Aksel Lund Svindal gewann 2006/2007 und 2008/2009 den Gesamtweltcup © getty

Beim WM-Super-G peilt Aksel Lund Svindal Historisches an. Die Bezeichnung Topfavorit ist für den Norweger fast eine Untertreibung.

Von Rainer Nachtwey

München/Schladming - Er ist der König des Super G, doch der eigentliche Titel fehlt ihm noch.

Aksel Lund Svindal hat fast alles gewonnen, zuletzt auch beim Weltcup in Kitzbühel - ein Triumph, der dem Norweger noch gefehlt hatte.

"Man hat mich immer wieder daran erinnert, von daher ist es ganz angenehm, diese Frage beiseite gerückt zu haben", sagte der 30-Jährige nach dem dritten Saisonsieg im Super G (DATENCENTER: Ergebnisse).

Svindal ist Olympiasieger, gewann dreimal den Disziplinen-Weltcup und holte neun seiner 20 Weltcupsiege im Super G.

Aber eines fehlt noch: WM-Gold in seiner Parade-Disziplin (Mi., ab 11 Uhr im LIVE-TICKER).

Topfavorit im Super G

2011 auf der damals extrem unruhigen Kandahar-Piste in Garmisch, auf der von 71 Startern nur 43 das Ziel erreichten, schied Svindal aus.

Damals hatte er zum Favoritenkreis gezählt, dieses Jahr ist er der Topfavorit. Mit drei Siegen und einem zweiten Platz in vier Rennen ist diese Beschreibung schon fast eine Untertreibung.

"Er fährt sauber, hat einen Haufen Siege und Stockerlplätze im Hinterkopf. Da geht alles leichter", meint Hannes Reichelt zur Erfolgswelle seines Rivalen.

Kopf, Körper und Können

Vor allem Svindals Konstanz sorgt bei seinen Gegnern für Kopfschütteln und Fragezeichen. "Wie Svindal das macht, weiß ich nicht", gibt sich Klaus Kröll ratlos.

Eine Erklärung hat US-Trainer Andreas Evers parat, der bereits mit Hermann Maier trainierte: "Er hat den Kopf, den Körper und das Können. So einen wie ihn gibt es in jedem Jahrzehnt nur einmal."

Er selbst findet keine Worte, seinen Erfolg zu erklären. "Was soll ich sagen? Es läuft einfach. Im Super G bin ich im Moment richtig gut."

Nur in Beaver Creek, auf seinem Schicksalshang Birds of Prey, verfehlte er den obersten Podestplatz.

15-Zentimeter-Schnittwunde

Ende November 2007 reiste er als amtierender Weltcup-Gesamtsieger und Führender nach vier Rennen in die USA, stürzte dann schwer im Training zur Abfahrt.

Bei einem Sprung geriet er in Rücklage, schlug mit dem Rücken auf der Piste auf und zog sich mehrere Brüche im Gesicht, schwere Prellungen und zahlreiche Schnittwunden, darunter eine 15 Zentimeter lange am Gesäß zu.

"Sie mussten meinen Bauch aufmachen und nachschauen, ob alles noch unverletzt und am richtigen Platz war", scherzt Svindal mittlerweile über jene Zeit. Dabei war lange nicht klar, ob er seine Karriere überhaupt fortsetzen können würde.

17 Kilogramm Muskelmasse verloren

Mehrere Wochen verbrachte der 1,89 Meter große und 98 Kilo schwere Hüne liegend im Krankenbett, verlor dadurch rund 17 Kilogramm an Körpergewicht.

"Das meiste davon Muskeln. Der härteste Teil meines Trainings war, wieder richtig fit zu werden", erinnert sich Svindal.

Ein Jahr später kehrte er ins Starthaus zurück - und wie.

Ein Sieg für den Kopf

Ausgerechnet bei der Abfahrt auf der Birds of Prey düpierte er die Konkurrenz, triumphierte vor Marco Büchel und Erik Guay.

"Wenn man schon einmal einer der Schnellsten war, weiß man, wie man wieder dorthin zurückkommt", erklärte Svindal sein Erfolgsrezept damals: "Viel Fitnessstudio und viel Skifahren."

Der Sieg in Beaver Creek war für den norwegischen Bär aber ein Sieg für den Kopf.

"Das bedeutet mir gleich viel wie Olympia-Gold oder der Gesamtweltcup. Das war speziell, denn das war nicht nur Skifahren, das war viel Arbeit im Kopf", sagt Svindal. "Ich bin diese Strecke eintausend Mal im Kopf gefahren, bevor ich nach Beaver Creek gekommen bin."

Gesamtweltcup bei Comeback-Saison

Dem Sieg in der Abfahrt folgte tags darauf noch der Erfolg im Super G, zudem gewann er die Abfahrt in Are und am Ende stand noch der Gewinn des Gesamtweltcups zu Buche.

Seine Comeback-Saison krönte er bei der WM 2009 in Val d'Isere mit Kombinations-Gold.

Drei WM-Titel in Folge

Nun strebt er in Schladming seinen fünften WM-Titel nach Abfahrts- und Riesenslalom-Gold in Are 2007 und den beiden Kombinations-Goldenen in Val d'Isere 2009 und Garmisch 2011 an.

Damit würde Svindal Geschichte schreiben. Noch nie gelang es einem Skifahrer bei vier Weltmeisterschaften in Folge mit einer Goldmedaille nach Hause zu fahren.

Selbst wenn "Mister Super G" dieses historische Kunststück gelänge, vom Legendenstatus wäre er nach eigenen Aussagen noch weit entfernt.

"Eine Legende bist du erst, wenn du in Kitzbühel die Abfahrt gewinnst", sagt Svindal. Auch das fehlt ihm noch.

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