Viktoria Rebensburg gewann bei Olympia 2010 in Vancouver Gold im Riesenslalom © getty

Nach einem freien Wochenende findet die 22-Jährige zu alter Stärke zurück. Höfl-Riesch trauert den verpassten Punkten nach.

Ofterschwang/Kvitfjell - Viktoria Rebensburg sank auf die Knie und küsste den von der Sonne aufgeweichten Schnee.

Mit ihrem zweiten Saisonsieg, dem ersten seit über drei Monaten, eroberte die Olympiasiegerim im Riesenslalom beim Heim-Weltcup in Ofterschwang im Ober-Allgäu nicht nur die Führung in der Disziplinwertung zurück.

Sie befreite sich nach schwierigen Wochen auch aus einem Tal, in das sie selbst hineingefahren war.

"Ich bin sehr glücklich, das war ein supergeiles Rennen", sagte die 21-Jährige.

Nach ihrem Kuss schlug sie mit der rechten (Sieger-)Faust einige Haken in die Luft, der Nationalhymne lauschte sie sichtlich bewegt. Immer wieder blitzte dabei ihr Lächeln auf.

"Ohne Viki wären wir enttäuscht"

Während Maria Höfl-Riesch bereits im ersten und Lena Dürr im zweiten Lauf ausschieden, machte Rebensburg (Kreuth) die 2500 Zuschauer glücklich, die das frühlingshafte Wetter zum Ausflug ans Ofterschwanger Horn genutzt hatten.

Trotz eines schweren Patzers im ersten Lauf, bei dem sie fast eine Sekunde verlor, setzte sich Rebensburg 0,06 Sekunden vor Weltmeisterin Tina Maze aus Slowenien durch.

"Wenn du gewinnst, steht alles andere im Schatten. Ohne Viki wären wir hier enttäuscht rausgegangen", sagte Wolfgang Maier.

Die Konzentration fehlte

Der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV) hatte wie seine Trainer einigen Anteil am fünften Weltcup-Sieg von Rebensburg.

Weil er bemerkt hatte, dass sie zuletzt häufig "zu kopfgesteuert" gefahren war, hat er Rebensburg bei einem Gespräch kürzlich in Sotschi "den Druck zu nehmen versucht. Ich habe ihr gesagt: Du musst für niemanden die Disziplinwertung gewinnen. Wenn du Zweite wirst, geht für uns die Welt nicht unter, daran sterben wir als DSV nicht."

Das fruchtete. "Ich habe versucht, mich aufs Skifahren zu konzentrieren, das war in den letzten Wochen nicht mehr so da", sagte Rebensburg, die Ende November in Aspen/Colorado gewonnen hatte.

Viel Druck wegen Maria Höfl-Riesch

Laut Maier sei bei ihr zuletzt "zu viel analysiert und zu viel diskutiert" worden: "Man hat versucht, sie zu überperfektionieren. Aber ein Skifahrer muss auch auf sein Gefühl hören."

Auch das versuchte er Rebensburg zu vermitteln. Und, dass sie angesichts der wellenartig verlaufenden Saison von Höfl-Riesch das Team nicht im Alleingang "retten" müsse.

Der Startverzicht beim jüngsten Weltcup in Bansko/Bulgarien sei aus diesen Gründen erfolgt, meinte Rebensburg.

Rebensburg wieder vorn

Beim Training am Oberjoch habe sie wieder zu sich gefunden, außerdem half ein freies Wochenende zu Hause in Kreuth, um "die Akkus aufzuladen. Das habe ich genossen."

Der Lohn: Das rote Trikot der Weltcup-Ersten im Riesenslalom. Rebensburg geht mit 44 Punkten Vorsprung auf Tessa Worley (Frankreich), die Siebte wurde, in die letzten drei Rennen der Saison.

Das erste findet bereits am Samstag in Ofterschwang statt (DATENCENTER: Ski Alpin Ergebnisse).

Höfl-Riesch schmerzt der Ausfall

Dann will auch Höfl-Riesch wieder angreifen, die beim ersten Versuch schon nach 35 Fahrsekunden draußen war.

"Das ist ärgerlich, ich bin im Riesenslalom eigentlich gut drauf. Schade, dass sowas passiert. Ich will ja noch Zweite im Gesamtweltcup werden, da tun Ausfälle wie der heute schon weh", sagte sie.

Auf Maze hat sie 108 Punkte Rückstand, auf Lindsey Vonn (USA), in in Ofterschwang Zehnte wurde, rund 500 Punkte.

Keppler auf Rang 33

Wesentlich enger geht es bei den Männern zu, in jeder Hinsicht:

Beat Feuz aus der Schweiz und Klaus Kröll aus Österreich gewannen am Freitag in Kvitfjell mit der identischen Zeit den Super-G, in 1:32,35 Minuten lagen sie damit drei Hundertstelsekunden vor dem Norweger Kjetil Jansrud.

Stephan Keppler (Ebingen) kam als bester Deutscher nur auf Rang 33.

Svindal führt Disziplinen-Wertung an

Feuz, der vor einem Jahr in Kvitfjell zum ersten Mal im Weltcup gewonnen hatte, übernahm durch seinen vierten Saisonsieg die Führung im Gesamtweltcup.

Der 24-jährige Emmentaler hat vor der Abfahrt am Samstag und einem weiteren Super-G am Sonntag aber nur fünf Punkte Vorsprung auf Marcel Hirscher aus Österreich.

Im Super-G-Weltcup führt Aksel Lund Svindal aus Norwegen, er liegt nur zwei Punkte vor Didier Cuche aus der Schweiz.

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