Klaus Kroell gewann bisher in seiner Karriere sechs Weltcup-Rennen © getty

Der WM-Gastgeber steht am Ende des Medaillenspiegels. Der Druck auf Hirscher wird größer. Mut macht immerhin Schilds Comeback.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Der DSV-Alpindirektor hat fast ein wenig Mitleid mit Österreich: "Der Druck auf die nächsten Starter wird gewaltig sein", prognostiziert Wolfgang Maier den ÖSV-Fahrern für die zweite Woche der Ski-WM.

Das gilt vor allem für einen: Marcel Hirscher.

Die Erwartungen an ihn sind ohnehin schon hoch. Slalom-Gold ist am Sonntag fast schon Pflicht für ihn. Aber nun muss er auch noch das Image einer ganzen Nation retten.

Schlusslicht Österreich

Mit den Worten "Der Medaillenspiegel steht Kopf" beendete der "ORF" seine Übertragung von der Siegerinnen-Ehrung der Damen-Abfahrt. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)

In der inoffiziellen Nationenwertung wird Österreich mit zwei Bronze-Medaille ganz am Ende auf Rang neun klassiert.

Dort, wo die selbsternannte Skination Nummer eins eigentlich stehen sollte, liegt Frankreich. Sollte das Bild des Medaillenspiegels auch am Ende der WM so aussehen, wäre das für Österreich der Super-GAU.

Schild vor Comeback

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Gastgeber dürfte daher das bevorstehende Comeback von Slalom-Weltmeisterin Marlies Schild sein.

Wie der österreiche Skiverband am Montag mitteilte, hat die Titelverteidigern einen Start am Samstag (10 Uhr) fest ins Auge gefasst und absolviert ein tägliches Training.

Schild hatte sich erst im Dezember in Are einen Innenbandriss im Knie zugezogen.

Hirscher sagt PK ab

Auch Hirscher soll ein totales Debakel für die Österreicher verhindern - mit seinen Auftritten in Slalom, Riesenslalom und Teamwettbewerb.

Doch zunächst sieht er sich schon wieder Einfädel-Vorwürfen ausgesetzt.

Plötzlich tauchten Videoaufnahmen auf, die angeblich belegen würden, dass Hirschers Sieg in Kitzbühel irregulär gewesen sei.( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM )

Der ÖSV reagierte umgehend, blies die geplante Teilnahme Hirschers an einer längst geplanten Pressekonferenz im Teamhotel kurzfristig ab. Cheftrainer Mathias Berthold bat Renndirektor Günter Hujara höchstpersönlich um Aufklärung.

Irreführende TV-Bilder

Hujara sollte bei der auch für die Presse zugänglichen Mannschaftsführersitzung klarstellen, dass Hirschers Sieg regulär war.

Hujara zeigte die umstrittenen TV-Aufnahmen. Und tatsächlich: Diese zeigten eindeutig, dass Hirscher die Stange mit dem linken Ski auf der Innenseite passierte.

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Hätte er disqualifiziert werden müssen? Nein. Denn dann erklärte Hujara, wie ein TV-Bild entsteht. Mit zwei weißen Blättern Papier demonstrierte er, dass das Bild, das der Zuschauer im Fernseher sieht, nicht eine 1:1-Wiederspiegelung der Realität ist, sondern eine Zusammensetzung mehrerer Einzelbilder.

Bei schnellen Bewegungen ? wie bei den Slalomfahrern gegeben ? kommt es zu einer optischen Täuschung. Mittels Super-Zeitlupe und Zoom bewies Hujara, dass Hirscher das Tor sehr wohl korrekt passiert hat.

Cheftrainer angefressen

Der FIS-Mann war sichtlich genervt: "Ich habe diese Diskussionen satt." Bereits in der Vorsaison sah sich Seriensieger Hirscher den gleichen Vorwürfen ausgesetzt.

Ähnlich angefressen war auch Berthold. Er fürchtet, dass alles getan werde, um seinen besten Mann aus der Konzentration zu bringen.

Schwieriger Kampf um Gold

Dabei ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Austria am Schlusstag mit dem Slalom am Sonntag noch ohne Gold dasteht und Hirscher dann das Unheil abwenden muss.(DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM)

Auf den Teambewerb am Dienstag will sich Mader nicht verlassen: "Das wird schwer, da gibt es viele Favoriten. Die Deutschen, die Franzosen, die Italiener haben ein ganz starkes Team am Start."

Im Riesenslalom der Herren hat Hirscher mit Super-G-Weltmeister Ted Ligety einen herausragenden Rivalen, der noch dazu mit einer Goldmedaille in der Tasche beflügelt an den Start geht.

Bei den Damen wird es wohl eher einen Zweikampf zwischen Tina Maze und DSV-Hoffnungsträgerin Viktoria Rebensburg geben.

Im Frauen-Slalom hoffen die Österreicher verzweifelt auf ein Blitz-Comeback von Marlies Schild.

Doch auch wenn die Titelverteidigerin am Samstag an den Start geht, ist es fraglich, ob sie nach ihrer Knieverletzung bei hundert Pozent ihrer Leistungsfähigkeit ist.

Höfl-Riesch fühlt mit

Maria Höfl-Riesch kann mit den Gastgebern mitfühlen. Sie hat es selbst erlebt, wie es ist, wenn man bei der Heim-WM von den hohen Erwartungen fast erdrückt wird.

"Ich kann mich sehr gut hineinfühlen. Man darf nicht zuviel erwarten, sonst besteht die Gefahr, dass man verkrampft", erzählte die Partenkirchenerin nach dem Gewinn von Abfahrts-Bronze.

Die österreichische Hoffnung Anna Fenninger sagt zwar: "Druck verspüre ich keinen, wenn ich am Start stehe." Aber die Realität sieht wohl anders aus. An ihre Topform kam Fenninger bislang nicht heran. Zweimal schied sie aus, in der Abfahrt landete sie nur auf Rang elf.

Zumindest Höfl-Riesch macht der Austria noch Hoffnung: "Sie haben in Teamwettbewerb, Riesenslalom und Slalom ganz heiße Eisen im Feuer. Ich traue ihnen noch einiges zu."

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