Eric Frenzel (M.) gewann 2010 in Vancouver Olympia-Bronze mit dem Team © getty

Eric Frenzel holt das erste Gold für Deutschland bei der Nordischen Ski-WM - und bedankt sich bei zwei Glücksbringern.

Von der Nordischen Ski-WM berichtet Lars Becker

Cavalese - Eigentlich lag das mit der Goldmedaille an Freundin Laura - und natürlich am kleinen Philipp.

"Sie hat einfach bei den ersten WM-Rennen hier als Glücksbringer gefehlt", berichtete Kombinierer Eric Frenzel nach seinem Titel in Val di Fiemme (Bericht): "Sie wollte erst nicht dabei sein, weil sie nicht als Buhmann dastehen wollte."

Laura wollte nicht schuld sein, wenn es nicht klappt. Weil ihr Liebster vor zwei Jahren in Oslo seinen ersten Weltmeistertitel ohne sie gewonnen hatte. Zum Glück war sie dann doch am Mittwochabend ins Fleimstal angereist.

Deshalb war diesmal alles viel schöner als beim ersten WM-Titel, weil die ganze Familie zusammen feiern konnte. Sohn Philipp stand stolz mit einem Plakat mit der Aufschrift "Papa, zieh" an der Schanze - und prompt flog Eric Frenzel mit der Bestweite von 138,5 Metern auf Platz eins.

Wie vor zwei Jahren

Das war dann doch wieder genauso wie bei seinem ersten WM-Triumph 2011. "Ich hatte die Startnummer 55 beim Springen wie damals, habe gewonnen wie damals und konnte dann genau wie dort mit der Nummer 1 laufen. Ich habe nicht geglaubt, dass sich Geschichte so wiederholen kann", erzählte Frenzel danach überglücklich.

Sie wiederholt sich eben doch, weil Frenzel ein absoluter Siegertyp ist.

"Wie der Effe das von vorn gemacht hat - da schlafen dir die Füße ein", meinte Bundestrainer Hermann Weinbuch und schüttelte den Kopf. "Effe" ist der Spitzname des Oberwiesenthalers Frenzel.

Der Sachse ist zwar kein extrovertierter Typ wie Stefan Effenberg. Aber er ist einer, der Verantwortung übernimmt. Das gilt privat - Frenzel wurde schon mit 18 Vater des kleinen Philipp - wie sportlich. Und noch eins erinnert an "Effe": Er zeigt immer unbedingten Siegeswillen.

Zwei bittere Enttäuschungen

Dabei hatte der nach zuletzt vier Weltcup-Siegen in Serie und einem zweiten Platz als Topfavorit angetretene Spitzenreiter im Gesamtweltcup in diesen Tagen im Fleimstal zwei bittere Enttäuschungen zu verdauen gehabt.

Im ersten Einzelrennen war er als Titelverteidiger angetreten und nur auf Platz vier gelandet. Winzige zwei Zehntelsekunden hinter seinem mit Bronze belohnten Teamkollegen Björn Kircheisen, nicht einmal eine Sekunde an der vom Franzosen Jason Lamy Chappuis abgeräumten Goldmedaille vorbei.

Im Teamwettbewerb war Frenzel beim Springen wie seine Kollegen vom Windpech verfolgt. Als Sechster gab es erstmals seit 2001 für Deutschland keine WM-Medaille.

"Ich bin mir aber weiter sehr bewusst gewesen, was ich kann. Die Leistung kann ja nicht weg sein", sagte Frenzel danach. Auf der Großschanze in Predazzo zeigte der 24 Jahre junge Mann pünktlich genau dann, als es drauf ankam, den "wahrscheinlich besten Sprung meines Lebens".

"Er hat eine Rakete gezündet"

Während die anderen maximalen Aufwind hatten, war es beim Deutschen nur noch ein Hauch. "Aber er hat eine deratige Rakete gezündet - unglaublich", lobte Chefcoach Weinbuch. Auf die härtesten Konkurrenten - Lamy Chappuis und den Norweger Magnus Moan - konnte er damit über eine Minute Vorsprung mit in den Langlauf nehmen.

Über die 10 Kilometer lief Frenzel dann ein einsames Rennen an der Spitze Spitze und ließ der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance. "Es ist bemerkenswert, dass er das in so einer Situation, in der man nur noch verlieren kann, so hinbekommt. Er ist ein ganz Großer", lobte Chefcoach Weinbuch.

Jubel im ganzen Team

Im Zielraum von Tesero jubelte dann das komplette Kombinierer-Team von den Teamkollegen bis zu den Wachsspezialisten mit dem Weltmeister - auch ein Zeichen, wie beliebt die Führungfigur Frenzel ist.

Die Trainer und Techniker verabschiedeten sich nach dem Triumphlauf zum Biertrinken in die Wachskabine. Frenzel schloss lieber Laura und den stolzen Philipp in die Arme - und ließ es nicht krachen.

Goldfavorit im Teamsprint

"Der Effe wird versuchen, in zwei Tagen noch etwas zu reißen. Da geht ganz bestimmt noch was", sagte Weinbuch. Er meint damit den Teamsprint (Sa., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER), die letzte WM-Entscheidung der Kombinierer, wo Frenzel mit Tino Edelmann als Goldfavorit ins Rennen geht.

Schon bei der letzten Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Oslo hatte Frenzel mit seinem Titel und insgesamt vier Medaillen die deutsche Bilanz fast im Alleingang gerettet.

Satt gemacht hat ihn das nicht, das hat spätestens dieser Goldlauf bewiesen. Das hängt auch etwas mit seinem Lebensmotto zusammen: "Wenn du denkst, dass du etwas bist, hast du aufgehört etwas zu werden."

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