Marcel Hirscher gewann letzte Saison den Gesamtweltcup © getty

Marcel Hirscher ist bei der WM in Schladming der Hoffnungsträger von ganz Österreich. Er gilt als sicherster Gold-Kandidat.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Für die Österreicher ist die Alpine Ski-WM in Schladming (ab Di. im LIVE-TICKER) das Sportereignis des Jahres.

Doch Marcel Hirscher würde sich die Weltmeisterschaften lieber an einem anderen Ort wünschen.

"Leichter wäre es wahrscheinlich, wenn die WM in Amerika stattfinden würde", sagte der Gesamtweltcupsieger 2012 zuletzt bei "Servus TV".

Der Druck, den der Österreicher vor der Heim-WM spürt, ist gewaltig.

Sieben Saisonsiege

Seit einem Jahr ist Hirscher für die österreichischen Fans der sicherste Gold-Kandidat.

Im Vorjahr dominierte er in Slalom und Riesenslalom beinahe nach Belieben und sicherte sich die große Kristallkugel.

Auch in diesem Winter hat der 23-Jährige schon wieder sieben Siege gefeiert, bei 15 Rennen landete er 13 mal auf dem Podest (DATENCENTER: Ergebnisse).

Kitzbühel als Vorgeschmack

Zuletzt stand er auch in Kitzbühel ganz oben auf dem Podium, dabei bekam er einen Vorgeschmack auf den Druck, der in Schladming auf ihm lasten wird.

Zehntausende waren an den Ganslernhang gekommen, um ihn siegen zu sehen.

Und er enttäuschte sie nicht. Mit einem Lauf, der von oben bis unten von voller Attacke gekennzeichnet war, hängte er alle Rivalen ab. Von Nervosität war bei ihm nichts zu sehen.

"Coolness kann man besser von außen beurteilen. Ich bin der Marcel und probiere jetzt nicht cool zu sein. Aber vielleicht macht einen genau das cool", beschrieb er hinterher sein mentales Erfolgsrezept.

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Druck aus Deutschland

Diese Coolness wird er bei der WM noch umso mehr brauchen, wenn 8,4 Millionen Österreicher von ihm die Goldmedaille erwarten.

Und als würde der Druck aus dem eigenen Land nicht reichen, schultert ihm auch noch der Deutsche Skiverband die Favoritenbürde auf.

"Im Slalom gibt es nur einen einzigen Goldfavoriten, und das ist Marcel Hirscher", stellt Sportdirektor Wolfgang Maier gegenüber SPORT1 klar. Maier versucht damit natürlich auch gleichzeitig, Hirschers Rivalen Felix Neureuther etwas den Druck zu nehmen.

"Bin kein Schweizer Uhrwerk"

Für die österreichischen Fans wäre jedenfalls schon ein zweiter Platz Hirschers eine Enttäuschung.

Der warnt deshalb schon mal vorsichtshalber: "Ich bin kein Schweizer Uhrwerk und kein Computer-Programm, sondern auch nur ein Mensch, der Fehler machen kann. Vielleicht passieren die genau bei der WM. Dann darf man nicht enttäuscht sein und auf mir rumhacken. Im Skisport ist nichts erzwingbar oder planbar."

Herminators Servicemann

So ganz stimmt das allerdings nicht. Hirschers Erfolge sind durchaus Ergebnisse einer professionellen Arbeit und Planung.

Der 1,73 Meter kleine Skikünstler überlässt nichts dem Zufall - vor allem was das Material angeht. Seine Ski vertraut er einem gewissen Edi Unterberger an. Der war früher Servicemann bei keinem Geringeren als Hermann Maier.

"Ich kann selber der Beste sein, wenn der Edi einen schlechten Tag hat, werde ich nicht viel derreißen", weist Hirscher auf Unterbergers Bedeutung hin.

Fitness als Grundlage

Und noch eine Gemeinsamkeit mit Maier hat Hirscher. Der 23-Jährige ist ein ähnlicher Fitness-Freak wie der "Herminator".

Maier fuhr während der Saison im Hotelzimmer Einheiten auf dem Ergometer.

Hirscher entwickelte zusammen mit seinem Fitnesscoach Gernot Schweizer selbst speziell auf ihn zugeschnittene Trainingsgeräte.

"Ich habe noch nie einen Sportler betreut mit dieser professionellen Einstellung. Er arbeitet an allem, was er tut, zu hundert Prozent", lobt Schweizer seinen Schützling.

Nur durch seine starke Fitness ist es Hirscher möglich, immer die aggressivste Linie in den Schnee zu zaubern.

Tipp von Maier

In Schladming soll diese Linie zur Goldspur werden. Wie er dieses Kunststück trotz millionenfachen Drucks schaffen soll, dafür hat Legende Hermann Maier selbst einen Tipp parat:

"Das Wichtigste ist, die WM wie jedes andere Rennen auch zu sehen und sich so zu verhalten."

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