Österreichs Hannes Reichelt beendete den Super G der Herren nur auf Rang vier © imago

Die Ski-WM läuft für die Gastgeber überhaupt nicht nach Wunsch. Das Team wirkt verunsichert, der Trainer gerät in die Kritik.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Wann er die Ski-WM in Schladming als Erfolg bewerten würde, wurde Weltverbands-Präsident Gianfranco Kasper bei der Eröffnungs-PK am Montag gefragt.

"Wenn das Medienecho positiv ist", lautete eine der Antworten des FIS-Bosses.

Unter diesem Gesichtspunkt muss der Auftakt der Weltmeisterschaften nach zwei Rennen schlicht und ergreifend als Desaster bewertet werden. (DATENCENTER: Ergebnisse)

"Warum?", titelte beispielsweise die "Kronenzeitung" in großem Lettern nach dem Horror-Auftakt mit dem schlimmen Sturz Lindsey Vonns im Super-G. Das Wort Chaos war nahezu in allen Medien national wie international zu finden nach der stundenlangen Hängepartie am Dienstag.

Kreuzbandriss auch bei Jansrud

Am Mittwoch kam dann noch der zweite Kreuzbandriss hinzu.

Wie Vonn zog sich auch der Norweger Kjetil Jansrud diese schwere Knieverletzung zu. Er hatte sich beim Super-G der Herren auf der durchweichten Piste verdreht und die Balance verloren. ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM )

400 Millionen investiert

Zwei Top-Stars außer Gefecht, Kritik von allen Seiten - so hatten sich die österreichischen WM-Organisatoren die Titelkämpfe in Schladming ganz und gar nicht vorgestellt.

Unisono hatten ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und Schladmings Bürgermeister Jürgen Winter die beste Ski-WM aller Zeiten versprochen.

Getan haben Schladming und Österreich dafür einiges. 400 Millionen Euro wurden investiert. Ein neuer Bahnhof, ein neues Stadion, ein moderner Skygate-Triumphbogen und vieles mehr wurde aus den Boden gestampft - größtenteils finanziert von der öffentlichen Hand.

[image id="59151ce5-63e3-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Verschiebungen unerwünscht

Auch deshalb ist der Druck auf die Organisatoren groß. Es soll etwas rumkommen bei der WM - sprich ein finanzieller Gewinn.

Das aber wird nicht einfach: "Es darf keine Absagen oder Verschiebungen geben", betonte Schröcksnadel.

Jury spürt Druck

Auch deshalb wurde versucht, den Super-G der Damen - wenn es irgendwie geht - durchzuführen.

Für diese Entscheidung war zwar die Jury um den norwegischen Renndirektor Atle Skaardal zuständig, aber der spürt natürlich den Druck der Organisatoren.

Bei einer Verschiebung auf einen anderen Tag behalten zwar die WM-Tickets ihre Gültigkeit. Aber ob die Zuschauer dann wirklich alle noch einmal den Weg nach Schladming auf sich nehmen, darf bezweifelt werden.

Die Einnahmen bei Essen und Getränken würden also auf jeden Fall wegbrechen.

Negative Eindrücke für Zettel

Zu allem Übel wurden mit dieser fatalen Entscheidung am Dienstag auch die eigenen Sportler verunsichert.

Kathrin Zettel verfolgte den Super-G der Damen nur vor dem Fernseher, wie sie SPORT1 am Mittwoch im österreichischen Teamhotel erzählte.

Dennoch hinterließen die Geschehnisse - allen voran der Vonn-Horrorsturz - einen bleibenden Eindruck bei der Kombinations-Weltmeisterin von 2009. "Das hat mich sehr beschäftigt, da habe ich viel Negatives rausgezogen."

Ähnlich nachdenklich wirkt die ansonsten fröhliche Anna Fenninger: "Die Umstände, wie ein Rennen durchgeführt wird, finde ich gefährlich", äußert sie deutliche Kritik.

Maier tönt

Die sportliche Zwischenbilanz für Rot-Weiß-Rot fällt nicht viel besser aus. Noch stehen die Gastgeber ohne Medaille da. Dabei waren die Erwartungen hoch gewesen.

"Wir können in jedem Rennen Gold holen", hatte Legende Herrmann Maier getönt.

Schildkröte Poldi hatte beim Salatschüssel-Orakel für beide Rennen Medaillen vorhergesagt. Doch am Donnerstag schrieben die österreichischen Zeitungen nur vom Blechsalat. Im Super-G der Herren reichte es lediglich zu Platz vier und fünf durch Hannes Reichelt und Matthias Mayer.

Galgenhumor und Zweckoptimismus

Cheftrainer Matthias Berthold zeigte sich selbstkritisch: "Wir suchen keine Ausreden. Das war kein Pech, das war halt einfach zu wenig für eine Medaille." Berthold musste sich nach dem Rennen auch Kritik für seine Aufstellung gefallen lassen.

Der Kurs, der eher Riesenslalom-Charakter hatte, hätte auch ÖSV-Supertechniker Marcel Hirscher gelegen. "Den Lauf wäre ich auch sehr gerne gefahren", schrieb er auf seiner "facebook-Seite".

Womöglich haben die Österreicher also eine sichere Medaille verschenkt.

Bei seinen Läufern dagegen scheint nicht jeder den Ernst der Lage begriffen zu haben. Romed Baumann stapfte nach Platz acht lachend durch den Zielraum. Der fünftplatzierte Youngster Mayer versuchte sich in Zweckoptimismus: "Dann klappt es eben bei den nächsten Weltmeisterschaften."

So lange wird die österreichische Öffentlichkeit sicher nicht warten wollen.

Weiterlesen