Eric Frenzel holte 2011 in Oslo Einzel-Gold im Normalschanzen-Wettbewerb © getty

Erstmals seit 2001 gehen die Deutschen bei der WM leer aus. Das Chaos-Springen wirft sie zurück. Edelmann greift die Jury an.

Cavalese - Tino Edelmann übergab sich noch im Zielraum und schimpfte danach wie ein Rohrspatz, dem erschöpften Eric Frenzel stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben:

Nach einem völlig verkorksten WM-Tag waren die deutschen Kombinierer nicht nur körperlich am Ende, sondern auch stinksauer.

"Wir arbeiten wie die Blöden, machen alles, um vorne dabei zu sein. Und dann wird es uns einfach genommen. Da fühlt man sich machtlos, das tut richtig weh", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch nach dem enttäuschenden sechsten Platz in der Staffel, dem ein Chaos-Springen vorausgegangen war.

"Das war völlig irregulär"

"Das war völlig irregulär und hat uns heute gefressen. Ich spüre Frust und Wut. Der Jury muss man vorwerfen, dass sie ihren Job nicht ordentlich gemacht hat", sagte Edelmann über das Springen am Morgen, das ein besseres Resultat des favorisierten DSV-Teams verhinderte.

Erstmals seit 2001 ging eine DSV-Staffel bei einer WM leer aus, Gold holte sich Frankreich um Einzel-Weltmeister Jason Lamy-Chappuis vor Norwegen und den USA.

"Haben kein Leistungsdefizit"

Das Unheil hatte schon in der Früh seinen Lauf genommen.

Nach vier zum Teil irregulären Durchgängen war Edelmann erbost auf Renndirektor Lasse Ottesen zugegangen, später entschuldigte er sich dafür bei dem ehemaligen Weltklassespringer.

Am schlechten Abschneiden und dem Ärger im deutschen Team änderte das aber nichts.

"Das ist hart. Wir kommen mit so hohen Leistungen hierher. Wir haben sicher kein Leistungsdefizit, wir können uns nichts vorwerfen", sagte Frenzel.

Kircheisen fordert Fingerspitzengefühl

Wechselnder Wind hatte von Beginn an für ein Durcheinander gesorgt, neu gestartet wurde aber nur die dritte Gruppe.

"Für das Wetter kann keiner was, das ist klar. Aber ich verstehe nicht, warum die ersten beiden Gruppen nicht neu springen durften. Auch Björn Kircheisen und Fabian Rießle hatten schlechte Bedingungen", sagte Edelmann und kritisierte die Planung: "Man sollte sich vorher Gedanken machen. Für diesen Wettkampf gibt es keinen Ausweichtermin, und das ist schade."

Auch Kircheisen vermisste bei der Jury "Fingerspitzengefühl. Das wäre bei einer WM nicht zu viel verlangt."

Schlechteste Bedingungen bei DSV-Startern

Der Norweger Ottesen verteidigte die Entscheidung der Jury.

"Bei den ersten beiden Gruppen war es schwer, aber es ist gegangen. Draußen gibt es eben Schnee und Wind. Wir haben alles probiert, um einen fairen Wettkampf zu machen", sagte Ottesen. Das sah die deutsche Mannschaft freilich ein wenig anders.

"Wir hatten mit Abstand den schlechtesten Wind von allen Nationen. Wir haben das extra ausgerechnet", sagte Weinbuch.

Frenzel verausgabt sich völlig

In der Loipe war so nichts mehr zu holen.

Startläufer Kircheisen und Edelmann versuchten von Beginn an vergeblich, eine fünfköpfige Spitzengruppe einzuholen. Zwar schmolz der Rückstand von zunächst 1:14 Minuten langsam, doch das reichte nicht.

"Ich habe mich so verausgabt, dass ich mich gleich nach dem Rennen übergeben habe, daher war das schon okay", sagte der zwei Tage zuvor als Einzel-Weltmeister entthronte Frenzel: "Die Enttäuschung ist riesig. Die Erwartungen, eine Medaille zu holen, waren schon groß."

Letztes Gold noch mit Weinbuch

Gold für Frankreich sicherte Olympiasieger Lamy-Chappuis, der wie schon im Einzel einen überragenden Schlussspurt zeigte und 0,4 Sekunden vor Norwegens Schlussläufer Magnus Moan ins Ziel kam.

Weltmeister nennen dürfen sich zudem Francois Braud, Maxime Laheurte und Sebastien Lacroix.

Die DSV-Mannschaft hatte bei Weltmeisterschaften zuletzt sechsmal in Folge die Silbermedaille geholt und war zuletzt 2001 im finnischen Lahti ohne Edelmetall geblieben.

Den letzten Titel gab es 1987 bei der Heim-WM in Oberstdorf, damals gehörte der heutige Bundestrainer Hermann Weinbuch noch zu den Aktiven.

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