Maria Höfl-Riesch fehlen in Schladming 0,7 Sekunden auf Weltmeisterin Rolland (M.) © getty

Maria Höfl-Riesch holt Abfahrts-Bronze. Hinterher setzt sie den nächsten Konter gegen Wasi. Ein Spottobjekt gewinnt Gold.

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Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Österreich war wieder leer ausgegangen, also schnappte sich Maskottchen Hopsi kurzerhand Maria Höfl-Riesch.

Die zierte sich zwar erst und sagte: "Ich kann nicht tanzen."

Aber dann schwangen sich die beiden sich doch im Walzertakt durch den Zielraum. ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM )

"Bin jetzt überglücklich"

Die Partenkirchenerin hatte nach dem Gewinn von Abfahrts-Bronze auch allen Grund, beschwingt zu sein:

"Es fühlt sich sehr gut an, es war heute wirklich schwierig. Ich bin jetzt überglücklich", beschrieb sie ihre Emotionen.

Nach dem Titel in der Super-Kombination ist es bereits ihre zweite Medaille bei dieser WM. (DATENCENTER: die Ergebnisse der Ski-WM)

"Kaiser" als Glücksbringer

Hopsi brauchte sie für diesen Erfolg aber nicht, Höfl-Riesch hatte ein ungleich berühmteres Maskottchen dabei.

Franz Beckenbauer höchstpersönlich war nach Schladming gekommen, um ihr die Daumen zu drücken.

"Ich habe mich sehr gefreut, dass er heute gekommen ist. Er war ein guter Glücksbringer", bedankte sie sich hinterher beim "Kaiser".

Beckenbauers Lob: "Besonderer Mensch"

Der fand seinerseits warme Worte für Höfl-Riesch.

"Das Glück ist zurückgekehrt, durch die Goldmedaille. Das waren heute vier Hundertstelsekunden, die den Unterschied ausgemacht haben zu Rang vier", meinte Beckenbauer: "In diesen entscheidenden Situationen brauchst du a bissl Glück. Das sind dann die besonderen Menschen, die in besonderen Momenten, die besonderen Leistungen bringen."

Beckenbauers Anwesenheit hatte schon vor zwei Jahren in Garmisch gewirkt. Auch damals holte Höfl-Riesch vor den Augen des Bayern-Ehrenpräsidenten Abfahrts-Bronze.

"Nicht getraut, mich zu freuen"

Etwas Glück hatte die 28-Jährige auch nötig. Im Kampf um Bronze war sie am Ende ganze vier Hundertstelsekunden schneller als die Schweizerin Nadja Kamer.

"Das gehört bei einer WM auch dazu. Es war schon oft genug andersrum", wollte sie sich den Erfolg aber nicht kleinreden lassen.

Lange war aber unklar, ob es wirklich zu Edelmetall reichen würde. Die Doppel-Olympiasiegerin musste gehörig zittern: "Ich habe gewartet bis zur Nummer 30, das war die Marianne Kaufmann-Abderhalden, die Trainingsschnellste war. Vorher habe ich mich nicht getraut, mich zu freuen", sagte sie auf SPORT1-Nachfrage über die nervenaufreibende Warterei.

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Zahlreiche Stürze

Im Starthaus dagegen blieb Höfl-Riesch ziemlich cool.

Wegen mehrerer Stürze gab es zahlreiche Unterbrechungen.

Vier Weltklasse-Läuferinnen kamen auf der Piste "Streicher" zu Fall. Stefanie Moser, Dominique Gisin, Daniela Merighetti ? und zum Schrecken für die deutschen Fans auch Veronique Hronek.

Die wurde an einer der Wellen ausgehoben und konnte sich nicht mehr retten. Sie flog in die Fangnetze, blieb aber zum Glück unverletzt.

Konter gegen Wasi

Die Piste war nach nächtlichen Temperaturen von minus 16 Grad eisig und pickelhart.

Für Höfl-Riesch kein Problem.

"Ich mag es wenn es hart und eisig ist. Spektakulär und gefährlich, das ist Abfahrtssport. Es war einer WM würdig", sagte sie und setzte damit wieder einen kleinen versteckten Konter gegen Erzfeind Markus Wasmeier.

Der hatte vor der WM nicht nur Höfl-Riesch sportliche Chancen abgesprochen, sondern auch die Damen-Strecke als zu leicht befunden: "Da kommt jede runter", war sich der Doppel-Olympiasieger sicher.

Schon beim Super-G hatte sich durch Lindsey Vonns Sturz auf schockierende Art und Weise gezeigt, wie daneben Wasmeier mit seiner Aussage lag.

Verrücktes Rennen nach Vonn-Ausfall

Viele stellen sich allerdings die hypothetische Frage, ob das Ergebnis der Abfahrt auch so ausgesehen hätte, wenn Vonn am Start gestanden hätte.

Acht Abfahrten hatte die amerikanische Speed-Queen in den letzten beiden Jahren gewonnen.

"Sicher hätte sie vorne mitgemischt. Sie war gut drauf und total heiß auf diese WM", gab ihre Freundin zu.

So aber kam ein "verrücktes Rennen" zustande, wie es Höfl-Riesch selbst nannte.

Die Favoritinnen scheiterten reihenweise, die ÖSV-Damen ebenso wie die Slowenin Tina Maze, die damit ihren historischen Traum von fünf Medaillen bei einer WM begraben musste.

Überraschungsweltmeisterin Rolland

Am Ende gab es mit Marion Rolland aus Frankreich eine Weltmeisterin, die noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen hat.

Die Französin konnte es im Ziel selbst kaum glauben, als sie die Eins aufleuchten sah und vergoss Tränen der Freude.

Spott-Opfer im Internet

Vor drei Jahren bei Olympia in Vancouver war die 30-Jährige noch dem Spott der ganzen Welt ausgeliefert, als sie beim Stockeinsatz nach dem Start umkippte.

Das You-Tube-Video zu diesem Vorfall wurde inzwischen mehrere hunderttausend mal geklickt.

Für sie selbst war es weniger lustig, sie erlitt beim Sturz einen Kreuzbandriss.

Doch an Aufgeben dachte sie nie: "Seit meiner Kindheit träume ich davon, Weltmeisterin oder Olympiasiegerin zu werden. Ich habe so viel Pech gehabt in meinem Leben. Man muss an seine Träume glauben, dann werden sie irgendwann wahr", sagte sie deshalb überwältigt.

Höfl-Riesch sprach sogar von einem Kreuzband-Podest, da auch Silbermedaillengewinnerin Nadia Fanchini einst diese schwere Knieverletzung erlitten hatte.

Die Bayerin wurde sogar zweimal von einem Kreuzbandriss zurückgeworfen.

Schmerzen im Knie

Ihr rechtes Knie macht ihr nun wieder Sorgen.

Schon am Samstag spürte sie einen stechenden Schmerz im rechten Knie und ließ deshalb das Abschlusstraining sausen.

"Das ist eine alte Verletzung, mit der habe ich immer wieder mal Probleme, der Knorpel ist beschädigt", erzählte sie hinterher.

Sie zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Schmerzen wieder verschwinden: "Es geht sonst immer in ein paar Tagen weg."

Sicherheitshalber nahm aber Mannschaftsarzt Ernst-Otto Münch das Knie der Wintersportnation noch am Sonntag in die Lupe.

Denn Höfl-Riesch ist nach ihren beiden Medaillen gierig auf weitere Rennen.: "Ich würde den Team-Bewerb gern fahren. Es macht Spaß und ist toll, fürs Team zu kämpfen - und es ist eine Medaillenchance, auch wenn das in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ganz den Stellenwert hat wie eine Einzel-Medaille."

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