Mikaela Shiffrin führt in dieser Saison auch die Weltcup-Wertung im Slalom an © getty

Die 17-Jährige Mikaela Shiffrin stellt mit Slalom-Gold ihr Ausnahmetalent unter Beweis. Ihr großer Ehrgeiz erinnert an Vonn.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Wenn Mikaela Shiffrin über ihre Heimat spricht und von den verschneiten Hängen in Colorado erzählt, dann leuchten ihre Augen ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ).

In solchen Momenten merkt man, dass die Slalom-Weltmeisterin tatsächlich noch ein Teenager ist.

Ein Teenager, der einfach nur Spaß im Leben haben will (DATENCENTER: Ergebnisse der Ski-WM).

Skifahren - so oft wie möglich

Und Skifahren ist das, was Shiffrin am meisten Spaß bereitet. Bereits als Zweijährige stand sie erstmals auf Brettern. Im Frühjahr, Sommer und Herbst spielt sie viel Tennis, sie ist auch gerne am Strand.

"Aber wenn ich irgendwie die Möglichkeit dazu habe, fahre ich Ski", stellt die 17-Jährige klar.

Überraschend professionell

Shiffrin ist schon ein Profi, das ist ihre andere Seite. Locker meistert sie die zahlreichen Weltmeister-Interviews. Die vier Monate im Winter, die sie in Europa weit weg von zu Hause verbringen muss, sind kein Problem für sie.

"Das gehört zu meinem Job", sagt sie.

Diesen Job macht sie im Slalom derzeit so gut wie keine andere. Drei Rennen gewann sie bereits vor der WM.

Slalom-Gold wohl nur der Anfang

Am Samstag krönte sie sich zur jüngsten Weltmeisterin seit der legendären Hanni Wenzel 1974, die später auch noch Olympiasiegerin wurde. Ähnlich Großes ist auch noch von Shiffrin zu erwarten.

"Sie ist unglaublich, sie ist noch so jung, wir werden noch viel von ihr sehen in der Zukunft", prophezeit die schwedische Bronzemedaillengewinnerin Frida Hansdotter.

Im Riesenslalom gehört sie mittlerweile auch zu den besten Zehn der Welt. Es wird wohl nicht lange dauern, bis sie die Amerikaner auch in den Speed-Disziplinen einsetzen.

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Suche nach dem magischen Moment

Bei der Frage nach ihrem Erfolgsgeheimnis tut sich Shiffrin schwer.

Das ist nicht verwunderlich. Wie soll ein Jahrhunderttalent erklären, warum es ein Jahrhunderttalent ist?

Sie liefert dann aber doch eine gute Erklärung: "Ich versuche den Moment auf dem Hang zu finden, in dem ich lächle, weil ich mich auf den Skiern so wohl fühle."

Die ständige Suche nach dem magischen Moment, der Drang sich stetig zu verbessern - das ist es wohl, was Shiffrins Stärke ausmacht.

Männer als Maßstab

Ehrgeizig war sie schon immer.

Als Kind maß sie sich mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder und wollte besser Skifahren als er. Auch danach duellierte sie sich hauptsächlich mit Jungs. Sogar vor dieser Saison trainierte sie mit dem italienischen Herren-Team.

Was etwas verrückt klingt, findet Shiffrin ganz normal: "Ich wähle bewusst ein hohes Level, mit dem ich mich vergleichen möchte."

Unweigerlich denkt man dabei an Lindsey Vonn, die vor diesem Winter mit ihrem Wunsch bei einem Männer-Rennen antreten zu dürfen, für Aufsehen sorgte.

US-Sieg im Medaillenspiegel

Medaillen der Speed-Queen fehlten den USA bei dieser WM nach deren Horrorsturz, doch dank Ted Ligetys Gold-Triple reichte es dennoch zum Sieg im Medaillenspiegel (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

"Die Amerikaner sind eben bei Großereignissen immer da", lieferte Felix Neureuther eine Standard-Erklärung zur Leistung seines Kumpels Ligety.

Ehrgeiz, Grenzen zu überwinden

Aber diese Erklärung greift zu kurz. Es ist wohl eher dieser große Ehrgeiz, nie zufrieden zu sein. Shiffrin und Vonn wollen neue Grenzen ausloten, trainieren mit Männern oder fahren Männer-Ski.

Ligety entwickelte weit vor der Konkurrenz einen eigenen revolutionären Ski, der ihn beschleunigt wie ein Trampolin.

Immer auf der Suche nach dem Schnelleren, Höheren, Weiteren. Das ist wohl der amerikanische Erfolgsgedanke - und Shiffrin hat ihn verinnerlicht.

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