Eric Frenzel holte bei der WM in Oslo vor zwei Jahren noch vier Medaillen © getty

Nach dem Staffelchaos haben die DSV-Kombinierer von der Großschanze eine Medaillenchance. Und Frenzel ein perfektes Rezept.

Cavalese - Eigentlich kann nichts mehr schiefgehen: Eric Frenzel hat das perfekte Rezept gefunden, um Frankreichs Über-Kombinierer Jason Lamy-Chappuis in die Knie zu zwingen.

"Ich muss einfach besser springen als Jason, und danach noch besser laufen", sagt der entthronte Weltmeister vor der WM-Entscheidung von der Großchance in Val di Fiemme am Donnerstag (10/15.30 Uhr im LIVE-TICKER). Der Goldmedaille steht also praktisch nichts mehr im Wege.

Dass der Angriff auf den Titel aber alles andere als ein Selbstläufer wird, das weiß Frenzel freilich nur allzu gut: "Ich bin zwar gut drauf, und die Form ist nach wie vor da. Aber Jason ist natürlich ebenfalls in Topform, dazu sehr sprintstark - und der Zieleinlauf hier kommt ihm da sehr entgegen."

Enttäuschung verflogen

Schon am Freitag war der französische Olympiasieger im Finish klar die Nummer eins, Frenzel spurtete auf Platz vier. "Da war ich aber nur 0,5 Sekunden hinter dem Weltmeister, das sind keine Welten. Ich bin gut dabei", sagt der 24-Jährige.

Die Enttäuschung über Platz vier ist derweil ebenso verflogen wie die Wut über das Staffel-Chaos, als der deutsche Vierer um Frenzel bereits in einem Springen unter irregulären Bedingungen alle Medaillenchancen eingebüßt hatte.

"Was bringt es denn, sich damit jetzt noch zu befassen. Damit können wir die Medaille auch nicht zurückholen", sagt Frenzel.

Stolz auf Selbsttherapie

Mit einem bunten Freizeitprogramm Anfang der Woche bekamen die DSV-Kombinierer Kopf und Seele wieder ins Gleichgewicht. "Wir waren in Bozen shoppen und Cappuccino trinken, haben ein Tischtennis-Turnier veranstaltet - Manuel Faißt hat gewonnen", erzählt Frenzel: "Es war einfach wichtig, einmal völlig abzuschalten."

Bundestrainer Hermann Weinbuch nahm die Selbsttherapie seiner Schützlinge mit Wohlwollen zur Kenntnis: "Das haben die Jungs sehr gut gemeinschaftlich verarbeitet, alles aus eigener Initiative. Da bin ich schon stolz", sagte Weinbuch:

"Die Wut wegzubekommen, war auch immens wichtig. Man darf nämlich nicht mit Wut im Bauch springen, das geht schief. Sie müssen mit Freude an die Sache herangehen."

Weinbuch knabbert noch

Weinbuch selbst hat nach wie vor an dem Wind-Desaster von Predazzo zu knabbern: "Das belastet mich, tut auch weh. Man muss im Leben aber auch Niederlagen einstecken können."

Der DSV suchte nach dem Wettkampf, in dem vor allem die deutschen Kombinierer bei schlechtesten Bedingungen von der Schanze gelassen wurden, noch einmal den Dialog mit der Jury: "Ich musste aber nach fünf Minuten gehen, weil ich gemerkt habe, dass da keine Einsicht kommt. Ich rege mich sonst nur unnötig auf. Da schaue ich lieber in die Zukunft."

"Springen nicht verlernt"

Die könnte schon am Donnerstag die zweite Medaille in Val di Fiemme bringen: "Die Jungs sind im Training vernünftig gesprungen, die haben das Springen ja nicht verlernt", sagte Weinbuch: "Die Basis für eine Medaille ist da."

Dies gilt für Frenzel, aber auch für Björn Kircheisen, der von der Normalschanze Bronze geholt hatte. "Am Donnerstag sind ganz Andere in der Favoritenrolle", sagt der 29 Jahre alte Routinier: "Ich muss hier auch kein Springen gewinnen, ich muss danach nur mit dabei sein - dann sieht es schon gut aus."

Großen Druck macht sich derweil auch Frenzel nicht, der mit der Seelenruhe und Ausgeglichenheit eines jungen Familienvaters in den Wettkampf geht:

"Wenn ich meine Leistung bringe, dann ist es schon ein guter Tag für mich. Wenn es dann am Ende keine Medaille werden sollte, dann soll es halt so sein."

Weiterlesen