Ivica Kostelic (l.) gratuliert Romed Baumann zu Bronze, Ted Ligety (M.) freut sich über Gold © imago

Österreich entgeht in der Super-Kombi hauchdünn einer Katastrophe. Neureuther-Kumpel Ted Ligety fährt in die Hall of Fame.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Ein österreichischer Fan hatte die Hoffnung bereits aufgegeben.

Als Matthias Mayer im Slalom der Super-Kombination zu langsam war, warf er eine Bierdose in den Zielraum.

Zuvor war mit Benjamin Raich die größte Medaillenhoffnung ausgeschieden (Bericht).

Romed Baumann führte zwar nach der Abfahrt, aber im Slalom gehört er schon lange nicht mehr zu den Besten.

Der ÖSV schien wieder leer auszugehen, die Stimmung unter den 30.000 Zuschauern war kurz vor dem Explodieren, der Druck auf Baumann immens.

"Dann muss ich das machen"

Doch der fühlte sich dadurch erst recht angestachelt.

"Als der Benny ausgeschieden ist, wusste ich: Wenn es eine Medaille geben soll für Österreich, dann muss ich das jetzt machen."

Zusätzlich motivierte den Salzburger auch die Fahrt des Finnen Andreas Romar.

Der hielt überraschend gut mit den starken Slalomfahrern mit und wurde am Ende sensationeller Vierter.

"Ich sagte mir: Was der Finne kann, das kannst du auch."

Kollektives Durchatmen

Im Mittelteil nahm dann Baumann auf der vereisten Piste das Tempo raus, es sah so aus, als würde er verbremsen ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ).

Aber im Zielhang gab er noch einmal Gas und rettete um 17 Hundertstel Bronze.

Es war beinahe hörbar, wie 30.000 Zuschauer kollektiv durchatmeten.

Der Super-Gau war verhindert.

Maier kritisiert Funktionäre

Das war auch deshalb wichtig, weil Legende Herrmann Maier zuvor für Unruhe gesorgt hatte.

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In einem Blog kritisierte er den österreichischen Skiverband: "Ich finde, dass es an der Zeit wäre, einmal das Umfeld, die Funktionäre und den Trainerstab eingehend zu hinterfragen", schrieb der "Herminator".

Seiner Meinung nach wären die Funktionäre dazu da, den Druck von den Läufern zu nehmen und ihn nicht noch zu erhöhen.

Hirscher gibt Maier recht

Zu allem Übel gab Österreichs große Goldhoffnung Marcel Hirscher Maier zum Teil recht.

"Es gibt schon gewisse Dinge, die man hinterfragen muss - etwa die Tatsache, dass manche Nationen, die viel weniger Budget haben als wir erfolgreicher sind als wir", sagte der Slalom-Star.

Als konkretes Beispiel nannte er die USA.

Wie recht Hirscher hat, bewies der neue Super-Kombi-Weltmeister Ted Ligety.

Ligety nun echter Allrounder

Der Amerikaner katapultierte sich mit seiner zweiten Goldmedaille nach dem Erfolg im Super-G in die Liste der inoffiziellen Hall of Fame (DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM).

"Ich bin so stolz auf meinen Sieg in der Super-Kombi, weil ich jetzt in drei Disziplinen Gold geholt habe. Das zeigt, dass ich ein echter Allrounder bin. Und das war immer mein Ziel", freute er sich.

Ligety hatte vor zwei Jahren in Garmisch bereits Gold im Riesenlallom gewonnen.

Er schloss nun zu Legenden wie Aksel Lund Svindal, Kjetil-Andre Aamodt, Hermann Maier, Pirmin Zurbriggen und Bode Miller auf.

"Ich freue mich echt für ihn, ich gönne es ihm von ganzem Herzen", schwärmte auch Ligetys Kumpel Felix Neureuther in der "ARD".

Die Super-Kombination endete so doch noch mit Partystimmung.

Organisatoren entschuldigen sich für Beinahe-Unfall

Dabei hatte es während der Abfahrt noch eine Schrecksekunde gegeben, die kein gutes Licht auf die Organisatoren warf.

Als der Schweizer Sandro Viletta in einen Gleitteil sprang, tauchte plötzlich ein Fahrer des Rutschkommandos auf.

Viletta reagierte geistesgegenwärtig und fuhr links an dem Mann vorbei.

Nicht auszudenken, was bei einem Zusammenprall der beiden passiert wäre.

Die Organisatoren krochen am Abend zu Kreuze.

"Wir entschuldigen uns zutiefst bei Sandro", sagte Renndirektor Günter Hujara, der von "menschlichem Versagen" sprach.

"Der Arbeiter dachte, es gäbe einen Sturz und das Rennen ist unterbrochen."

Die Organisatoren hatten - wie Baumann - am Montag das Glück auf ihrer Seite.

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