Hans Knauß zieht in seiner SPORT1-Gastkolumne ein positives WM-Fazit. Er nennt den Grund für die Schwäche der Gastgeber.

Liebe Ski-Fans,

Die Ski-WM bei uns in Schladming ist vorüber, für mich persönlich war es stressig, da ich sowohl beim ORF als auch bei vielen offiziellen Terminen eingespannt war.

Es war aber ein schöner Stress, die zwei Wochen sind vergangen wie im Flug.

Aus Veranstaltersicht waren die Weltmeisterschaften ganz klar ein Erfolg.

Der Start mit dem Verschiebungsmarathon beim Super-G der Damen und dem schlimmen Sturz von Superstar Lindsey Vonn war alles andere als gut.

Umso schöner, dass danach alles perfekt funktioniert hat.

Erfreulich war, dass der Zuschaueransturm auch während der Woche groß war. Und der Abschluss am Sonntag mit einer sensationellen Stimmung und einer Goldmedaille für Österreich war einfach ein Traum.

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Marcel Hirscher hat unsere sportliche Bilanz gerettet, dennoch ist klar zu sehen, dass wir die Übermacht im Skisport abgegeben haben.

Wir sind noch gut, aber nicht mehr sehr gut.

Bei der Ursachenforschung muss man weiter zurückgehen, zum Ende der großen Zeit um Hermann Maier.

Da sind die finanziellen Mittel verstärkt in den Spitzensportbereich geflossen, aber eher weniger in den Nachwuchs und die Landeskader.

Das macht sich jetzt bemerkbar.

Die deutschen Ski-Fans können da zufriedener sein - vor allem mit Maria Höfl-Riesch.

Man hat bei ihr gemerkt, dass sie mit einer richtigen Freude an die Sache herangegangen ist. Der Druck von Garmisch 2011 war weg, sie ist befreit aufgetreten und hat Beeindruckendes geleistet.

Bei den Frauen war sie der Star der WM.

Als negative Erscheinung möchte ich keinen Sportler nennen, sondern die Art und Weise, wie das Abfahrtstraining der Herren durchgeführt wurde.

Nur eineinhalb richtige Trainingseinheiten auf einer Strecke, die keiner kennt: Das ist nicht in Ordnung!

Das Niveau der Abfahrtsrennen war dennoch extrem hoch - trotz anderslautender Befürchtungen im Vorfeld.

Der Skiclub Schladming hat sich viel Mühe gegeben und mit künstlichen Wellen und Vereisungen eine interessante und kräfteraubende Abfahrt auf die Beine gestellt.

Es hat Spaß gemacht zuzuschauen.

Bis demnächst bei uns in Schladming,

Euer Hans Knauß

Hans Knauß ist gebürtiger Schladminger und fuhr einst in einem Team mit Hermann Maier. Der 42-Jährige gewann in seiner Karriere insgesamt drei Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.Heute ist er unter anderem als Kamerafahrer fürs Österreichische Fernsehen im Einsatz.

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