Maskottchen Hopsi vor dem Skygate - die Erwartungen sind himmelhoch © imago

Österreich geht bei der WM aufs Ganze. Die Kosten übersteigen die der Allianz Arena. Der Patriotismus blüht oft skurril.

München - Nein, eine Hose hat auch Hopsi nicht an. Anders als Goleo, das Maskottchen der Fußball-WM 2006, ist der "Urvater aller Skihasen", wie ihn die "Kleine Zeitung" nennt, mit Mütze, Schal und Stiefeln aber bestens gerüstet für seinen Einsatz in Schladming.

Hopsi ist der ganze Stolz der Macher der 42. alpinen Ski-WM (ab Di., täglich im LIVE-TICKER)., die am Montagabend eröffnet wird. Der graue Rammler, der in einer etwas fülligeren Ausführung schon bei der WM 1982 im Einsatz war, wurde bereits über 15.000-mal verkauft.

Die WM ist ein Riesengeschäft - und für Österreich mehr als ein Sport-Ereignis.

Teurer als die Allianz Arena

400 Millionen Euro wurden in dem 4400-Seelen-Ort investiert. Zum Vergleich: Die zur WM 2006 errichtete Münchner Arena im Schlauchboot-Design kostete nur 350 Millionen Euro.

Goleo, Arena, Fußball-WM - das ist der Maßstab für die WM am Fuße des Dachsteins mit dem 1906 m hohen Hausberg Planai. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Die Skistars um Marcel Hirscher und Anna Fenninger sollen sechs bis acht Medaillen gewinnen - und das skiverrückte Land in einen Begeisterungstaumel stürzen, wie es "König Fußball" in Deutschland vermochte.

"Adrenalinmaschin mit pochenden Venen"

Wenn Hirscher oder Fenninger die Pisten hinunterrasen, steht in weiten Teilen des Landes das Leben still. Neulich, bei der Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel, sahen im "ORF" 1,54 Millionen zu - bei 8,5 Millionen Einwohnern. Marktanteil: Fast 80 Prozent.

"Schifoan is des Leiwandste", Skifahren ist das Coolste, sang schon Liedermacher Wolfgang Ambros. Sein Kollege Andreas Gabalier singt im offiziellen WM-Song ("Go for Gold") davon, wie Österreichs Ski-Helden für ihre Nation kämpfen - mit "pochenden Venen", als "Adrenalinmaschin".

Er singt von "Adlern, die durch die Lüfte schweben, Leistung bringen, Schanzen springen, Fahnen schwingen". Äh, ja.

Nur weniger Kritiker

Severin Gröbner irritiert das mit den Fahnen. Der Kabarettist aus Wien stößt sich am Ski-Patriotismus seiner Landsleute.

"I versteh ned, dass man, wenn's schneit, in die Berge fahrt. Wenn's schneit, geh i in die Sauna", sagt er. "Und wenn dann alle rundherum stehen und rot-weiß-rote Fahnen wackeln - i weiß ned, ob des so viel Sinn macht."

Gröbner ist einer der wenigen Kritiker, er versucht, seine Zweifel am Wahnsinn WM ironisch-humoristisch auszudrücken.

Neues erbaut, Altes abgerissen

In Schladming allerdings ist manchen das Lachen vergangen. Für das "Skifest mit Herz" wurde der Stadt im Ennstal ein neues Gesicht verpasst. Ein Gesicht, das nicht allen gefällt.

Der Ort bekam einen neuen Bahnhof, eine ufoähnliche Talstation namens "Planet Planai", an der sich bei der WM der Zielraum befindet, ein Kongresszentrum, neue (Luxus-)Hotels, undundund.

Viel Altes wurde abgerissen, auch der für sehr viel Geld erbaute "Loop", ein Betonbogen über dem Zielraum, der 2000 Tonnen Stahl und neuen Zuschauertribünen weichen musste.

Neu entstand ein 35 Meter hoher Triumphbogen - das "Skygate", das Himmelstor. "Heute.at" schreibt von "Schröcksnadels Größenwahn".

ÖSV streicht den Profit ein

"Man hat in der Region 20, 30 Jahre davon Profit", sagt Peter Schröcksnadel, der Präsident des Skiverbandes ÖSV. Der 71-Jährige saß am vergangenen Donnerstag im "Hangar 7" des Senders ServusTV, und behauptete allen Ernstes: "Wenn Sie eine WM organisieren, gehen Sie ein hohes Risiko ein. Eine Gelddruckmaschine ist das keine."

Er lächelt. Schröcksnadel hat gut Lachen. Das Gros der Investitionen haben Bund und Land getätigt, den Reingewinn der WM streicht der ÖSV ein.

Dass die Gigantomanie in Schladming den Ort "entzweit" hat, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, kann ihm egal sein.

Noch 20.000 Rammler in den Regalen

Die erwarteten 450.000 Besucher, darunter Promis wie Wladimir Putin, Franz Beckenbauer und Arnold Schwarzenegger, und die 650 Athleten werden davon kaum etwas mitbekommen.

Sie dürften sich am Sport, am Programm mit Konzerten von Kevin Costner und DJ Ötzi, an der unvergleichlichen Stimmung und am Apres-Ski berauschen.

Und wenn sie heimfahren, nehmen alle einen Hopsi mit. 20.000 Rammler stehen noch in den Regalen...

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