Tino Edelmann holte bei Olympia 2010 in Vancouver Bronze mit dem Team © getty

Deutschlands Top-Kombinierer plagen kurz vor der WM die Folgen einer Grippe. Der Einzel-Wettbewerb kommt womöglich zu früh.

Cavalese - Trotz der prallen Sonne von Cavalese sieht Tino Edelmann immer noch ein wenig blass um die Nasenspitze aus.

"Richtig gesund bin ich noch nicht, die Grippe hatte mich richtig erwischt", sagt das Sorgenkind unter den deutschen Kombinierern vor dem WM-Auftakt der Schnee-Zweikämpfer am Freitag (ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) in Val di Fiemme:

"Eine Woche lang konnte ich gar nicht trainieren - es ist echt ärgerlich, kurz vor dem Höhepunkt so ausgebremst zu werden." (DATENCENTER: WM Nordische Kombination)

Kurz vor dem Wettkampf von der Normalschanze am Freitag waren Edelmann die Auswirkungen der Virusinfektion immer noch deutlich anzumerken.

Von Normalform weit entfernt

"Wir haben einen intensiven Test im Ausdauerbereich gemacht, und da war er doch noch weit von seiner Normalform entfernt. Er ist nicht mehr krank, aber immer noch sehr geschwächt", sagte Hermann Weinbuch am Mittwoch.

Der Bundestrainer hatte zuvor sogar in Erwägung gezogen, Edelmann für die erste WM-Woche komplett aus dem Wettkampf zu nehmen:

"Wir waren aber der Meinung, dass er sich die Starts durch seine Vorleistungen verdient hat."

Edelmann ausgebremst

Ausgebremst wurde Edelmann aus voller Fahrt.

Der 27-Jährige war hinter Seriensieger und Teamkollege Eric Frenzel der bestimmende Athlet nach dem Jahreswechsel, hatte nach schwachem Saisonstart endlich seine Form gefunden:

"Ich habe das ganze Jahr über viel getüftelt und an mir selbst gearbeitet, es waren viele Bausteine", sagt Edelmann.

Nun regiert Skepsis

Die passten im Januar endlich zusammen:

Edelmann siegte in Chaux-Neuve, belegte zweimal Platz zwei, war je einmal Dritter und Vierter, ehe ihn bei der WM-Generalprobe Anfang Februar in Sotschi die Influenza fast völlig lahm legte - im abschließenden Trainingslager in Oberstdorf konnte Edelmann zwar auf die Schanze, aber keinen einzigen Trainingsmeter auf Skiern zurücklegen.

Statt WM-Euphorie regiert nun Skepsis: "Es ist schwer zu sagen, was hier für mich drin sein wird."

Einzel-Wettbewerb zu früh?

Der Einzel-Wettbewerb von der Normalschanze könnte für Edelmann noch zu früh kommen, um auf der Höhe zu sein. Nicht wegen des Springens:

"Das klappt sehr gut, da habe ich keine Bedenken", sagte Weinbuch am Mittwoch. Ob die Fitness aber schon wieder für 10 Kilometer Vollgas in der Loipe reicht, ist fraglich.

Zwei Tage später steht in Val di Fiemme die Staffelentscheidung an.

"Mannschaft sehr kompakt"

Der deutsche Vierer ist nach den Vorleistungen Topfavorit auf Gold, Edelmann fest eingeplant. Weinbuch sagt zwar: "Die Mannschaft ist sehr kompakt geworden. Von den sechs WM-Teilnehmern standen fünf in dieser Saison bereits auf dem Podest."

Doch auch der Bundestrainer weiß: Die Form des erfahrenen Edelmann, der seine fünfte WM bestreitet und nach sechsmal Silber endlich den Titel will, dürfte über Gold oder Nicht-Gold mitentscheiden.

Dem sonst so umtriebigen Edelmann bleibt unter der Sonne des Val di Fiemme (Fleimstal) somit nur das geduldige Warten:

"Ich kann mich nur voll auf die WM konzentrieren und hoffen, dass es gesundheitlich von Tag zu Tag bergauf geht."

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