JayJay Madja lebt seit 15 Jahren in München und arbeitet als Software-Entwickler © Privat

Der Münchener Togolese Gervacio "JayJay" Madja ist der Exot der Langlauf-WM. Bei SPORT1 erklärt er, wie er zum Ski-Star wurde.

Von Martin Hoffmann

München - Der Weg zu den Olympischen Spielen ist weit.

Das weiß spätestens seit dem vergangenen Samstag auch der Langlauf-Exot Gervacio "JayJay" Madja.

Keine 3000 Meter weit war der Togolese gekommen, ehe er beim Skiathlon der Nordischen Ski-WM in Val di Fiemme überrundet wurde und ausschied.

Doch die Flinte ins Korn werfen will der Wahl-Münchner - der bis November vergangenen Jahres nie auf Skiern stand - deshalb noch lange nicht.

Im Gegenteil: bis zu den Spielen im kommenden Jahr in Sotschi will er seine erst vier Monate währende Langlauf-Karriere kontinuierlich vorantreiben.

Im Interview der Woche erklärt er bei SPORT1, wie er vom Kreisliga-Fußballer zum Ski-Star wurde - und seinen Olympia-Plan.

SPORT1: Herr Madja, kennen Sie eigentlich mittlerweile die Namen Ihrer Konkurrenten?

Gervacio Madja: (lacht) Einen kenne ich. Wie heißt der gleich noch mal, Petter Nort-irgendwas... Und Cologna jetzt natürlich, Dario Cologna...

SPORT1: ... der Sieger des Skiathlons, bei dem Sie an den Start gegangen sind. Wie gut haben Sie sich davon erholt?

Madja: Es läuft ganz nett (lacht). Ich bin die Woche jetzt wieder in München und trainiere ganz normal. Vormittags stehe ich auf den Skiern, abends gehe ich ein bisschen laufen. Ich arbeite auch viel mit den Physiotherapeuten und versuche zu regenerieren.

SPORT1: Wie ist denn Ihr Freund Toni Hiltmair darauf gekommen, gerade Sie für dieses Projekt auszuwählen?

Madja: Ich glaube, er kannte einfach keinen anderen Togolesen als mich. Wir kennen uns ja auch schon ein bisschen länger und verstehen uns gut. Wir spielen in Grasbrunn zusammen Fußball und da ich auch schon ein bisschen höherklassig gespielt habe, wusste er wohl, dass ich über die nötige Fitness verfügen würde, um das Ganze überhaupt zu stemmen. Ich habe dann ja - obwohl ich auf die Idee hin erstmal völlig perplex war - auch recht sympathisch auf das Ganze reagiert. Jetzt kann er sich jedenfalls immer noch dafür auf die Schulter klopfen, mich gefragt zu haben (lacht).

SPORT1: Sie haben dort mit Ihrer Geschichte eine Menge Rummel ausgelöst. Wie bekommen Sie den jetzt bewältigt?

Madja: Die Aufmerksamkeit ist in der Tat überraschend größer geworden, aber die Reaktionen sind positiv und ich nehme das alles recht gelassen. Ich mache das ja auch nicht für irgendwelche Leute, sondern vor allem für mich. Ich versuche, sportlich das Beste aus mir herauszuholen. Über alles andere mache ich mir nicht so viele Gedanken.

SPORT1: Abgesehen von dem, was Sie für sich selbst tun: Wie wichtig ist Ihnen, etwas für Ihre Heimat Togo zu tun?

Madja: Das ist mir auch extrem wichtig - deswegen freue ich mich über den Zuspruch anderer, die vorher vielleicht auch skeptisch waren. Als ich den ersten Anstieg hoch bin, haben lauter Leute meinen Namen gebrüllt, die mich gar nicht kennen. Diese Unterstützung war gigantisch.

SPORT1: Gab es auch Reaktionen direkt aus Ihrer Heimat?

Madja: Ja, gleich nach dem ersten Rennen hat jemand aus dem Präsidentenhaus angerufen, gratuliert und gesagt, dass ich so weiter machen soll.

SPORT1: Und sonst?

Madja: Soweit ich es mitbekommen habe, sind die Leute dort stolz und freuen sich, dass sich jemand aufrafft, so etwas zu machen. Ich selbst habe vom Skifahren ja eigentlich keine Ahnung, aber die Leute reagieren positiv darauf, dass jemand mal seinen Horizont erweitert und sich selbst und andere Leute für andere Dinge und Kulturen öffnet.

SPORT1: Wie haben Sie sich denn eigentlich den Spitznamen "JayJay" verdient?

Madja: Der stammt aus meiner Zeit in der Jugend der SpVgg Unterhaching. Dort habe ich im Training immer ganz gerne herumgetrickst und auch mal den einen oder anderen Beinschuss verteilt.

SPORT1: Und auch mal auf dem Weg zum Tor vier Mann umkurvt?

Madja: Das gab es auch mal, ja.

SPORT1: Hat sich der echte Jay-Jay Okocha auch schon bei Ihnen gemeldet?

Madja: Nein, wäre aber interessant. Was macht der eigentlich jetzt? Na jedenfalls: Ich denke, ich mache seinem Namen alle Ehre (lacht).

SPORT1: Wie geht es nun für Sie weiter?

Madja: Wir fahren am Freitag noch einmal nach Val di Fiemme. Ob ich dann nochmal antreten werde, steht aber noch nicht ganz fest. Ich habe ja jetzt gesehen, wo ich stehe und erste Erfahrungen gesammelt. Noch habe ich nichts erreicht, aber auf das, was ich in dieser kurzen Zeit geschafft habe, kann ich aufbauen. Jetzt gilt es hart zu trainieren und auf den Stand zu kommen, um Olympia in Sotschi zu erreichen.

SPORT1: Und die Namen der Konkurrenz lernen Sie auch bis dahin?

Madja: Bis dahin schon, ja (lacht).

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