Maria Höfl-Riesch holte bei den Spielen 2010 in Vancouver zweimal Gold © imago

Für ihr großes Ziel trainiert Maria Höfl-Riesch so hart wie nie zuvor. Hilfe holt sie sich bei einem nicht unumstrittenen Trainer.

München/Sölden - Going ist ein kleines Nest in der Nähe von Kitzbühel, doch für viele Athleten ist das Örtchen am Wilden Kaiser der Nabel ihrer (Sport-)Welt.

Die Klitschkos bereiten sich hier auf ihre Box-Kämpfe vor, und neulich polierte auch "Terminator" Arnold Schwarzenegger seine langsam eschlaffenden Muskelberge dort wieder auf.

Kurz: Es ist der perfekte Ort für einen Mann, der ehrfurchtsvoll der "Schinderheini" genannt wird.

Gequält wie nie zuvor

Unter der Leitung von Heinrich "Heini" Bergmüller hat Maria Höfl-Riesch sich in Going gequält wie nie in ihrer langen Ski-Karriere - mit dem einen Ziel vor Augen: Gold bei Olympia in Sotschi.

Bergmüller trage seinen Spitznamen "nicht umsonst", sagt die 28 Jahre alte Doppel-Olympiasiegerin von Whistler 2010.

Bis zu acht Stunden täglich hat sie in der Trainingshalle beim "Stanglwirt" geschuftet.

Bergmüller war anfangs dabei, stellte Höfl-Rieschs Trainingsprogramm komplett um.

"Grundlagen, Grundlagen, Grundlagen", umschreibt die zweimalige Weltmeisterin dessen Philosophie. Für Höfl-Riesch war es ein Wagnis, sich auf den nicht unumstrittenen Coach einzulassen. Sie begann viel später als über die Jahre gewohnt mit dem Krafttraining und saß "Stunden und Tage auf dem Ergometer".

"Frisch wie nie zuvor"

Doch das zahlte sich aus. Vor dem Weltcup-Auftakt am Samstag mit dem Riesenslalom in Sölden (Sa, ab 9.30 im ) fehlten ihr zwar noch "die Stabilität und das Vertrauen", jedoch fühle sie sich "frisch wie nie zuvor."

Das belegten auch die "Körperanalysen", die sie zwischendurch immer wieder in Wien bei Bergmüller machte.

Vier Kilogramm Muskelmasse habe sie zugelegt: "Ich habe einmal richtig gemerkt, wie's mir die Oberschenkel aufbläst." Zudem erhole sie sich "wahnsinnig gut".

Zeit für Veränerungen

Anstoß zur Veränderung war der vergangene, für Höfl-Riesch so wechselhafte Winter. Bei der WM in Schladming gewann sie zwar Gold in der Super-Kombination und zwei Bronzemedaillen (Abfahrt/Team), doch im Weltcup reichte es nur zu einem einzigen Sieg.

Mitunter sah sie wie gelähmt zu, wenn Tina Maze mal wieder allen davonfuhr. Die Slowenin hatte der Konkurrenz vor allem körperlich einiges voraus.

Höfl-Riesch dagegen fühlte sich am Saisonende ausgebrannt.

Tipps vom Herminator

Wie, fragte sie sich, kann ich diese Maze knacken - und im wohl letzten Ski-Winter meiner Karriere nochmal auf den Olymp kommen?

Sie erinnerte sich an die österreichische Ski-Legende Hermann Maier.

"Der war immer so wahnsinnig beinander, ähnlich wie die Tina", sagt sie. Höfl-Riesch fuhr zu Maier und ließ sich erklären, was ihn zum "Herminator" machte.

Und dabei fiel immer wieder der Name "Heini". Die Partenkirchnerin beschloss, es auch mit Bergmüller zu versuchen.

Körperlich auf sehr gutem Niveau

Sie mag sich auf dem Zielhang ihrer Karriere befinden, "aber Wille und Ehrgeiz sind da, noch einmal erfolgreich zu sein".

Bergmüller, sagt DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier, habe "das Laufen über Wasser nicht erfunden".

Aber die neuen Ideen hätten Höfl-Riesch körperlich "auf ein sehr gutes Niveau gebracht".

Die Kooperation Bergmüller/Höfl-Riesch erfolgte in enger Abstimmung mit dem DSV.

"Das lief alles absolut korrekt ab", betont Maier.

Sanfter geworden

Bergmüller erlebt Höfl-Riesch "extrem motiviert und akribisch", wie er der Münchner "tz" sagte: "Das habe ich eigentlich noch bei keiner Skidame erlebt."

Dabei betreut er auch die Österreicherin Kathrin Zettel; die war immerhin Kombi-Weltmeisterin 2009 und 2011 WM-Zweite im Slalom.

Sein Spitzname, meint Bergmüller, sei indes längst aus der Mode gekommen. Inzwischen gehe er sanfter vor als zu Maiers Zeiten.

Höfl-Riesch vertraut seiner Methode.

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