Dario Cologna gewann 2009 als erster Schweizer den Gesamtweltcup © getty

Der Schweizer gewinnt den WM-Skiathlon und durchbricht die skandinavische Dominanz. Angerers Kraftakt bleibt unbelohnt.

Cavalese - Tobias Angerer biss, rackerte und kämpfte, doch am Ende reichte es für den Skilanglauf-Routinier statt der erträumten WM-Medaille nur zu einem Achtungserfolg.

Der 35 Jahre alte Vachendorfer musste sich beim Skiathlon-Triumph des Schweizers Dario Cologna trotz eines ganz starken Rennens mit Platz neun begnügen.

Zuvor waren die deutschen Frauen beim zehnten Titelgewinn von Norwegens Ausnahmeläuferin Marit Björgen chancenlos geblieben.

"War mehr drin"

"Die Top 10 waren das Ziel, letztlich war aber mehr drin", sagte Altmeister Angerer, nachdem er auf dem 3,4 km langen Kurs in Lago di Tesero lange das Geschehen mitbestimmt hatte und erst dem finalen Antritt des von lauten Kuhglocken der Fans angetriebenen Cologna zum Opfer gefallen war.

"Ich habe mich in Positionskämpfen dumm angestellt, das muss ich selbstkritisch sagen", sagte Angerer, den letztlich 12,4 Sekunden von Cologna und 10,4 von einer Medaille trennten.

Bundestrainer Ulrich zufrieden

Bundestrainer Frank Ullrich war dennoch mit seinem Routinier zufrieden: "Top 10 ist ein gutes Ergebnis. Tobi war zum Schluss ein wenig eingeklemmt, da hat das Quäntchen gefehlt."

Einen starken Auftritt legte bei seiner zweiten WM auch Hannes Dotzler hin, der zur Halbzeit als Zweiter die Skier wechselte und letztlich mit nur 33,2 Sekunden Rückstand auf den Schweizer Sieger Platz 24 belegte.

Jens Filbrich und Andy Kühne landeten auf den Plätzen 34 und 47. "Ich habe am Anfang zweimal meinen Stockteller verloren und musste mit einem zehn Zentimeter längeren Stock laufen", sagte Filbrich.

DSV-Frauen abgeschlagen

Im Frauen-Rennen hatte sich zuvor Nicole Fessel als beste Deutsche mit Rang 22 begnügen müssen. "Ich bin natürlich nicht zufrieden, hatte mir hier mehr erhofft. Nach der ersten Runde bin ich blau gegangen und habe mich irgendwie ins Ziel gerettet", sagte Fessel, immerhin WM-Siebte von Olso 2011.

Kathrin Zeller, die 25. wurde, erlebte Ähnliches: "In Runde eins habe ich mitgehalten, dann kam die Blaumeise." Sandra Ringwald kam als dritte Deutsche auf Platz 51.

Björgen stand bei ihrem bereits zehnten WM-Titel an der Spitze eines norwegischen Vierfach-Triumphs.

Exot Madja scheidet aus

Hinter der 32-Jährigen Ausnahmeathletin holten Therese Johaug (3,4 Sekunden zurück) und Heidi Weng (+14,9) Silber und Bronze, die polnische Mitfavoritin Justyna Kowalczyk wurde hinter Kristin Steira Störmer nur Fünfte.

Den totalen Triumph des Team Norge verhinderte danach Gesamtweltcupsieger Cologna, der nach einer bravourösen Attacke in der entscheidenden Phase letztlich vor drei Norwegern landete und sein erstes WM-Gold holte.

Martin Sundby (+1,8) und Sjur Roethe (+2, 0) sicherten sich Silber und Bronze, Titelverteidiger Petter Northug (Norwegen) wurde Vierter, Schwedens Olympiasieger Marcus Hellner landete nur auf Platz acht.

Der für Togo startende Münchner Gervacio "Jayjay" Madja kam keine 3000 Meter weit, ehe er überrundet wurde und ausschied.

Björgen nähert sich Rekord

Das Damenrennen hatte das Team Norge zuvor vor den Augen von Ministerpräsident Jens Stoltenberg nach Belieben bestimmt.

Fessel begann zwar couragiert und lief die ersten zwei Kilometer in der Spitzengruppe, musste dann aber schnell abreißen lassen

Björgen, die in diesem Winter wegen Herzrhythmusstörungen mehrere Wochen pausieren musste, liegt in der "ewigen" WM-Bestenliste der Langläuferinnen nur noch einen Titel hinter der Russin Larissa Lasutina.

Die führende Jelena Wälbe (14 Titel), ebenfalls aus Russland, könnte Björgen erst bei der WM 2015 in Falun/Schweden erreichen.

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