Der Abfahrer verletzt sich in Beaver Creek schwer. Alpindirektor Maier ist deprimiert. Höfl-Riesch rettet die Stimmung nicht.

Beaver Creek - Tobias Stechert gab sich keinen Illusionen hin. "Ich hatte schon zwei Kreuzbandrisse, ich kenne die Symptome", sagte der derzeit beste deutsche Abfahrer, da saß er noch im Rettungsschlitten. (Ich hatte schon zwei Kreuzbandrisse, ich kenne die Symptome", sagte der derzeit beste deutsche Abfahrer, da saß er noch im Rettungsschlitten. Es dauerte nicht lange, da wurde aus dieser schlimmen Vermutung Gewissheit. Stechert hatte sich bei einem völlig harmlos aussehenden Fahrfehler bei der Abfahrt in Beaver Creek das linke Kreuzband abgerissen. Zudem riss das sogenannte Ringband, das das Fieberköpfchen mit dem Knie verbindet. "Scheiße", lautete die mehr als verständliche Reaktion des Oberstdorfers. Maier: "Schwer in der Krise" Dass Maria Höfl-Riesch beim souveränen Sieg von Lindsey Vonn in einem vom Nebel beeinträchtigten Rennen in Lake Louise als Dritte aufs "Stockerl" gefahren war, hellte die Stimmung im DSV-Lager nur bedingt auf. Auch das beachtliche Comeback von Stecherts jüngerer Schwester Gina bei der ersten Weltcup-Abfahrt des Winters, die nach fast zwei Jahren verletzungsbedingter Rennpause (das Knie!) auf Rang 14 fuhr, half nicht. "Wir sind schwer in der Krise", sagte Wolfgang Maier, der Alpindirektor des Verbandes: "Es ist extrem frustrierend, weil uns immer wieder das gleiche Schicksal ereilt." Kleiner Verschneider Schicksal, oder, wie es Maier auch nannte, "das Berufsrisiko", entreißt ihm "schon seit 15 Jahren immer dann, wenn wir auf dem Sprung nach vorne sind, wenn wir dran sind an der Weltspitze", die besten Leute. So war das auch auf der berüchtigten "Raubvogel-Piste" in Colorado. Stechert war zuletzt in der Form seines Lebens. Mit Platz fünf hatte er in der vergangenen Woche in Lake Louise für das beste deutsche Abfahrtsergebnis seit acht Jahren gesorgt. Am Freitag lag er auf Podestkurs, als er nach rund einer Minute Fahrzeit einen kleinen Verschneider mit den Skiern hatte - das reichte. Schlag aufs Knie "Ich bin am Innenski weggerutscht, da hat der Außenski gegriffen, und ich habe einen Schlag aufs Knie bekommen", beschrieb Stechert die Szene, die für ihn das Aus für die WM im Februar bedeutete. "Das sah recht harmlos aus, nicht nach einer heftigen Verletzung", sagte Maier, "aber der Körper hält Belastungen mit 1000 kg nicht aus wie in der Abfahrt. Da führen oftmals kleinere Irritationen zu extremen Auswirkungen." Dritter Kreuzbandriss Wie extrem, das wurde bei Stechert in der Klinik von Kniespezialist Richard Steadman in Vail festgestellt. Am Samstag wurde der 27 Jahre alte Allgäuer nach Hause geflogen. "Wir hadern ein bisschen", sagte Maier geknickt. Stechert war unmittelbar nach seinem Missgeschick an den Rand der Strecke gefahren, wo er sich in den Schnee setzte. Er schnallte die Skier ab, warf die Handschuhe weg. Er wusste: Seine Berufskleidung würde er so bald wohl nicht mehr anlegen dürfen. Stechert griff sich ans linke Knie, dahin, wo bereits 2009 das Kreuzband gerissen war. Es war sein zweiter Kreuzbandriss damals, nach dem ersten 2004 im rechten Knie. Sanders Silberstreif Seine Schwester Gina (25) hat sich das Kreuzband zweimal im rechten und einmal im linken Knie gerissen, letztmals 2011 im September. Seitdem war sie ausgefallen, bis Freitag. Viele Dinge hätten sie zuletzt verändert im Speed-Team, erklärte Maier. In den vergangenen Jahren sei mancher Rennläufer "körperlich nicht fit" gewesen. Das und andere Dinge hätten sie nachgeholt, sie wähnten sich auf einem guten Weg und die jüngsten Ergebnisse hatten das ja bestätigt. Jetzt müssen sie mal wieder von vorne anfangen. Immerhin gab es noch in Beaver Creek Anlass zur Hoffnung. Andreas Sander fuhr bei seiner erst zweiten Weltcup-Abfahrt dort auf Platz 28. Ein Silberstreif, mehr nicht. ">Bericht

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