Axel Teichmann (r.) gewann in der Saison 2004/05 den Gesamtweltcup © getty

Die deutschen Langläufer verlieren die Materialschlacht von Val di Fiemme. Axel Teichmann kommt am Ende kaum mehr vorwärts.

Cavalese - Das Wintermärchen von Val di Fiemme (täglich im LIVE-TICKER) hat sich für Axel Teichmann nicht wiederholt:

An der Stelle seines größten Triumphes lehnte der frühere Skilanglauf-Weltmeister erschöpft auf seinen Stöcken und haderte trotz Platz neun über 15 km mit seiner Vorstellung.

"Wer damit zufrieden ist, hat falsche Ansprüche an eine Weltmeisterschaft", sagte der Routinier, der zehn Jahre zuvor im Fleimstal über diese Distanz Gold geholt hatte.

Kusshände gen Himmel

Satte 1:25,7 Minuten Rückstand hatte der 33-Jährige im Freistil-Rennen gegen die Uhr auf Sieger Petter Northug.

Norwegens Topstar holte in 34:37,1 Minuten seinen insgesamt achten WM-Titel und warf im Ziel am Boden liegend mit Tränen in den Augen Kusshände gen Himmel.

Silber ging an den Schweden Johan Olsson vor Northugs Landsmann Tord Asle Gjerdalen. "Das war heute eine Materialschlacht, die haben Norwegen und Schweden gewonnen", sagte Bundestrainer Frank Ullrich.

"Nicht mehr vorwärts gekommen"

Dass es für Teichmann nichts mit einer Medaille werden würde, war frühzeitig klar. "Auf der zweiten und dritten Runde bin ich gar nicht mehr vorwärts gekommen. Ich kann es mir nicht erklären, weiß nicht, woran es heute gelegen hat", sagte der Thüringer, der exakt um 13:03:30 Uhr als erster Deutscher ins Rennen gegangen war. Im Ziel lag er zwar zunächst in Führung, wurde aber schnell durchgereicht.

Dennoch war Teichmann noch der Beste eines insgesamt enttäuschenden deutschen Quartetts. Tim Tscharnke kam trotz eines schmerzhaften Risses im Brustfell immerhin auf Platz 14 (1:48,8), haderte aber ein wenig mit den erneuten leichten Niederschlägen in der Nacht:

"Schon wieder Neuschnee, meine verhassteste Schneeart und der Deutschen größter Feind", sagte der nicht unzufriedene 23-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Angerer nur 42.

Ein Debakel erlebte Tobias Angerer, der noch hinter Hannes Dotzler (24./+2:27,7) mit 3:11,8 Minuten Rückstand auf einem indiskutablen 42. Platz landete.

Der frühere Gesamtweltcupsieger hatte bei schwierigen Bedingungen völlig verwachst. "Ich habe einen Engländer eingeholt, der ist auf der nächsten Abfahrt wieder vorbei gefahren. Im Ziel hat er mich etwas mitleidig angeschaut", sagte der 35-Jährige, der im Skiathlon noch Neunter geworden war.

Ullrich meinte dazu: "Ich möchte das Wachsthema nicht überbewerten, wir können uns nicht den Vorwurf machen, dass wir mit zu wenigen Technikern hier sind."

Russen verwachsen

Enttäuschungen gab es aber auch für einige der Topfavoriten. Skiathlon-Weltmeister Dario Cologna (Schweiz) wurde Achter, Titelverteidiger Matti Heikkinen (Finnland) Zwölfter, Schwedens Skiathlon-Olympiasieger Marcus Hellner musste sich mit Platz 17 begnügen.

Wie Angerer waren die Russen mit hoffnungslos unterlegenem Material unterwegs: Tour-de-Ski-Sieger Alexander Legkow kam als 25. noch hinter Hannes Dotzler ins Ziel.

Alle Hoffnung auf die Staffel

Die Hoffnungen von Teichmann und Angerer, eine bislang enttäuschende WM noch zu retten, liegen nun vor allem auf der Staffel am Freitag.

"Wenn wir jetzt schon den Kopf in den Schnee stecken, brauchen wir gar nicht anzutreten", sagte Teichmann. "Uns sollte man noch nicht total abschreiben", meinte Tscharnke.

2003 waren die deutschen Männer in Val di Fiemme WM-Zweiter, nun wäre Bronze schon mehr als ein kleines Wintermärchen.

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