Wellingers Sturz in Bischofshofen steht symbolisch für sein derzeitiges Tief © getty

Der Shootingstar erlebt sein erstes Tief und darf bei der WM nur zuschauen. Für den Umgang mit dem Durchhänger wird er gelobt.

Predazzo - Zwei Wochen im Hotel Villa di Bosco in Tesero kosten den Normalbürger etwa 2000 Euro.

Skispringer Andreas Wellinger bekommt den Aufenthalt immerhin kostenlos: Der 17 Jahre alte Senkrechtstarter der Saison erlebt die WM in Val di Fiemme derzeit nur als Tourist.

"Ich verbringe viel Zeit im Kraftraum, freue mich mit den anderen. So ist es halt. Es war von vornherein klar, dass einer von uns Fünfen zuschauen muss", sagt der Schüler aus Ruhpolding, der am Montag ohne Einsatz wieder nach Hause fahren wird.

Führung beim Debüt

Dabei hatte der WM-Winter für Wellinger geradezu märchenhaft begonnen. Beim Auftakt in Lillehammer, seinem Weltcup-Debüt, führte der bis dahin völlig unbekannte Deutsche nach dem ersten Durchgang sensationell.

Am Ende wurde er Fünfter, drei Wochen später flog er in Engelberg auf Rang zwei. "Es ist in diesem Winter extrem schnell nach oben gegangen. Davon bin ich nie ausgegangen", sagte Wellinger in Predazzo.

Doch dann ließ die Form stetig nach. "Ich weiß selber nicht genau, woran es liegt. Es fällt mir nicht mehr so leicht wie noch vor ein paar Wochen. Es sind Kleinigkeiten, die dann oft viel ausmachen", so Wellinger.

Keine Medaille bei den Junioren

Schon bei der Vierschanzentournee lief es nicht mehr rund, bei der folgenden Junioren-WM verpasste er die erhofften Medaillen. Zur WM der "Großen" nahm ihn Bundestrainer Werner Schuster dennoch mit, schon das war ein Erfolg.

In Italien darf Schuster pro Wettkampf nur vier Springer nominieren, Wellinger ist die Nummer fünf. Hinter Severin Freund und Richard Freitag, das war klar. Aber auch hinter Michael Neumayer und Andreas Wank.

Respekt vom Bundestrainer

Seinem jungen Schützling zollt Schuster dennoch Respekt: "Der junge Mann verhält sich hier wirklich toll. Es war zu erwarten, dass bei Andreas auch mal Schwankungen reinkommen. Er ist ein junger Springer, der extrem vom Selbstvertrauen, von der Unbeschwertheit lebt", sagt Schuster.

Wellinger nutzt die Zeit und schnuppert ein wenig WM-Luft. Die Titelkämpfe seien "auf jeden Fall ein Erlebnis", sagt der Shootingstar, der erst vor zwei Jahren von den Kombinierern zu den Spezialspringern gewechselt war.

Genau darin sieht Schuster auch einen Grund für die zuletzt fehlende Form. Wellinger sei Wettkämpfe "von Ende November bis Ende März auf hohem Niveau" noch nicht gewohnt, so der Trainer.

"Er ist klar im Kopf"

Wellingers Zukunft sieht Schuster dann auch positiv. Der 17-Jährige hebe sich "von einem Durchschnitts-Jungen" ab, sagt der Österreicher: "Er ist sehr klar im Kopf. Auch wenn er mal schlecht springt, ist er ausgeglichen, gut sortiert. Man kann mit ihm immer gut arbeiten. Das gibt mir die Hoffnung für die Zukunft, dass man mit ihm wieder schnell was aufbauen kann."

Zumindest bei der WM wird Wellinger sein Können aber nicht mehr zeigen. Schon am Mittwoch in der Qualifikation für das Springen von der Großschanze muss er wieder zuschauen, gleiches gilt für den Teamwettbewerb am Samstag.

"Die anderen Vier waren halt besser. Ich freue mich für sie und hoffe, dass sie eine Medaille holen", sagt Wellinger, der an den kommenden Tagen wohl wieder häufiger den Kraftraum besuchen wird: "Da geht die Zeit schon rum."

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