Tina Maze hat bereits in allen fünf Disziplinen Weltcuprennen gewonnen © getty

Maze schreibt mit dem Abfahrts-Sieg in Garmisch Geschichte. Dabei war die Bestmarke gar nicht ihr Ziel. Höfl-Riesch verneigt sich.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Rainer Nachtwey

Garmisch-Partenkirchen - Tina Maze machte einen kleinen Hüpfer. Sie ballte die Fäuste und jubelte.

So eben war Maria Höfl-Riesch über die Ziellinie gefahren, und es leuchtete nur die 2 auf der Videowand auf (Bericht).

Für Maze stand nach Höfl-Rieschs vorläufigem zweiten Rang der Sieg fest, auch wenn die Amerikanerin Laurenne Ross sich noch zwischen die Slowenin und die Deutsche schob.

Doch der Triumph bei der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen bedeutete für die überragende Skifahrerin der Saison mehr, nämlich den Punkterekord von erstmals über 2000 Zählern im Gesamtweltcup und einen Sieg in allen fünf Disziplinen in einer Saison. (DATENCENTER: Wintersport)

"Das ist mein Moment"

Dies hatten vor ihr nur die Österreicherin Petra Kronberger und Janica Kostelic aus Kroatien geschafft.

"Das ist mein Moment", sagte Maze, die Hermann Maiers Bestmarke von exakt 2000 Zählern aus dem Jahr 2000 bereits sieben Rennen vor Ende mit derzeit 2024 überbot.

Nun werde sie immer mit der Bestmarke in Verbindung gebracht werden, bis sie einer überbietet.

"Die 2000 Punkte waren aber nie mein Ziel. Als ich vor Kurzem bereits 1800 Punkte hatte und ich mich gut fühlte, habe ich mir gedacht, das kommt von allein."

Neunter Saisonerfolg

Für die Super-G-Weltmeisterin war es zudem der neunte Saisonerfolg, nachdem sie am Vortag eben den Sieg im Super G nur hauchdünn verpasst hatte, aber mit Rang zwei und ihrer 19. Podiumsplatzierung bereits eine neue Bestmarke aufgestellt hatte.

"Es ist eine unglaubliche Saison für mich", sagte Maze, die in der Vorwoche in Meribel bereits den Gesamtsieg in der Weltcupwertung perfekt gemacht hatte.

Und auch die Konkurrenz hat für die Dominatorin des alpinen Skizirkus nur lobende Worte.

"Sie fährt eine Wahnsinnssaison. So etwas gab es noch nie. Sie ist so konstant. Da kann man nur den Hut ziehen", meinte Höfl-Riesch.

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Rebensburg feiert Maze

Viktoria Rebensburg, die auf Platz acht fuhr, verneigte sich ebenfalls vor "Amazing Maze".

"Die Lindsey Vonn hat es jahrelang versucht und nicht geschafft. Bei ihr sieht es so locker aus, aber da steckt so viel harte Arbeit dahinter", meinte Rebensburg.

Mit den Plätzen drei und acht war es mit zwei Top-Ten-Ergebnissen das beste DSV-Ergebnis des Jahres in der Schussfahrt.

McKennis verletzt

Allerdings wäre noch mehr drin gewesen. Im Streckenabschnitt "Hölle" unterlief Höfl-Riesch ein Fehler, der ihr vielleicht den möglichen Sieg, zumindest aber den zweiten Platz kostete.

"Sicher wäre es schön gewesen, vor dem Heimpublikum meinen 25. Sieg zu feiern, aber mit dem Podest kann ich sehr zufrieden sein", sagte die Kombinations-Weltmeisterin.

Überschattet wurde das Rennen von einem Sturz von Alice McKennis aus den USA. Die Siegerin der Weltcup-Abfahrt von St. Anton musste mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden und erlitt einen Bruch des rechten Schienbeinkopfes.

Am Sonntag bietet sich Höfl-Riesch noch einmal die Chance, den Jubiläumserfolg vor den heimischen Zuschauern perfekt zu machen.

Super G zum Abschluss

Dann steht mit dem Super G (So., ab 11.30 Uhr im LIVE-TICKER) der Abschluss des Kandahar-Wochenendes auf dem Programm.

Allerdings wird dort auch Tina Maze wieder diejenige sein, die es zu schlagen gilt. Nach Platz elf am Freitag hat sich Hölf-Riesch keine hohen Ziele gesetzt.

"Mehr als am Freitag" wolle sie erreichen, sagte Höfl-Riesch.

Nächster goldener Moment?

Für Maze könnte der Sonntag der nächste goldene Moment einer großen Saison werden.

Holt sie 66 Punkte mehr als die Amerikanerin Julia Mancuso, die in der Abfahrt Platz sechs belegte, hat sie nach der großen Kugel für den Gesamtweltcup und der kleinen im Riesenslalom das nächste Kristall sicher.

"Mein Ziel ist es jetzt, auch die Disziplinen-Wertungen zu gewinnen", meinte Maze: "Der Sieg war für die Abfahrtskugel sehr wichtig."

Ein Punkt hinter Vonn

Vor dem abschließenden Rennen in Lenzerheide fehlt ihr ein Punkt auf die verletzte Lindsey Vonn, ein Platz unter den ersten 15.

Theoretische Chancen hat auch noch Höfl-Riesch, allerdings weiß die Gesamtweltcup-Siegerin von 2011 auch:

Gegen die alles in Grund und Boden fahrende Tina Maze braucht es dafür schon "ein Wunder".

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