Richard Freitag gewann bei der Skiflug-WM 2012 Silber mit der Mannschaft © getty

Mit dem Trainingsbesten Freitag und einem entspannten Freund kann das DSV-Team Schusters Masterplan schon vorzeitig knacken.

Predazzo - Schon am Donnerstag könnte 2015 sein: Der Masterplan von Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster sieht vor, spätestens bei der WM in zwei Jahren in Falun einen großen Titel zu gewinnen.

Doch warum sollte das den glänzend aufgelegten Vorfliegern Richard Freitag und Severin Freund nicht schon in Val di Fiemme gelingen?

"Wir sollten die Geduld nicht verlieren. Aber es wäre ein Traum, hier im Einzel etwas zu machen", sagt Schuster vor der Entscheidung von der Großschanze (17 Uhr im LIVE-TICKER).

Lust auf mehr

Bronze im Mixed und drei Top-10-Platzierungen von der Normalschanze haben Lust auf mehr gemacht.

Sowohl Schuster als auch seine Schützlinge haben Geschmack an den bunten Siegerehrungen im Herzen von Cavalese gefunden, wo jeden Abend die besten Sechs gefeiert werden.

"Zwei gelbe DSV-Anoraks auf der Bühne, da hatte schon was", sagte Schuster über den vierten und sechsten Rang von Freitag und Freund am Samstag (DATENCENTER: Der Weltcup).

Weitester Sprung des Tages

Freitag machte im Training bereits deutlich, dass mit ihm zu rechnen ist. Am Dienstag gelang ihm mit 132 Metern der weiteste Sprung des Tages. Auch wenn Österreichs Topstar Gregor Schlierenzauer ausließ, war dies eine klar formulierte Kampfansage, zumal am Mittwoch in der Qualifikation (123 m) ein weiterer guter Satz folgte.

"Das war gut für das Selbstvertrauen. Wichtig war es, Spaß zu haben und Gefühl für die Schanze zu bekommen", sagte Freitag.

Dies am Donnerstag umzusetzen, sei aber nicht planbar, sondern tages- und stimmungsabhängig. "Wichtig ist, bei mir zu bleiben und nicht auf andere zu schauen. Das ist das Grundgesetz."

Schuster glaubt an Medaille

Schuster zumindest traut dem 21 Jahre alten Sachsen einiges zu.

"Richie setzt sich vom Kopf her keine Grenzen und sucht das Limit, mehr denn je. Und wenn man hier gewinnen will, muss man ans Limit gehen", sagt der Bundestrainer, der auch Freund auf der Rechnung hat:

"Er hat sich hier von Sprung zu Sprung gesteigert. Wenn er sich weiter steigert, wäre das die Basis für eine Medaille."

Billard und Bergtour am Ruhetag

Seinen unglücklichen vierten Platz hat Freund inzwischen verdaut. Den Ruhetag widmete er ganz der Zerstreuung, spielte mit seinem Zimmerkollegen Freitag Billard und unternahm mit dem Team eine Bergtour aufs nahegelegene Lavaze-Joch.

"Da haben wir tolle Bilder gemacht. Das hat mir gut getan", sagte Freund, der nach den Trainingssprüngen kurz und bündig feststellte: "Form und Schanze sind in gutem Zustand."

Wank als Joker

Schusters Joker könnte indes der oft unterschätzte Andreas Wank werden.

Der Oberhofer war in Val di Fiemme bislang stets nah dran, wurde in der Qualifikation starker Vierter, zum Top-Ergebnis fehlte nur das letzte Quäntchen.

"Ich fühle mich sehr wohl auf dieser Schanze. Meine Form passt auch. Ich habe hier gemerkt, dass ich dabei bin", sagte der 25-Jährige.

Schon auf der Normalschanze hatte Wank einen medaillentauglichen zweiten Durchgang hingelegt - der erste war vom Winde verweht worden. "So viel Pech habe ich hoffentlich diesmal nicht."

Bundestrainer fordert Geduld

Wie Wank kann auch Michael Neumayer, der am Mittwoch in der Quali mit 124,5 Metern sogar Rang zwei belegte, an einem guten Tag ganz vorne hineinspringen.

Sollte es in Val di Fiemme nichts mit dem goldenen Donnerstag werden, wäre es für Schuster kein wirkliches Drama. Noch haben Youngster wie Freitag bei ihm Welpenschutz.

"Mein persönlicher Plan geht bis Falun 2015. Wir brauchen einfach Geduld und Willenskraft."

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