Severin Freund gewann bei der WM 2011 in Oslo Bronze mit der Mannschaft © getty

Der beste Deutsche im Weltcup geht selbstbewusst in die WM und will auch im Team "mitnehmen, was wir kriegen können".

Von Lars Becker

Predazzo - Zu Beginn des Winters eroberte Severin Freund nach zwei Einzelsiegen das Gelbe Trikot des Gesamtweltcup-Spitzenreiters.

Nach einem kleinen Leistungstief ist er nun pünktlich zur WM (ab Do. täglich im LIVE-TICKER) wieder auf dem Weg nach oben.

Bei der ersten Entscheidung am Samstag auf der kleinen Schanze gilt er genau wie Oberstdorf-Sieger Richard Freitag als Medaillenkandidat. (DATENCENTER: Skispringen Weltmeisterschaft)

Im Interview mit SPORT1 spricht der 24-Jährige aus Rastbüchl über die Schanzen im Fleimstal, seine WM-Ziele und den nicht nominierten Martin Schmitt.

SPORT1: Am Anfang der Saison waren Sie als Siegspringer Spitzenreiter im Gesamtweltcup. Mit welchen Zielen gehen Sie in die WM in Predazzo?

Severin Freund: Ich bin überzeugt, dass die Einzelmedaille drin ist. Es muss allerdings ein Tag sein, wo wirklich alles zusammenpasst. Was das Team betrifft, wollen wir natürlich aufs Podest. Aber wir müssen alle unsere beste Leistung zeigen, um was zu reißen. Das ist verdammt eng da ganz vorn.

SPORT1: Bis zum Sieg von Richard Freitag in Oberstdorf ist ja die gesamte deutsche Flieger-Mannschaft wie Sie durch ein Tal gegangen...

Freund: Wenn man die Leistung von Sotschi mit 265 Weltcup-Punkten für alle zusammen als Maßstab nimmt, stimmt das. Aber solche Leistungen sind außergewöhnlich. Die anderen Nationen haben aufgeholt. Aber eins ist sicher: Verlernt haben wir es sicher nicht.

SPORT1: Das hat ja auch der Sieg von Richard Freitag in Oberstdorf bewiesen...

Freund: Das hat uns als Mannschaft auf alle Fälle noch einmal einen Schub gegeben. Das letzte Podest war ja ein bisschen her. In jedem Fall ist das ein gutes Zeichen. Wir gehen mit dem Gefühl da rein, dass wir was leisten können.

SPORT1: Zumal Ihnen ja die WM-Schanzen in Predazzo liegen und Sie dort mit Richard Freitag vor kurzem noch einmal extra trainiert haben...

Freund: Man hat zwar wegen des zur Wettkampfzeit am Abend meist wehenden Rückenwindes nicht so das Gefühl, dass man vom Hang wegfliegt, aber die kleine Schanze mag ich schon sehr gern. Und auf der großen war ich im letzten Winter Zweiter. So schlecht taugt sie mir also auch nicht.

SPORT1: Spielt speziell Ihnen und Richard Freitag der Rückenwind wegen ihrer Absprungstärke nicht in die Karten?

Freund: Sicher wären das für uns nicht die schlechtesten Bedingungen. Es gehört aber immer Glück dazu und man muss eine Topleistung abrufen - nur dann kann es funktionieren.

SPORT1: Hätten Sie nach ihrem Bandscheibenvorfall im Frühjahr vergangenen Jahres, der Operation und der monatelangen Zwangspause jemals damit gerechnet, so aussichtsreich zum Saisonhöhepunkt zu fahren?

SPORT1: Ich bin mit der Saison in jedem Fall zufrieden, auch wenn noch nicht alles aufgegangen ist. Wenn mir am Tag vor der OP jemand diese Ergebnisse vorausgesagt hätte, hätte ich sofort unterschrieben. Und die WM steht ja noch bevor.

SPORT1: Sie waren jetzt nach dem Skifliegen in Oberstdorf noch einmal für ein paar Tage daheim. Zeit zum Auftanken?

Freund: Es ist wichtig, vor so einem Höhepunkt noch einmal runterzukommen. So eine WM ist sehr lang, da braucht man Kraft und Nervenstärke.

SPORT1: Ist es ein komisches Gefühl, dass im deutschen WM-Team Routinier Martin Schmitt fehlt?

Freund: Ganz neu ist das Gefühl ja nicht, weil er bei der letzten Skiflug-WM ja auch nicht dabei war. Ich denke, seiner Motivation tut es kleinen Abbruch. Ein Martin Schmitt in guter Form hilft jeder Mannschaft weiter. Diesmal hat er sich sportlich halt nicht qualifiziert.

SPORT1: Wie sehen Sie eigentlich die WM-Premiere des Mixed-Wetttbewerbes am Sonntag?

Freund: Das ist eine schöne Sache und eine weitere Medaillenchance. Wir versuchen mitzunehmen, was wir kriegen können.

Weiterlesen