Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther sorgen für eine erfolgreiche deutsche WM. Der Präsident spottet über den "Besserwasi".

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Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Wolfgang Maier fühlte sich leicht wie ein Vogel.

"Ich könnte jetzt einfach davonfliegen!", sagte der DSV-Sportdirektor nach dem letzten WM-Rennen in Schladming.

Soeben hatte Felix Neureuther dem DSV die vierte Medaille bei diesen Titelkämpfen beschert. Vier Mal Edelmetall hatten deutsche Skifahrer zuletzt vor 16 Jahren gewonnen.

Die Verbandsvorgabe von drei Medaillen wurde damit sogar übererfüllt. Schon am Samstagabend hatte Maier von einer "sehr ordentlichen WM" gesprochen.

Präsident Alfons Hörmann ordnete die Leistungen von Schladming als "mutmachende Fortsetzung der Alpin-Strategie" ein.

Maier musste aber auch zugeben, dass die WM einige Schwächen im deutschen Team aufgedeckt hat ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ).

SPORT1 zieht Bilanz:

Gewinner:

Maria Höfl-Riesch

Mit Gold in der Super-Kombi und Bronze in der Abfahrt bewies die Doppel-Olympiasiegerin einmal mehr ihre Stellung als deutsches Aushängeschild.

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Logischerweise kassierte sie von Hörmann ein dickes Lob: "Maria Höfl-Riesch hat punktgenau gezeigt, dass sie einer der Topstars des alpinen Sports ist."

Der DSV-Boss wollte sich den Genuss nicht verkneifen, nochmal in Richtung Markus Wasmeier nachzutreten.

"Sie hat damit ihre vielen Kritiker, sogenannten Experten und Besserwisser widerlegt", spottete er über den Doppel-Olympiasieger. Der hatte kurz vor der WM gemutmaßt, Höfl-Riesch werde in Schladming keine Rolle spielen.

Felix Neureuther

Der Partenkirchener setzte endlich sein vorhandenes Talent bei einem Großereignis auch in Leistung um. Er bescherte dem DSV die erste deutsche Herren-Medaille seit zwölf Jahren. (NACHBERICHT: Neureuthers silbernes Meisterstück)

Die Herren waren jahrelang das Schattengewächs im deutschen Team und standen von den Erfolgen her klar hinter den Damen zurück.

"Man muss mal schauen, woher wir kommen", betonte Maier die Wichtigkeit dieses Erfolgs.

Die großen Enttäuschungen:

"Teilweise hat es mir die Sonnenbrille sehr tief ins Gesicht gedrückt", weist Maier auf unerwartete Negativüberraschungen hin.

Da sind zu nennen:

Das Herren-Speed-Team

Die deutschen Abfahrer bleiben der "Schattenbereich" innerhalb des Alpin-Teams, wie es Maier nennt.

Durch Verletzungen dezimierte sich die Speed-Gruppe so weit selbst, dass in der Abfahrt nur noch ein Deutscher am Start stand. Und Stephan Keppler enttäuschte dann auf ganzer Linie.

"Er hat das Vertrauen nicht gerechtfertigt", kritisierte Maier knallhart.

Der Alpindirektor hatte selbst darauf gedrängt, Keppler mit zur WM zu nehmen, obwohl dieser die Quali-Norm nicht erfüllt hatte. Vergebliche Liebesmüh.

Lena Dürr

Die 21-Jährige hatte mit ihrem Sieg im Parallelslalom von Moskau kurz vor der WM große Erwartungen geweckt - und nichts davon gehalten.

Maier zeigte sich von ihren fünf Sekunden Rückstand im Riesenslalom "schockiert" und fand ihre Leistungen "teilweise beängstigend".

Dennoch hat er nach wie vor Vertrauen in das große Talent: "Generell ist es eine Athletin, von der ich sehr viel halte."

Die Lehren:

Eine bittere Erfahrung war die WM auch für Viktoria Rebensburg.

Als heiße Medaillenkandidatin im Riesenslalom angereist, raubte ihr ein Trainingssturz mit daraus resultierendem Rippenbruch jegliche Erfolgschance.

"Da zeigt sich, dass du keine Chance hast, wenn du nicht absolut in Topform bist", resümierte Maier.

Fritz Dopfer schöpfte sein Potential nicht vollends aus, auch wenn zwei siebte Plätze nicht schlecht sind. Nach dem Slalom weinte er dennoch Tränen der Enttäuschung, Freundin Dürr musste ihn trösten (DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM).

"Wir müssen schauen, dass wir wirklich komplett alles abrufen, der Fritz hat das letzte Risiko gescheut", sagte Maier in Dopfers Richtung.

Die Konsequenzen:

Auf die Abfahrtsmisere hat der DSV bereits reagiert. Hörmann versprach Maier öffentlich 100.000 Euro zur finanziellen Unterstützung

Dieses Geld ist unter anderem nötig, um auch im Sommer ein ordentliches Abfahrtstraining durchzuführen. Dies ist nur in Südamerika möglich, was mit hohem finanziellen Aufwand verbunden ist.

Die notwendigen leistungsfördernden Investitionen werden ohnehin allgemein steigen, befürchtet Maier.

Es gehe mehr denn je um Individualität. Die Sportler entwickeln ihre eigenen Ski und brauchen ihr eigenes Betreuerteam.

Ob Ligety, Hirscher oder Shiffrin, die Weltmeister von Schladming haben alle ein Team um sich, das die Sportler bestmöglichst versorgt (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Die Zukunftsperspektive:

"Maria Höfl-Riesch ist momentan unverzichtbar", gibt Maier zu. Sieben der letzten zehn Einzelmedaillen bei Großereignissen holte die 28-Jährige. Doch spätestens 2015 wird sie ihre Karriere beenden. Was dann?

Maier verweist auf Rebensburg, Veronique Hronek und Dürr. Die 21-Jährige Hronek ist aber noch nicht in der absoluten Weltspitze angekommen, Dürr attestiert Maier in dieser Saison einen Rückschritt.

Das Neuner-Syndrom, das große Loch nach dem Abgang einer Top-Athletin, ist auch im Alpinsport zu befürchten. Maier berichtet aber von vielversprechenden jungen Talenten, "Vögelchen, die flügge werden."

Noch optimistischer äußert er sich über den Herren-Bereich. Hier sei die Anzahl der Talente weitaus höher.

"Da ist mir überhaupt nicht bange", lässt Maier wissen.

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