisses. Bis Sotschi peilt Höfl-Riesch weitere Podestfahrten an. Zwei "Stockerl"-Plätze fehlen ihr zum deutschen Rekord von Katja Seizinger, die 76-mal unter die Top 3 fuhr. "Ich bin jetzt voller Selbsvertrauen", meinte sie.

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