Felix Neureuther wurde bei der WM 2013 in Kitzbühel Slalom-Vizeweltmeister
Felix Neureuther bewies Ende Januar mit Platz 2 im Slalom von Kitzbühel seine Klasse © getty

Im Teamwettbewerb bietet sich den Deutschen eine Goldchance. Die Sportler sind heiß. SPORT1 erklärt, wie das Rennen funktioniert.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Der Teamwettbewerb wird von der Öffentlichkeit nach wie vor stiefmütterlich behandelt.

Dabei sind die Sportler selbst vor dem Länderkampf (ab 17 Uhr im LIVE-TICKER) motiviert bis in die Haarspitzen.

Stefan Luitz, einer aus dem sechsköpfigen deutschen Aufgebot, stellt klar: "Das ist ein cooler Event."

Die Vorfreude der Läufer hängt natürlich auch mit dem "Reiz der Medaillen" zusammen, wie DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier betont.

Bislang wird der Mannschaftswettbewerb nur bei Weltmeisterschaften und beim Weltcup-Finale ausgetragen.

"Wettbewerb wird sich durchsetzen"

Nach dem Wunsch Maiers soll sich das ändern.

Felix Neureuther ist in dieser Hinsicht optimistisch: "Dieser Wettbewerb wird sich durchsetzen."

Vor allem die deutschen Ski-Fans werden das Rennen am Dienstag Abend mit großem Interesse verfolgen.Denn die Medaillenchancen für den DSV sind groß (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Zwei Parallelchampions im Team

Der Wettbewerb wird im Parallelslalom ausgetragen, und da haben die Deutschen mit Felix Neureuther einen echten Experten in ihren Reihen.

Anfang Januar gewann er das City Event in München.

Aber auch Lena Dürr stellte mit ihrem Sieg in Moskau ihre Stärke im Duell Frau gegen Frau unter Beweis.

"Wir haben ein sehr starkes Team. Alle sind sehr motiviert und werden Vollgas geben. Wir haben eine gute Chance, weit zu kommen", glaubt Damen-Bundestrainer Tom Stauffer.

Und die steilen und eisigen Bedingungen in Schladming sollte den DSV-Akteuren liegen: "Der Hang kommt uns entgegen, schwierige Verhältnisse können nur ein Vorteil für uns sein", ist sich Neureuther sicher.

SPORT1 erklärt, wie der Teamwettbewerb funktioniert und was ihn so interessant macht.

Der Modus

Der Teamwettbewerb wird im K.o-Modus ausgetragen. Die Setzliste ergibt sich aus der Nationenwertung im Teamweltcup. Die besten 16 Mannschaften sind qualifiziert. Los geht es mit dem Achtelfinale, Deutschland trifft dabei auf Kroatien. Im Viertelfinale kommt es dann wohl zur WM-Revanche gegen Frankreich.

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Ein Team besteht aus zwei Herren und zwei Damen. Man kann aber nach der jeweiligen Runde durchrotieren, so dass die einzelnen Teams mehr als vier Sportler nominiert haben.

Das Rennen findet als Parallelslalom statt. Es fahren jeweils die beiden Frauen und die beiden Männer gegeneinander.

Die Siege aus den Einzelrennen werden jeweils addiert. Ein Duell kann also 4:0, 3:1, aber auch 2:2 enden.

Beim Gleichstand von 2:2 werden die Zeiten der schnellsten Dame und des schnellsten Herren zusammengerechnet.

Das Team mit der niedrigeren Zeit aus dieser Addition ist eine Runde weiter.

Der Reiz

Dass es um Medaillen geht, ist nicht das einzig interessante an diesem Wettbewerb. Im Zielraum von Schladming könnte echte Länderspielatmosphäre aufkommen, wenn Deutschland auf Österreich trifft und es dabei um Medaillen geht.

Darüber hinaus ist der Teamwettbewerb enorm spannend ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ).

Die direkten Duelle werden oftmals erst auf der Ziellinie im Fotofinish entschieden.

Wie knapp es zur Sache geht, musste das DSV-Team bei der WM 2011 in Garmisch leidvoll erfahren. Frankreich war am Ende um zwei Hundertstelsekunden schneller.

Und schließlich spielt auch die Taktik eine Rolle. Die Trainer können nämlich ihre jeweiligen Fahrer an eins oder an Position zwei setzen und so beispielsweise dem Top-Fahrer des anderen Teams aus dem Weg gehen.

Schwächen

Die Regelung mit der Addition der Zeiten bei Gleichstand macht den Wettbewerb aber manchmal etwas unübersichtlich.

Neureuther hat da einen aus dem Rodeln adaptierten Reformvorschlag.

"Wenn der eine im Ziel ist, fährt der Nächste oben raus. Für Zuschauer ist es dann sofort zu verstehen, wer gewonnen hat."

Deutsche Chancen

Das DSV-Team wird von allen Experten zu den Goldfavoriten gerechnet (DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM).

Felix Neureuther, Maria Höfl-Riesch und Lena Dürr haben in dieser Saison bereits ein Rennen gewonnen. Fritz Dopfer war im Riesenslalom schon einmal Zweiter.

Zudem gewann Deutschland bei der WM 2005 auch die Premiere des Teamwettbewerbs.

Deutsche Starter

Für den DSV gehen an den Start: Maria Höfl-Riesch, Lena Dürr, Veronique Hronek, Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Stefan Luitz.

Worauf kommt es an?

Mitentscheidend ist der Start. Neureuther legte hier in München die Grundlage für seinen Sieg, weil er sich schon auf den ersten Metern einen Vorsprung erarbeitete.

"Man muss dranbleiben bis ins Ziel und darf nicht auslassen. Egal, wer links oder rechts neben einem fährt", erklärt Dürr, was außerdem wichtig ist.

Mit dem Gegner im jeweiligen Lauf sollte man sich aber nicht zu stark beschäftigen, rät Trainer Stauffer.

Neureuther weist aber daraufhin, dass der Kontrahent durchaus einen Einfluss auf die Hernagehensweise hat: "Wenn man gegen einen aus Brasilien fährt, dann nimmt man mit Sicherheit nicht das Risiko wie gegen einen Marcel Hirscher."

Keine völlig unwesentliche Rolle spielt auch der Teamgeist: "Man pusht sich gegenseitig und lässt sich Tipss von den anderen geben", erklärt Hronek auf SPORT1-Nachfrage.

Dürr betont aber: "Schlussendlich fährt jeder seinen eigenen Lauf."

Die Zuschauer werden am Dienstag Abend auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.

Fragezeichen hinter Höfl-Riesch

Ob Höfl-Riesch mitwirken kann, steht noch nicht hundertprozentig fest. Am Montag gönnte sie ihrem lädierten Knie einen Ruhetag.

Die Super-Kombi-Weltmeisterin ist zuversichtlich, dass sich dieser Ruhetag positiv auswirken wird und sie in den Medaillenkampf eingreifen kann.

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