Miriam Gössner debütierte im Skilanglauf-Weltcup am 7. März 2009 © getty

Möchtegern-Hexe Gössner soll die DSV-Läufer vor einer medaillenlosen WM retten. Ihre Gedanken sind schon beim Biathlon.

Aus Val di Fiemme berichtet Lars Becker

Val di Fiemme - Die kleine Hexe Bibi Blocksberg wäre sie gern einmal, sagte Miriam Gössner in einem Interview.

"Weil sie hexen kann und auf dem Besen fliegen", lautete die Begründung.

So eine können sie im deutschen Langlauf-Team bei der WM nach den Enttäuschungen der letzten Tage (News) gut gebrauchen.

Zweimal schon - bei der WM 2009 und den Olympischen Spielen 2010 - flog Bibi Gössner schon über die Strecke und zauberte Staffel-Silber her.

Wenn es im 4x5-km-Rennen ein drittes Mal klappen sollte, wird sie allerdings die abendliche Siegerehrung in jedem Fall verpassen.

Gleich nach ihrem zweiten Auftritt nach dem Einzel am Dienstag (ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER) geht es nämlich mit dem Auto nach München und von dort mit dem Flieger nach Oslo.

"Ganz klar: Ich bin Biathletin"

Am Freitag steht dort das Sprintrennen beim Biathlon-Weltcup an und da will Gössner unbedingt dabeisein.

"Ganz klar: Ich bin Biathletin", betonte die 22-Jährige in Italien noch einmal: "Wenn es nicht möglich gewesen wäre, Staffel und Biathlon-Weltcup zu vereinbaren, hätte ich auf die WM verzichtet."

Kampfansage für Biathlon-Konkurrenz

Rumms. Wer vielleicht gedacht hat, dass sich Gössner nach der für sie so enttäuschenden Biathlon-WM von Nove Mesto die Frage stellte, sprichwörtlich die Flinte ins Korn zu werfen und künftig den leichteren Weg als Langläuferin zu gehen, liegt gründlich daneben.

Die hübsche Blondine visiert stattdessen Platz zwei im Biathlon-Gesamtweltcup an und will in den restlichen Weltcup-Rennen mit dem Gewehr "ganz vorn mitmischen".

Der definitiv schießfehlerfreie Ausflug zu den Langläufern soll nach den insgesamt 28 Fahrkarten von Tschechien dabei helfen, "den Kopf frei zu bekommen" und die Biathlon-Titelkämpfe zu vergessen.

Ohne Gössner keine Medaille

Das Projekt scheint jetzt schon gelungen, denn Gössner fühlt sich bei den Spezialisten sichtlich wohl.

"Das Team ist toll, und ich freue mich wahnsinnig, dass ich wieder dabei sein darf", sagte sie mit einem Lächeln.

Noch heute stuft sie den Silbergewinn bei der WM 2009 in Liberec als eines ihrer größten Erlebnisse als Sportlerin ein. Dabei ist sie im Biathlon immerhin zweimal Staffel-Weltmeisterin.

Umgekehrt scheint es bei den deutschen Langläuferinnen ohne Gössner in Sachen Podest nicht mehr viel zu gehen. 2011, als die Biathletin in Oslo nicht dabei war, verpasste das Quartett die eingeplante Staffel-Medaille.

"Miriam skatet schon bombastisch"

Da ist also nun wieder zusammengekommen, was zu Höhepunkten offenbar zusammengehört.

"Miriam skatet schon bombastisch", sagte Bundestrainer Frank Ullrich anerkennend.

Und auch die Kolleginnen im deutschen Langlauf-Team haben die Frohnatur mit offenen Armen empfangen. Gössner, die in diesem Winter schon drei Einzel-Weltcupsiege mit Gewehr geholt hat, bringt klare Zielvorstellungen in eine erfolgsentwöhnte Mannschaft.

Während die anderen Sparten des deutschen WM-Teams durch Björn Kircheisen (Kombination) und das Mixed-Team (Sklispringen) mit Bronze je schon eine Medaille geholt haben, drohen die Langläufer erstmals seit 1997 leer auszugehen.

Keine genaue Zielvorgabe

Aber jetzt kommt ja Bibi Gössner, die mit Edelmetall im Langlauf die frustrierende Biathlon-WM vergessen will.

"In der Staffel haben wir ganz gute Chancen auf eine Medaille", sagt sie optimistisch. Damit es Donnerstag mit dem Zauberkunststück auch klappt, probt sie am Dienstag schon mal im 10-km-Einzelrennen.

Allerdings ohne klare Zielvorgabe: "Ich messe mich mit den besten Langläuferinnen der Welt. Das ist die Bedeutung für mich."

Große Freude bei allen Beteligten

Ihren hier und da nicht ganz unumstrittenen Start im Fleimstal eingefädelt hat, wie schon bei den letzten beiden Malen, Sportdirektor Thomas Pfüller.

"Miriam wäre ganz sicher nicht nach Val di Fiemme gefahren, wenn sie und wir nicht davon überzeugt wären, dass sie die Mannschaft verstärken kann. Sie hat sich unglaublich auf diese WM gefreut und auch das Damen-Team freut sich, dass Miriam nach 2009 und 2010 wieder mit dabei ist", erklärte Pfüller bei SPORT1 (EXKLUSIV: Thomas Pfüller im SPORT1-Interview).

Gössner als Werbeträgerin

Pfüller lässt aber gleichzeitig auch keinerlei Diskussionen über Gössners Rolle als Biathletin zu.

Schließlich ist die Kombination aus Laufen und Schießen in Sachen TV-Quoten und Image längst die wichtigste Sportart für den Verband geworden. Und die erfolgreiche Sympathieträgerin Gössner ist trotz aller Schießprobleme dort die mit Abstand wichtigste Werbeträgerin.

Die jetzt mal eben ein Guiness-Buch-verdächtiges Zauberkunststück ganz ohne Besen plant: Binnen 27 Stunden in zwei gut 1700 Kilometer voneinander entfernten Orten in zwei verschiedenen Sportarten auf dem Podest zu stehen.

Bibi Blocksberg lässt grüßen.

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