Ted Ligety wurde 2006 in Turin Olympiasieger in der Super-Kombination © imago

Ted Ligety packt einen Wunder-Ski aus und holt sein drittes Gold in Schladming. Dopfer und Neureuther sind sauer auf sich selbst.

Von der Ski-WM berichten Andreas Kloo und Paul Willmann

Schladming - Fritz Dopfer schlug mit seinem Skistock gegen die Bande im Zielraum.

Für den sachlichen Bayern war das eine ungewöhnlich emotionale Reaktion.

Sie machte aber auch deutlich, wie enttäuscht er war, dass er beim WM-Riesenslalom nicht in den Medaillenkampf eingreifen konnte.

"Ich ärgere mich brutal", schimpfte er.

Zweimal die gleichen Fehler

Nach Platz fünf im ersten Durchgang wollte er eigentlich angreifen, fiel aber auf Rang sieben zurück (DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM).

"Es ärgert mich, dass ich die Fehler aus dem ersten Lauf im zweiten nicht abstellen konnte", haderte Dopfer mit sich.

Beide Male fand er zu spät in den Lauf, war nicht von Beginn an aggressiv, sondern verschlief das Rennen etwas.

"So funktioniert der Neureuther nicht"

Den gegenteiligen Fehler machte Felix Neureuther im ersten Durchgang. Der Partenkirchener wollte zu viel.

"Es war mir wirklich eine Lehre heute. Ich habe es im ersten Durchgang mit der Brechstange probiert und so funktioniert der Neureuther nicht", gab sich der 28-Jährige selbstkritisch.

Über drei Sekunden Rückstand handelte sich Neureuther im ersten Lauf ein, das Rennen war für ihn gelaufen.

Im zweiten Durchgang arbeitete er sich zumindest noch in die Top 10. "Im Nachhinein beißt man sich in den Hintern, warum man es im ersten Durchgang nicht so gezeigt hat", ärgerte auch er sich.

Neureuther fügte aber realistisch hinzu: "Wenn man ehrlich ist, wäre es eine Riesensensation gewesen, wenn ich es im Riesenslalom aufs Podest geschafft hätte."

Hirscher mit Rückenschmerzen

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Für zwei Läufer war das Podest quasi schon vorreserviert: für die Domintatoren dieser Saison, Ted Ligety und Marcel Hirscher.

Ein Duell zwischen den beiden entwickelte sich aber nicht, da der Österreicher wegen einer Rückenverletzung gehandicapt war.

"Ich lag bis zwei Uhr morgens mit Schmerzen wach und habe mich gefragt, ob es überhaupt Sinn macht, anzutreten", berichtete er von seinen nächtlichen Leiden.

Fairer Verlierer

Er entschied sich zu starten und wurde mit Silber belohnt.

Der ganz große Druck auf ihn ist nun weg, gab der große österreichische Hoffnungsträger hinterher zu: "Ich fühle mich um 300 Kilogramm leichter."

Gleichzeitig zeigte er sich als fairer Verlierer: "Ted hätte ich auch mit einem gesunden Kreuz nicht schlagen können."

Neureuther freut sich für Ligety

Die große Stunde des ÖSV-Fahrers soll am Sonntag beim Slalom schlagen, Ligety dagegen hat sich jetzt schon zur Legende gekürt.

Als erster Skifahrer seit Toni Sailer 1958 gewann er bei einer WM drei Goldmedaillen (SERVICE: Der WM-Medaillenspiegel).

"Es ist die beste Woche meines Skifahrerlebens. Manche gewinnen nicht mal eine Goldmedaille, und ich habe jetzt drei!", zeigte er sich überglücklich.

Neureuther freute sich trotz seines persönlichen Frusts für seinen Kumpel.

"Es war eine Demonstration wie schon das ganze Jahr. Er ist der absolut verdiente Sieger. Ich gönne es ihm vom Herzen."

Dominator der Saison

Widerspruch erntete Neureuther von niemandem.

Dopfer war ähnlicher Meinung: "Es ist nur leistungsgerecht, dass der beste Riesenslalomfahrer der Saison auch gewinnt."

Bei vier von fünf Rennen stand Ligety in dieser Saison im Riesenslalom ganz oben auf dem Podest.

In Sölden siegte er gar mit dem Monumentalvorsprung von 2,75 Sekunden.

Seit über zwei Jahren dominiert der Amerikaner den Herren-Riesenslalom. Schon in Garmisch 2011 hatte er sich zum Weltmeister gekürt.

Eigene Ski entwickelt

Über die Umstellung auf Ski mit einem größeren Radius vor dieser Saison ärgerte er sich öffentlich - dabei hatte er sie im Hintergrund schon längst zu seinem Vorteil genutzt und an der Entwicklung von eigenen Skiern getüftelt.

Bereits beim Weltcup-Finale im März 2012 in Schladming verwendete er irregulärerweise die neuen Skier - und packte sie jetzt wieder aus.

Damit schien er besonders souverän und locker über die Piste zu carven. Er wiegelte jedoch ab: "Ich bin weit davon entfernt, die Skier unter Kontrolle zu haben. Sie schreiben mir vor, wo ich hinfahren muss."

Den Rivalen ist er nun weiter voraus als jemal zuvor.

"Es ist wie bei Roger Federer im Tennis. Diese Kerle dominieren eine Sportart über Jahre und sind den anderen meilenweit voraus", zog US-Teamkollege Tim Jitloff den Hut.

So weit, dass Bronzemedaillengewinner Manfred Mölgg vor dem Slalom (So., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) eine große Befürchtung hegt: "Hoffentlich fährt Ted jetzt nicht auch noch im Slalom gut."

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