Hubertus von Hohenlohe (r.) wurde bei der Kombi in Madonna di Campiglio 1982 Fünfter © imago

Starter aus Haiti und Jamaika verleihen der WM in Schladming einen besonderen Flair. Von Hohenlohe lässt die "Sonne scheinen".

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Es ist eine WM innerhalb der WM.

Am Donnerstag und Samstag finden die Qualifikationsrennen für den Riesenslalom und den Slalom der Herren statt.

Dann wird deutlich, dass der Skisport nicht nur in den Alpen, Skandinavien und den USA ausgeübt wird.

Läufer aus Mexiko, Haiti, Jamaika, Brasilien und Zypern gehen hier an den Start.

Weil die FIS nicht über 100 Läufer die Piste hinunterschicken will, müssen sich die Läufer aus kleineren Nationen erst für das offizielle WM-Rennen qualifizieren (DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM).

Für manche ein aussichtsloses Unterfangen.

Roy will Haiti helfen

Für den 49-Jährigen Haitianer Jean-Pierre Roy zum Beispiel.

"Sein Ziel muss es sein, nicht Letzter zu werden", sagt sein französischer Trainer zu dessen sportlichen Chancen.

Roy geht es auch gar nicht so sehr um das Sportliche. Er will eine Botschaft vermitteln, positive Nachrichten über Haiti in die Welt aussenden ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ).

Und er will seinem im Januar 2010 von Erdbeben gebeutelten Heimatland helfen.

"Sport ist eine der Maßnahmen, die der Nation wieder Selbstvertrauen geben kann", sagt er.

Vom Sonntagsfahrer zur Kultfigur

Roy ist gleichzeitig auch Präsident des von ihm selbst gegründeten Skiverbands von Haiti. Aufgewachsen ist er in Frankreich, dort erlernte er auch das Skifahren.

Seine Fähigkeiten vergleicht er mit denen eines französischen "Sonntagsfahrers".

In Frankreich hat er bereits Kultstatus erlangt und trägt den Beinamen "Rasta Piquet".

Zumindest einen Kontrahenten will er beim Qualifikationsrennen auf der Reiteralm hinter sich lassen: den Jamaikaner Mike Williams.

Hartes Urteil der Trainer

Auch der 43-Jährige ist nicht in dem Land aufgewachsen, für das er startet, sondern in Kanada.

Mittlerweile lebt er in Frankfurt, um seinen deutschen Trainern nahe zu sein.

Die haben ihm ganz klar gesagt, was sie von seinen Fähigkeiten halten: "Du bist nicht gut im Skifahren."

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Zu seinem Ski-Traum inspiriert hat ihn bei Olympia 1988 das jamaikanische Bob-Team, das später durch den Film "Cool Runnings" weltweite Berühmtheit erlangte.

Schneckenrennen um Karibik-Krone

In Anlehnung an diesen Film haben Roy und Williams nun einen internen Wettstreit ausgerufen: den Cool Runnings Cup 2013.

Jamaika Mike gegen Rasta Piquet heißt es auf dem Flyer, das für das Rennen wirbt.

Letztlich geht es einfach nur darum, wer von beiden der Schnellere im Qualifikationsrennen ist. Derjenige bekommt nachher bei einer Siegerehrung eine Goldmedaille, der Verlierer eine Silberne.

Eigentlich verstößt dieses Rennen im Rennen gegen die FIS-Regeln. "Pst, nicht Weitersagen!" sagt Roy deshalb in Richtung der Journalisten.

Es ist aber auch eine Art Protestaktion der beiden Exoten gegen die Aussperrung durch die FIS (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Bei früheren Weltmeisterschaften durften die Läufer aus Nicht-Skinationen sehr wohl bei den Hauptrennen teilnehmen - ohne eine vorherige Qualifikationsmühle.

Von Hohenlohe kritisiert FIS

Einer, der diese Zeiten erlebt hat, ist Hubertus von Hohenlohe.

Der mittlerweile 54-Jährige tritt diesmal zum 15. Mal bei einer Weltmeisterschaft für Mexiko an. Erstmals dabei war er 1982 - ebenfalls in Schladming.

Er ist zwar in Mexiko geboren, wuchs aber in Österreich auf.

Er weist auf die Bedeutung der Exoten hin: "Es ist ganz wichtig, dass wir dabei sind. Weil dann ist es ein globaler Sport. Und so wie die Österreicher, Schweizer, Italiener und so weiter wollen, ist es ein sehr, sehr kleiner Sport, der nur ein paar Nationen interessiert. Aber es müsste ein Sport sein, der in der Türkei übertragen wird und in Brasilien", fordert er.

Unumwunden kritisiert er die FIS: "Nur wir stehen nicht am Start, wir stehen auf der Nebenbühne."

Exoten als Sonnenschein

Dabei wollen die Weltklassefahrer die "Hinterbänkler" durchaus dabei haben, wie von Hohenlohe SPORT1 einst erzählte: "Nach einer gewissen Zeit war ich einer von ihnen und da war dann auch meine Rolle als Exot klar, der hinten raus die Sonne zum Scheinen bringt."

Roy bestätigt dies: "Stars wie Ted Ligety oder Lara Gut nehmen sich Zeit, mit mir zu sprechen. Sie freuen sich, mich zu sehen", erzählt er.

Williams fährt mit Kreuzbandriss

Auf der Piste in Schladming sieht man die Exoten bei ihrem Qualifikationsrennen allerdings nicht, sondern auf der einige Kilometer entfernten Reiteralm.

Die Piste dort ist noch schwerer zu fahren, weil sie nicht so perfekt präpariert ist wie die eigentliche WM-Strecke.

Für den Jamaikaner Williams macht es das noch viel schwerer. Ohnehin ist es ein Wahnsinn, dass er an den Start geht.

Vor drei Wochen zog sich Williams einen Kreuzbandriss zu, sein WM-Traum schien zerplatzt.

Aber mit einer Orthese und einer Stütze aus Karbon will er sich dennoch den Hang hinunterstürzen.

Und irgendwie schneller unten sein als sein Kontrahent aus Haiti.

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