Axel Teichmann wurde fast auf den Tag genau vor 10 Jahren Weltmeister © getty

Axel Teichmann setzt seine Hoffnungen auf die Strecke, auf der er vor zehn Jahren den Titel holte. Das Wetter sollte passen.

Cavalese - In banger Erwartung schaut Axel Teichmann morgens aus dem Fenster seines Hotelzimmers in Tesero:

"Ich hoffe auf das typische Val-di-Fiemme-Wetter. Ob's warm wird, ist mir egal - Hauptsache kein Schnee", sagt der 33-Jährige vor der Skilanglauf-Entscheidung über 15 km Freistil bei der WM in Val di Fiemme am Mittwoch (ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Ein ähnlicher Sensationscoup wie fast auf den Tag genau zehn Jahre zuvor an gleicher Stelle ist allerdings kaum zu erwarten.

"An die WM 2003 hier habe ich verständlicherweise sehr gute Erinnerungen", sagt Teichmann, der damals ebenfalls über 15 km, allerdings im klassischen Stil, zum WM-Titel stürmte.

Teichmann redet nicht von Medaille

Es war das erste deutsche Gold seit dem Erfolg des Oberhofers Gerhard Grimmer 1974 in Falun. "Es wäre aber vermessen, jetzt von einer Medaille zu reden", sagt Teichmann.

Die laufenden Titelkämpfe sind bislang noch keine Festspiele für den Edeltechniker aus Bad Lobenstein. Viertelfinal-Aus im Sprint, ein frustrierender neunter Platz mit Tim Tscharnke im Teamsprint, dazu plagte sich der sensible Teichmann mit ungeliebten Bedingungen:

"Soviel Neuschnee wie in den vergangenen Tagen habe ich hier noch nie gesehen, das ist unglaublich", sagt der frühere Gesamtweltcupsieger.

Beste Bedingungen und Sonne

Am Mittwoch könnte nun alles passen: Die Vorhersagen kündigen beste Bedingungen und Sonne an, das Material "läuft sehr gut", zudem liegt Teichmann der Wettkampfmodus.

Die 15 km sind in Val di Fiemme das einzige Distanzrennen, das nicht im Massenstart, sondern im Kampf gegen die Uhr ausgetragen wird. Und da kann Teichmann das machen, was ihm am besten liegt: Sich auf das eigene Rennen konzentrieren, sein eigenes Ding durchziehen - die Gefahr, dass ihm Gegner über die Ski fahren wie im Teamsprint, ist gering.

Bei der Generalprobe in Davos zeigte Teichmann über eben jene Distanz in jenem Modus, was möglich sein kann: Als Vierter lag er nur 1,2 Sekunden hinter einem Podestplatz zurück. "Das gab Selbstvertrauen", sagte Teichmann. Selbstvertrauen, dass auch der unglückliche Auftritt im Teamsprint nicht angekratzt hat.

"Jetzt erst recht"

"Wir müssen nun eben denken: Jetzt erst recht", fordert Bundestrainer Frank Ullrich, der zumindest mit einem Achtungserfolg wie bei Tobias Angerer im Skiathlon (Rang neun) liebäugelt:

"Top-10-Platzierungen sind hier durchaus möglich. Um gegen die ganz starken Nationen im Kampf um eine Medaille zu bestehen, muss aber wirklich alles passen - da müssen wir ehrlich sein."

Wobei: Auch an jenem 21. Februar 2003 ging Teichmann am Lago di Tesero als Außenseiter ins Rennen und holte "den größten Erfolg in der Geschichte des deutschen Skilanglaufs", wie der damalige Bundestrainer Jochen Behle hernach jubelte.

Die Bedingungen an jenem Freitagmittag vor zehn Jahren: Strahlender Sonnenschein, Windstille, eisige Spur - echtes Val-di-Fiemme-Wetter eben.

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