Eisschnelllauf ist seit 1924 Sportart bei den Olympiaschen Winterspielen © imago

IOC-Mitglied Hein Verbruggen und zwei Ärzte erheben Doping-Vorwürfe gegen den Eisschnelllauf-Verband. Die WADA will Erklärungen.

München - Der Eissport-Weltverband ISU muss der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA sein Vorwarnsystem bei Blutkontrollen erklären.

"Davon haben wir bisher nichts gewusst. Solche Nachrichten werden immer auf eine seltsame Art und Weise bekannt, wenn Personen es uns erzählen. Dann müssen wir eingreifen", sagte WADA-Generaldirektor David Howman dem niederländischen TV-Sender "NOS" am Rande des WADA Media Symposiums in London.

Howman war überrascht, dass offenbar nicht nur im Profiradsport, sondern auch im Eisschnelllauf ein Dopingvorwarnsystem bestand.

Weitere Verbände betroffen?

Vor einigen Wochen hatte der ehemalige Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI und IOC-Ehrenmitglied Hein Verbruggen erklärt, dass zahlreiche Radprofis über abweichende Werte bei Bluttests informiert worden waren.

Verbruggen wollte ähnliches Verhalten auch bei anderen Verbänden, darunter der ISU, bemerkt haben.

Der frühere niederländische Eisschnelllauf-Teamarzt Frank Nusse sowie der ehemalige ISU-Mediziner James Stray-Gundersen (USA) hatten Verbruggens Aussage bestätigt.

Schutz-System für Athleten

"Wenn die Werte der Blutprobe nicht normal waren, wurde es Athleten, dem Teamarzt und dem Teamleiter mitgeteilt", sagte Stray-Gundersen: "Dann erhielt der Athlet die Möglichkeit, eine zweite Blutprobe abzugeben. Wenn auch diese von den Normalwerten abwich, durfte er nicht starten", erklärte der amerikanische Sportmediziner, der bei der ISU Ende der 90er Jahre das Blutkontrollsystem mit eingeführt hatte.

"Auf der Grundlage dieser Informationen werden wir entsprechende Schritte unternehmen. Wir werden intern mit unserem juristischem Team überprüfen, ob die ISU die internationalen Regeln eingehalten hat.

Falls nicht, dann werden wir die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Unsere Aufgabe ist es, Betrüger aufzuspüren und nicht zu schützen", sagte Howman.

Fragwürdige Handlungen im Pechstein-Fall?

Auch nach der Dopingkontrolle bei Claudia Pechstein im Februar 2009, die zur zweijährigen Sperre der fünfmaligen Olympiasiegerin geführt hatte, soll es zu fragwürdigen Handlungen durch ISU-Offizielle gekommen sein.

Nach Angaben von Gerd Heinze, dem Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), hätten ISU-Offizielle angeboten, auf weitere sportjuristische Schritte zu verzichten, sollte die damals 37-Jährige Pechstein ihre Karriere sofort beenden.

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