Felix Neureuther hat in seiner Karriere bisher vier Weltcuprennen gewonnen © getty

Felix Neureuther versucht es vor dem Slalom mit positivem Denken. Für Topfavorit Hirscher wäre eine Niederlage nicht schlimm.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Felix Neureuthers Zielsetzung für Sonntag ist klar.

"Schaut's euch die Ergebnisse im Vorfeld an, dann weiß man, was man erwarten kann", sagt der Partenkirchener auf die Frage zu seinen Chancen beim WM-Slalom von Schladming (So., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER).

Was er damit sagen, aber nicht aussprechen will: Natürlich rechnet er sich selbst zu den Favoriten ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ).

Denn der Blick auf die Ergebnisliste der letzten beiden Weltcup-Slaloms zeigt Neureuther als Zweiten von Kitzbühel und Sieger von Wengen.

Gerg lobt Neureuthers Stabilität

Überhaupt war er in dieser Saison nur einmal schlechter als Fünfter.

Und im Gegensatz zu früheren Jahren kam er immer ins Ziel.

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Auch Slalom-Olympiasiegerin Hilde Gerg streicht das bei SPORT1 positiv heraus: "So stabil, wie er derzeit auftritt, war er noch nie. Ich wünsche ihm, dass er im Slalom ganz locker auffahren kann und mal Edelmetall mit nach Hause nimmt."

Für den Deutschen Skiverband wäre ein Erfolg von Neureuther auch deshalb schön, weil man nun schon seit zwölf Jahren auf eine Einzelmedaille bei den Herren wartet.

Zuletzt gelang Florian Eckert bei der WM 2001 Bronze in der Abfahrt (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Erster Durchgang als Lektion

Allerdings erlebte Neureuther im Riesenslalom am Freitag in Durchgang eins wieder einen Rückschritt. Er versuchte es wie in jungen Jahren mit der Brechstange.

"So funktioniert der Neureuther nicht", stellte er enttäuscht fest und schritt mit hängenden Schultern von dannen.

Doch sofort zog er die Lehren und zeigte im zweiten Durchgang mit der zweitbesten Laufzeit wieder den Neureuther 2012/2013.

"Ich nehme jetzt den Elan aus dem Zweiten Durchgang mit und werde am Sonntag mein Bestes geben. Ich werde wieder neu angreifen, im Slalom sind die Chancen wesentlich größer", äußerte er sich dann auch wieder um einiges selbstbewusster.

Sein vom Kroaten Filip Zubcic im Teamwettbewerb malträtiertes Bein spürte er am Freitag zwar immer noch ein wenig, von einer wirklichen Behinderung wollte er aber nicht sprechen.

Hirscher jubelt nach schwerstem Rennen

Größere Schmerzen hatte am Freitag da schon Neureuthers großer Rivale Marcel Hirscher.

Nach einer totalen Rücken-Blockade quälte er sich den Hang hinunter und schaffte es dennoch zur Silbermedaille.

Die österreichischen Medien feierten ihren Helden, als hätte er die Goldmedaille gewonnen. Vom "schwersten Rennen seines Lebens" war da gar die Rede.

Er selbst spürte hinterher, wie durch die Einzelmedaille eine riesige Last von ihm abfiel: "Jetzt ist es natürlich leichter, gewisse Medien holen so stark aus, dass die Erwartungshaltung irrsinnig hoch ist."

"Macht nicht mehr groß was aus"

Mit diesem Gefühl der Befreitheit will sich Hirscher nun am Sonntag die goldene Krönung holen.

Vier von sieben Slalomrennen hat er in dieser Saison gewonnen, auf dem Podest stand er immer.

Natürlich ist er schon seit Wochen der absolute Topfavorit auf den Sieg, die österreichischen Fans haben Gold bereits fest eingeplant (DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM).

Er selbst aber könnte auch mit einer Niederlage leben, wie er behauptet: "Was jetzt immer auch am Sonntag passiert: Es macht nicht mehr groß was aus. Weil ich schon zwei Medaillen in der Tasche habe."

Aktivtherapie gegen die Schmerzen

Seine Rückenschmerzen will er mit Aktivtherapie besiegen: "Ich fahre ein paar Tore, das ist die beste Therapie."

Der zweite Deutsche mit Medaillenchance, Fritz Dopfer, wollte nach dem verpassten Edelmetall im Riesenslalom ebenfalls nicht zu lange rumjammern: "Man muss es abhaken. Dann will ich am Sonntag zwei richtig gute Läufe runtersetzen."

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