Markus Wasmeier
Markus Wasmeier gewann bei den Spielen 1994 in Lilllehammer zweimal Gold © imago

Markus Wasmeier beklagt bei SPORT1, nach dem Zoff mit Höfl-Riesch der Buhmann zu sein. Er malt für den Riesenslalom schwarz.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Die Ski-WM in Schladming hatte noch gar nicht begonnen, da war der Wirbel um Maria Höfl-Riesch schon riesengroß.

Der Grund war ein Interview von Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier, in dem er die Erfolgsaussichten der Partenkirchenerin bei den Titelkämpfen als gering einstufte (BERICHT: Schlammschlacht überschattet WM-Auftakt).

Diese Einschätzung stellte sich danach als falsch heraus. Höfl-Riesch machte den deutschen Ski-Fans große Freude und holte Gold in der Super-Kombi und Bronze in der Abfahrt (BERICHT: Beifall für Maria - Watschn für Wasi).

Sein Urteil über Höfl-Riesch will er dennoch nicht zurücknehmen: "Ich muss gar nichts revidieren. Ich habe analysiert, was im Saisonverlauf passiert ist. Und da war sie nun mal nur auf flachen Hängen schnell", stellt er im Gespräch mit SPORT1 klar.

Im Interview kritisiert er außerdem die österreichischen Fans und spricht über die deutschen Medaillenchancen in den technischen Bewerben.

SPORT1: Herr Wasmeier, die Stimmung bei der WM hat durch die österreichischen Misserfolge etwas gelitten. Wie ist ihr Eindruck von der Atmosphäre?

Wasmeier: Natürlich würde eine österreichische Goldmedaille der Stimmung gut tun. Ich muss aber auch sagen: Wenn das Publikum fair wäre, dann würden Sie auch die anderen Nationen anfeuern.

SPORT1: Sie sind also enttäuscht von der Atmosphäre?

Wasmeier: Es ist zum Teil schon sehr leise, wenn Läufer anderer Nationen fahren. Das kennt man aus dem Weltcup gar nicht.

SPORT1: Dafür fällt das Fazit aus deutscher Sicht bislang wohl umso positiver aus.

Wasmeier: Absolut. Einmal Gold, einmal Bronze. Das hatte man so nicht erwartet (DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM).

SPORT1: Sie persönlich haben die starken Leistungen Maria Höfl-Rieschs auch nicht erwartet. Müssen Sie Ihre Aussagen von vor der WM revidieren?

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Wasmeier: Ich muss gar nichts revidieren. Ich habe analysiert, was im Saisonverlauf passiert ist. Und da war sie nun mal nur auf flachen Hängen schnell. Ich fürchte, beim Riesenslalom wird Sie sich auch wieder schwer tun. Der wird auf der Herren-Piste gefahren, und die ist am Ende mit 43 Prozent Gefälle richtig steil ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ).

SPORT1: Das trauen Sie Ihr also nicht zu?

Wasmeier: Richtig, aber deshalb beleidige ich ja niemanden. Ich sage nur, ich traue es ihr nicht zu bei diesen Verhältnissen. Das ist meine Einschätzung und das ist doch legitim. Ich sage doch nicht, sie sei eine schlechte Skifahrerin. Ganz im Gegenteil.

SPORT1: Maria Höfl-Riesch fühlte sich aber persönlich angegriffen.

Wasmeier: Es ist leider auch vieles geschrieben worden, was ich gar nicht gesagt habe. Die ganze Sache ist medial angeschoben worden. Ich habe nur Aussagen zum Sportlichen gemacht, nicht zum Persönlichen.

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SPORT1: Beim Deutschen Skiverband kam das Ganze aber auch nicht gut an. Präsident Alfons Hörmann hat gestern - wohl auch in ihre Richtung - einen Gruß an die sogenannten Kritiker gesendet.

Wasmeier: Das glaube ich nicht, dass das in meine Richtung ging. Ich habe sofort, als der ganze Trubel losging, mit Wolfi Maier (DSV- Sportdirektor, Anm. d. Red.) gesprochen und klargestellt: Ich habe nicht im Entferntesten in den letzten fünf Monaten ein Interview gegeben, in dem es um den Deutschen Skiverband oder die Familie Höfl ging.

SPORT1: Wie erklären Sie sich denn dann die scharfen Reaktionen in Ihre Richtung?

Wasmeier: Ich weiß es nicht, ich habe ehrlich gesagt, gar keine Zeit mich damit zu beschäftigen, ich habe viel um die Ohren. Aber ich frage mich schon, ob das nicht eine gesteuerte Attacke war, um schon mal im Vorfeld das Nicht-Erreichen eines sportlichen Ziels zu entschuldigen. Das kann es nicht sein. Denn jetzt bin ich der Buhmann.

SPORT1: Das sind harte Vorwürfe.

Wasmeier: Ja, aber es ist schon etwas, was mir weh tut. Wenn ich irgendwas Richtung Persönliches gesagt hätte, dann würde ich mich an die eigene Nase fassen. Aber so?

SPORT1: Zum Schluss noch ein Ausblick auf die letzten Rennen. Was ist da für die deutschen Fahrer noch drin? Maria Höfl-Riesch trauen Sie im Riesenslalom wenig zu. Wie sieht es mit Viktoria Rebensburg aus?

Wasmeier: Die Vikky wird da richtig fit sein, steile Hänge mag sie. Bei den Jungen Lena Dürr und Christina Geiger muss man abwarten, wie sie damit zurechtkommen.

SPORT1: Und dann ist da noch unsere Slalom-Hoffnung Felix Neureuther.

Wasmeier: Er ist im Riesenslalom auch gut dabei. Und den Dopfer Fritz sollte man auch nicht vergessen. Ich rechne die beiden in Slalom und Riesenslalom zu den Anwärtern auf die ersten drei Plätze.

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